Der Ver(un)sicherer
Leitlinie Angst

Die Visionen der Großen Koalition zur Gesundheitspolitik: Wahl gelaufen, Wahl vorbei, und auf einmal entschwindet das Thema. Das Wohl Deutschlands entscheidet sich mit der Autobahnmaut für Ausländer.
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Das wird ein spannender Wahlkampf! (Wahrscheinlich) nur noch vier Jahre, und die Zukunft des deutschen Gesundheitssystems wird sich entscheiden! Deutschland 2017, das Entscheidungsjahr für wichtige politische Projekte wie zum Beispiel eine Gesundheitsreform. Da bleibt nur zu hoffen, dass sich dann endlich eine starke und stabile Mehrheit findet, die sich auch traut das große Projekt Gesundheit anzugehen. Eine Mehrheit, die mutig ist. 2017 ist die Chance, dass sich dann eine Koalition bildet, die tatsächlich auch Entscheidungen fällen will und fällen kann.

Die Regierung zwischen 2013 und 2017 hat es ja auch schwer. Böse Zungen behaupten, dass die „GroKo“ ja eigentlich eine große und stabile Mehrheit hätte. Dabei verweisen diese Politdefätisten auf solche Nebensächlichkeiten wie die rechnerisch große Mehrheit im Bundestag. Zugegeben, bei Bundestagsdebatten entfällt auf die Koalition im Ganzen etwa 90 Prozent der Redezeit. Aber was sagen solche Statistiken denn eigentlich aus? Ist es so einfach, aus einer solchen Mehrheit auch den Rückhalt für Reformen zu gewinnen?

Wir können uns daran erinnern, dass der Wahlkampf 2013 (und wahrscheinlich auch der in 2017 oder 2014) zuweilen an einen Kulturkampf anmutete. SPD, Grüne und Linke sprachen einer wie auch immer gearteten Bürgerversicherung das Wort, und CDU und FDP hielten dagegen. Die Neuordnung des Gesundheitssystems erschien als ein zentrales politisches Projekt. Wer wählen ging musste sich unweigerlich die Frage stellen, welches System er denn wolle. Zeitungen, Internet, Talkshows und Plakatwände waren voll mit Aufrufen für oder gegen dieses oder jenes System.

Wahl gelaufen, Wahl vorbei und auf einmal entschwindet das Gesundheitsthema. Keine Rede mehr von einer Systementscheidung. Keine Rede mehr überhaupt von Entscheidungen. Das Wohl Deutschlands entscheidet sich mit der Autobahnmaut für Ausländer – nicht mehr in der Zukunftssicherheit der Sozialpolitik.

Das Nicht-Ergebnis ist fatal. (Vermutlich) weitere vier Jahre Herumlaborieren an Detailfragen des Gesundheitssystems, aber keine Richtungsentscheidung. Dabei hätte gerade eine „GroKo“ die Größe und das Gewicht, derart grundlegende Weichenstellungen vorzunehmen. Aber anscheinend ist eine Merkel-Gabriel-GroKo nicht Willens und/oder nicht fähig, die wichtigen Entscheidungen zur Gesundheit zu fällen. Es ist wohl die Angst, dass sich die Parteien dann 2017 an den Ergebnissen messen lassen müssten.

Kommentare zu " Der Ver(un)sicherer: Leitlinie Angst"

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  • Wegen ein paar Wechselwilliger kann man nicht das ganze System von GKV und PKV in Frage stellen. Portabilität der Rückstellungen vor 2009 ist rechtswidrig, da ein rückwirkender Eingriff in bestehendeVerträge.Solidarität zwischen Gesunden und Kranken innerhalb der Kollektive wird gefährdet.Die Rückstellungen sind gemeinsame Risikovorsorge für Personen die später krank werden.Wechselbereitschaft zeigen typischerweise die Gesünderen.Wenn man diesen die Rückstellungen mitgibt, werden die nicht wechselwilligen Alten und Kranken nicht mehr geschützt.

  • Provisionsdeckelung, Einstellung von Billigtarifen, der bessere Umgang mit §204VVG, Mindestleistungen im allgemeinen Versicherungsschutz. Diese positiven Entwicklungen muss die PKV jetzt fortsetzen.

  • Mit Verlaub, das ist so Unsinn. Da kann sich der einsame Schreiber hier Namen geben, wie er will.

    Wahlrecht,KKWahl,Wahl2013,KKParadox,Gleiches Recht,Chaos und jetzt AngstundBange und GegenAbzocke. Man erkennt Sie immer an Ihrem Schreibstil!!! Oder schreiben Sie sogar fürs HB, damit hier mehr Stimmung gemacht wird?

    Sie haben uns angelogen mit den 40% Beitragsanpassung der PKV in 2014. Sagen Sie mir die Gesellschaft und die Tarife dann prüfe ich es gerne mal nach oder Sie machen sich noch unglaubwürdiger. Ich hatte Ihnen bereits mehrfach sogar Hilfe angeboten.

    Gute PKV Tarife haben ca. die selbe Beitragssteigerung wie die GKV, also ca. 3-4% jährlich im Durchschnitt. Bereits mehr als 1 Million PKV-Versicherte haben portable Altersrückstellungen (alle seit 2009). Die Debatte über Portabilität und Wettbewerb ist eher ein Scheingefecht. Der Wunsch nach Portabilität entsteht doch erst wenn Menschen unzufrieden mit Ihrer Versicherung sind. Die meisten sind ja zufrieden in der PKV und wollen gar nicht wechseln. Mit Erleichterung der Mitnahme müssen gerade die Älteren und Kranken leiden, der schwächste Teil der Solidargemeinschaft. Die Jungen und Gesunden sind nachgewiesen wechselwilliger.
    Jede Gesellschaft bietet der GKV vergleichbare Tarife, die aber deutlich günstiger sind als der Basistarif der PKV. PKV sorgt auch für die jetzt junge Generation mit Altersrückstellungen für das Alter vor, im Gegensatz zur GKV. Wo ist da die Gerechtigkeit? Die Rivalität der Systeme GKV und PKV ist eine Antriebsfeder für den Fortschritt und es immer etwas besser zu machen als der andere. Eine Einheitskasse für alle Bürger würde alles nur auf dem Rücken der Kunden austragen. Mit anderen Worten es würde für ALLE deutlich schlechter und teurer.

    Kein vernünftiger Kunde geht wegen einer Selbstbeteiligung in der PKV nicht zum Arzt, wie gemutmaßt. Vorsorgeuntersuchungen werden meistens unabhängig von der SB erstattet. Wenn keine Rechnungen eingereicht werden, erhält der Kunde i.d.R.soga

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