Der Ver(un)sicherer
Die Niedrigzinsen sind nur der Sündenbock

Niedrige Renten dank niedriger Zinsen? Von wegen. Eigentlich sind es schlecht kalkulierte Produkte, die die Rentenauszahlungen bei der Lebensversicherung drücken. Versicherer rechnen mit überzogenen Lebenserwartungen.
  • 5

Die Versicherungsunternehmen haben ein ernsthaftes Problem: Vor zehn, zwanzig Jahren haben sie der Politik versprochen, dass sie das mit der Altersvorsorge richtig gut können und auch ganz großartige Angebote dafür hätten. Das Schlüsselwort war dabei immer die „Kapitaldeckung“, die ja anders funktioniert, als die vom kleinen Arbeitsminister propagierte Umlagerente. Dieses Versprechen konnten sie aber nicht halten. Sie mussten es brechen.

Das Problem waren und sind die Produkte: Früher gab es hauptsächlich die Kapitallebensversicherung. „Altersvorsorge“ war damit eigentlich nie richtig möglich. Denn bei diesem Produkt gibt es – wenn man nicht zwischenzeitlich gekündigt hat oder verstorben ist – zum Vertragsende genau eine Summe Geld. Auf einen Schlag. Ein Aufpeppen der Rente ist das aber nicht. Sicherlich ist es schön, wenn es geklappt hat, eine gute Summe anzusparen. Zu einer immerwährenden regelmäßigen Zahlung bis zum Tod führt so ein Vertrag aber nicht. Echte Altersvorsorge? Fehlanzeige.

Später haben dann die Vertriebe die klassischen Rententarife propagiert. Die sind von der Grundkonstruktion her schon mal eher als Altersvorsorge anzusehen. Es gibt am Schluss ja eine lebenslange Rente. Hier dann aber die große Schwierigkeit: Enorme Biometriekosten. Das heißt, die Kunden müssen auf einiges an Rente verzichten, weil die Versicherer mit überzogenen Lebenserwartungen kalkulieren. Und die Unternehmen können das auch immer wieder nachjustieren.

Weil nun aber die Kostenbelastung bei diesen Renten so hoch ist, spielen die anderen Kalkulationsgrundlagen eine immer geringere Rolle. Wenn schließlich ein Drittel der Beiträge nur dazu verwendet werden, einen Langlebigkeitspuffer aufzubauen, dann fehlt dieses Geld im gesamten Sparprozess. Da ist es dann schon fast egal, ob der Kunde drei, vier oder fünf Prozent an Verzinsung auf seinen Sparbeitrag bekommt. Je nachdem hat der Durchschnittskunde besonders viel oder eher weniger verloren. Dass er zu den Verlierern gehört, dafür sorgen die hohen Kosten.

Nachdem diese unrentablen Tarife nur über ein Jahrzehnt lang mit Hochdruck in den Markt gepresst wurden, merken mehr und mehr Kunden, dass sie eigentlich einen schlechten Vertrag abgeschlossen haben. Und sie stellen sich die Frage: Warum ist mein Vertrag so miserabel?

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Problem sind schlecht kalkulierte Produkte

Kommentare zu " Der Ver(un)sicherer: Die Niedrigzinsen sind nur der Sündenbock"

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  • 1.) Die klassische Lebensversicherung gibt es sowieso nicht mehr.
    2.) Die private Rentenversicherung lohnt sich deshalb, weil der Gesetzgeber die steuerlichen Vorteile bedacht hat. Insbesondere die nachgelagerte Besteuerung im Alter in dem man eh kaum oder keine Steuern und Sozialversicherungsabgaben mehr zahlt. Dagegen ist beim Banksparplan jedes Jahr der Zins abgelungssteuerpflichtig + Soli + KiSt. Das bedeutet man verliert hier einiges, da der Zinseszinseffekt für diese Steuern nicht mehr wirkt.
    3.) Wer in Hochzinsphasen abgeschlossen hat (Ja, Herr Kleinlein und seine Freunde haben auch da schon gegen die Versicherungslösung gewettert), freut sich heute über Garantiezinsen jenseits der 4%. Der Banksparplankunde hat in der Regel nicht solch lange Zinsversprechen seitens der Bank und kann heute froh sein, wenn er zwischen 0,5 und 1% Zins bekommt. Davon darf man dann noch die Steuern abziehen.
    4.) Weiter sind manche Modelle der Versicherungslösung Hartz-sicher. Was bringt es mir, wenn ich für mein Alter anspare, mit über 50 Jahren aber mir, meinem Arbeitgeber oder gar der ganzen Branche etwas unvorhergesehenes passiert und ich raus geworfen werde? Dann darf ich meine Altersvorsorge bis zu meiner Rente hin verwerten. Bedeutet ich habe in diesem Szenario immerhin 35 bis 40 Jahre gearbeitet und bekomme trotzdem nur so viel, wie ein Schmarotzer der nie etwas geleistet hat.

    Es ist alles nicht so leicht. Eine Versicherungslösung muss nicht der Idealweg sein, Gott hilf! Das möcht ich nicht behaupten. Aber Herr Kleinlein malt halt immer schwarz und weiß und erklärt das für die Realität.

  • Sehe ich auch so.
    Ich hätte gerne mal einen Vergleich zwischen der günstigsten Kapitallebensversicherung am Markt, dem günstigstens Banksparplan am Markt und einen vom Risiko vergleichbaren Investmentfonds vorgerechnet. Dabei sollte man außerdem nicht vergessen, dass man bei einem Banksparplan zusätzlich dem Pleiterisiko der Bank ausgesetzt ist, das ich in unserer aktuellen Lage viel höher als das eines stabilen Lebensversicherers einschätze.

    Alles schlecht zu reden ist leicht. Aber Herr Kleinlein beweist seine Aussagen nicht und zeigt auch keine konkrete Alternative (z.B. Banksparplan X von Bank Y).

    Zur Rentenversicherung und Risikolebensversicherung gibt es keine Alternative. Die private Rentenversicherung ist wegen des sich zuspitzenden demographischen Problems unverzichtbar.

    Außerdem unterstellt Herr Kleinlein der Lebensversicherungsbranche, dass ihr die Niedrigzinsphase gelegen käme. Das ist wirklich zynisch!

  • Sehe ich auch so.
    Ich hätte gerne mal einen Vergleich zwischen der günstigsten Kapitallebensversicherung am Markt, dem günstigstens Banksparplan am Markt und einen vom Risiko vergleichbaren Investmentfonds vorgerechnet. Dabei sollte man außerdem nicht vergessen, dass man bei einem Banksparplan zusätzlich dem Pleiterisiko der Bank ausgesetzt ist, das ich in unserer aktuellen Lage viel höher als das eines stabilen Lebensversicherers einschätze.

    Alles schlecht zu reden ist leicht. Aber Herr Kleinlein beweist seine Aussagen nicht und zeigt auch keine konkrete Alternative (z.B. Banksparplan X von Bank Y).

    Zur Rentenversicherung und Risikolebensversicherung gibt es keine Alternative. Die private Rentenversicherung ist wegen des sich zuspitzenden demographischen Problems unverzichtbar.

    Außerdem unterstellt Herr Kleinlein der Lebensversicherungsbranche, dass ihr die Niedrigzinsphase gelegen käme. Das ist wirklich zynisch!

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