Der Ver(un)sicherer Schlechte Qualität verkauft sich am besten

Je schlechter das Produkt, umso besser das Geschäft: Der Grundsatz ist zwar nicht intuitiv. Für die private Altersvorsorge in Deutschland aber trifft er zu. Warum Politik und Lobby eine gute Vorsorge gar nicht wollen.
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Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Es gibt eherne Grundsätze der Ökonomie, an die jeder glauben muss, der sich mit Wirtschaft beschäftigt. Einer davon besagt, dass sich in einem ansonsten freien und homogenen Markt die qualitativ guten Produkte durchsetzen würden gegenüber den ansonsten minderwertigen Angeboten. Streng nach der Devise: Ich gehe doch besser zu dem Bäcker mit den leckeren knusprigen Semmeln als zu dem zu gehen, der nur labbrige Schrippen hat. Und wenn beide Bäcker nur schwer verdauliche Backwaren anbieten, dann greife ich eben zu türkischem Pide.

Können Sie sich vorstellen, dass es umgekehrt sein könnte? Stellen Sie sich eine Welt vor, in der Sie zu einem Bäcker gehen, der genau deswegen viele Brötchen verkauft, gerade weil seine Ware labbrig und gummiartig ist. Wo die Kunden an den Tresen treten und sich darüber bitter beklagen, wie unverdaulich die Brötchen seien und deswegen noch mal nachlegen und Nachschlag wünschen. Es erscheint absurd, ist aber die Realität in der Altersvorsorge.

Wir werden es in den nächsten Monaten wieder erleben. Der Jahresendverkauf steht vor der Tür. Und durch die niedrigeren Überschüsse, die Streichung wichtiger Teile der Bewertungsreserven und niedrigere Garantien können die Vermittler mit Fug und Recht argumentieren: Die bisherige Altersvorsorge reicht nicht aus, die Rentenlücke wird größer und nun müsse noch mehr zusätzliche private Altersvorsorge betrieben werden. Für die Vermittlerschaft stehen die Zeichen also auf Verkauf.

Die Entscheidungen der Bundesregierung helfen da sehr: Eine neue Rentenlücke, erzeugt durch gestrichene Überschüsse. Eine bislang erfolgreiche Strategie. Seit mehr als zehn Jahren wird Verbrauchern eingebläut, mehr private Altersvorsorge zu betreiben. Die Angst vor der immer größer werdenden Rentenlücke wird zunehmend geschürt, da die Überschüsse im gleichen Zeitraum auch immer weiter sinken und die Produkte auch vielfach schlechter werden.

Und die anscheinend alternativlose private Altersvorsorge wird weniger und weniger in Frage gestellt. Die sinkenden Überschüsse und die immer unverständlicheren Angebote gelten als ebenso unvermeidbar wie die zuweilen dreistelligen durchschnittlichen Lebenserwartungen, die den Rentnern unterstellt werden und die Bezüge zusätzlich schrumpfen lassen.

Private Altersvorsrge soll das Gewissen beruhigen
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6 Kommentare zu "Der Ver(un)sicherer: Schlechte Qualität verkauft sich am besten"

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  • Sehr geehrter Herr Kleinlein,
    Sie treffen mit Ihren negativen Berichterstattungen natürlich den Nerv der unmündigen deutschen Bürgern die nicht fähig sind, die Altersvorsorge selber in die Hand zu nehmen.
    Und bei Lösungsansätzen fehlt es leider komplett. Einfach schade, dass Sie durch Ihre Kommentare den Menschen in Deutschland nicht helfen und nur alles schlecht reden. Was soll das bringen? Bitte nicht falsch verstehen. Ich bin nicht für oder gegen ein Produkt. Sondern ich richte mich nach dem Sicherheitsbedürfnis und den Wünschen meiner Kunden.
    Also liebe Leser, die Lösung heißt Honorarberatung.
    Aber alleine das ist noch kein Qualitätsmerkmal. Sondern noch dazu eine unabhängige Ausbildung wie zB Fachwirt für Finanzberatung. Ich möchte ja auch nicht zu einem selbsternannten Zahnarzt gehen oder zu einem Steuerberater, der vom Finanzamt bezahlt wird.
    Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist dann noch eine unabhängige Finanzanlalyse wie zB MWS Braun. Somit kann sich der Honorarberater/in genau nach den Wünschen, Zielen und finanziellen Möglichkeiten richten und Lösungen aufzeigen.
    Pauschalvorschläge wie schon hier geschrieben sind volliger Unsinn, da jeder Mensche anders denkt und jeder Mensch andere Ziele hat. Daher meine Bitte: Verschont die Menschen mit Schlau-Schlumpf-Pauschalvorschlägen zur Altersvorsorge oder Anlage.
    Martin Kasten vom Chiemsee
    MFC

  • @Thomas P.

    vielen Dank für Ihren Kommentar, ich möchte noch hinzufügen, das ich schon mehere Mails geschrieben habe um eine Alternative zu erfahren, jedoch muss ich erst Mitglied werden für einen Jahresbeitrag von X Euro.

    VG
    Klaus

  • Sehr geehrter Herr Kleinlein,
    leider muss ich Ihnen mitteilen, dass ich sehr von Ihrem Artikel enttäuscht bin. Denn zum Schluss bin ich genauso schlau oder dumm wie vorher. Sie schreiben, dass die bisherige Altersvorsorge nicht alternativlos sei. Dann lüften Sie doch mal Ihr Geheimnis und teilen uns Ihren geheimen Weg mit. Dazu halten Sie sich leider wie immer sehr bedeckt.
    Wie schaffen Sie es die Zinsniedrigphase, vorgegeben von der Zentralbank, zu umgehen? Sollen alle Menschen in Aktien und Wertpapiere investieren? Nein, dass kann nicht pauschal die Lösung sein. Denn es gibt Menschen, die wollen nicht spekulieren, sondern die wollen ganz klar einen festdefinierten Zinssatz wissen. Und hier ist das große Problem, dass der immer weiter abgesenkt wird.

    "Axel Kleinlein ist der schärfste Kritiker der Lebensversicherer". Ist das eine Auszeichnung oder ein Lob?? Kritisieren kann ich auch und mir würden vermutlich noch andere Punkte einfallen, jedoch erwarte ich ebenso Alternativen. Genauso schlimm finde ich jedoch, dass sich das Handelsblatt vor diesen "Karren spannen" lässt. Früher als angesagtes neutrales Wirtschaftsblatt avanciert es immer mehr zu einer Art Stimmungskanone like B**d Zeitung. Man verfolge nur die Stimmungsmache zum LVRG. Ich kenne viele im persönlichen Umfeld, die das Handelsblatt genau aus diesem Grunde nicht mehr im Abo haben.....

  • @Trainus
    Natürlich hat der Staat kein Interesse daran, dass die Leute sich bilden und Ihre Geldanlage selber machen. Und natürlich macht der Staat alles um das eher zu torpedieren, zu verhindern oder durch Bürokratische Monster so schwer wie möglich zu machen..... Denn wer würde denn sonst die ganzen Bundesanleihen kaufen, wenn die Leute plötzlich keine Lebensversicherungen, Rentenversicherungen, betriebliche Altersvorsorge im Versicherungsmantel kaufen würden?

  • Ich kann Ihnen gern mein "Rezept" verraten das sich auch die letzten Jahre/Jahrzehnte trotz einiger Schwankungen bewährt hat: Langfristanlage (Nicht kurzfristiges spekulieren - sondern langfristiges Investieren) in Aktien aus verschiedenen Ländern/Branchen, weltweite Aktienfonds, ETF´s, ein kleiner Anteil Gold (natürlich physisch). Netter Nebeneffekt neben einer zwar durchaus manchmal volatilen Wertentwicklung sind laufende Ausschüttungen die für neue Investitionen (oder auch mal als Urlaubsgeld) verwendet werden können. Auch einen Riestervertrag (allerdings als reinen Investmentfonds - ohne teuren Versicherungsmantel) nutze ich persönlich gern (gute Renditen des Anlageproduktes, steuervorteile/Zulagen).
    Gerade für jüngere wäre diese Form/Strategie der Altersvorsorge ideal - als netter Nebeneffekt wird die eigene Einkunftsbasis auch nach Branchen/Ländern diversifiziert so dass die Fehlleistungen der Politik hierzulande zumindest zum Teil durch positive Entwicklungen andernorts aufgewogen werden können.

    Großes Problem jedoch hierbei: Als jemand der im Fach versiert ist, kann ich Herrn Kleinlein hier nur zustimmen: Die Politik will überhaupt keine produktive Altersvorsorge. Denn genau die von mir betriebene und in den letzten 50 Jahren (als Langfristanlage - nicht zur kurzfristigen Spekulation) wohl renditestärkste Anlage wird von der Politik boykottiert, schikaniert , diffamiert und sanktioniert: Irrsinnige und Kostenintensive Beratungsprotokolle, Irrsinnige und oft total überflüssige Informationsberge müssen dem Kunden ausgehändigt werden (so dass dieser oft total verunsichert ist und sich zum Schluss überhaupt nicht mehr auskennt), zudem die gute Publicity der "fach- und wirtschaftskundigen" Politiker über Börsen, Wirtschaft, Spekulanten usw. Sarkastisch betrachtet könnte man feststellen, dass sich hier stets die Leute zu wirtschafts- und Finanzthemen äußern die selbst am wenigsten Ahnung haben (siehe Bundesrechnungshof: Verschwendung von Steuergeldern usw)

  • "Den Mut für neue Konzepte müssen andere aufbringen" - leider auch die Devise von Herrn Kleinlein. Wobei ich aber seine fundamentale Opposition gegen die Versicherungswirtschaft als sehr anregend und inspirierend aufnehme. Trauen Sie sich doch einfach mal Alternativkonzepte für verschiedene Zielgruppen als Diskussionsgrundlage darzustellen.

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