Der Ver(un)sicherer
Schlechte Qualität verkauft sich am besten

Je schlechter das Produkt, umso besser das Geschäft: Der Grundsatz ist zwar nicht intuitiv. Für die private Altersvorsorge in Deutschland aber trifft er zu. Warum Politik und Lobby eine gute Vorsorge gar nicht wollen.
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Es gibt eherne Grundsätze der Ökonomie, an die jeder glauben muss, der sich mit Wirtschaft beschäftigt. Einer davon besagt, dass sich in einem ansonsten freien und homogenen Markt die qualitativ guten Produkte durchsetzen würden gegenüber den ansonsten minderwertigen Angeboten. Streng nach der Devise: Ich gehe doch besser zu dem Bäcker mit den leckeren knusprigen Semmeln als zu dem zu gehen, der nur labbrige Schrippen hat. Und wenn beide Bäcker nur schwer verdauliche Backwaren anbieten, dann greife ich eben zu türkischem Pide.

Können Sie sich vorstellen, dass es umgekehrt sein könnte? Stellen Sie sich eine Welt vor, in der Sie zu einem Bäcker gehen, der genau deswegen viele Brötchen verkauft, gerade weil seine Ware labbrig und gummiartig ist. Wo die Kunden an den Tresen treten und sich darüber bitter beklagen, wie unverdaulich die Brötchen seien und deswegen noch mal nachlegen und Nachschlag wünschen. Es erscheint absurd, ist aber die Realität in der Altersvorsorge.

Wir werden es in den nächsten Monaten wieder erleben. Der Jahresendverkauf steht vor der Tür. Und durch die niedrigeren Überschüsse, die Streichung wichtiger Teile der Bewertungsreserven und niedrigere Garantien können die Vermittler mit Fug und Recht argumentieren: Die bisherige Altersvorsorge reicht nicht aus, die Rentenlücke wird größer und nun müsse noch mehr zusätzliche private Altersvorsorge betrieben werden. Für die Vermittlerschaft stehen die Zeichen also auf Verkauf.

Die Entscheidungen der Bundesregierung helfen da sehr: Eine neue Rentenlücke, erzeugt durch gestrichene Überschüsse. Eine bislang erfolgreiche Strategie. Seit mehr als zehn Jahren wird Verbrauchern eingebläut, mehr private Altersvorsorge zu betreiben. Die Angst vor der immer größer werdenden Rentenlücke wird zunehmend geschürt, da die Überschüsse im gleichen Zeitraum auch immer weiter sinken und die Produkte auch vielfach schlechter werden.

Und die anscheinend alternativlose private Altersvorsorge wird weniger und weniger in Frage gestellt. Die sinkenden Überschüsse und die immer unverständlicheren Angebote gelten als ebenso unvermeidbar wie die zuweilen dreistelligen durchschnittlichen Lebenserwartungen, die den Rentnern unterstellt werden und die Bezüge zusätzlich schrumpfen lassen.

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Schlechte Qualität verkauft sich am besten

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Private Altersvorsrge soll das Gewissen beruhigen

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  • Sehr geehrter Herr Kleinlein,
    Sie treffen mit Ihren negativen Berichterstattungen natürlich den Nerv der unmündigen deutschen Bürgern die nicht fähig sind, die Altersvorsorge selber in die Hand zu nehmen.
    Und bei Lösungsansätzen fehlt es leider komplett. Einfach schade, dass Sie durch Ihre Kommentare den Menschen in Deutschland nicht helfen und nur alles schlecht reden. Was soll das bringen? Bitte nicht falsch verstehen. Ich bin nicht für oder gegen ein Produkt. Sondern ich richte mich nach dem Sicherheitsbedürfnis und den Wünschen meiner Kunden.
    Also liebe Leser, die Lösung heißt Honorarberatung.
    Aber alleine das ist noch kein Qualitätsmerkmal. Sondern noch dazu eine unabhängige Ausbildung wie zB Fachwirt für Finanzberatung. Ich möchte ja auch nicht zu einem selbsternannten Zahnarzt gehen oder zu einem Steuerberater, der vom Finanzamt bezahlt wird.
    Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist dann noch eine unabhängige Finanzanlalyse wie zB MWS Braun. Somit kann sich der Honorarberater/in genau nach den Wünschen, Zielen und finanziellen Möglichkeiten richten und Lösungen aufzeigen.
    Pauschalvorschläge wie schon hier geschrieben sind volliger Unsinn, da jeder Mensche anders denkt und jeder Mensch andere Ziele hat. Daher meine Bitte: Verschont die Menschen mit Schlau-Schlumpf-Pauschalvorschlägen zur Altersvorsorge oder Anlage.
    Martin Kasten vom Chiemsee
    MFC

  • @Thomas P.

    vielen Dank für Ihren Kommentar, ich möchte noch hinzufügen, das ich schon mehere Mails geschrieben habe um eine Alternative zu erfahren, jedoch muss ich erst Mitglied werden für einen Jahresbeitrag von X Euro.

    VG
    Klaus

  • Sehr geehrter Herr Kleinlein,
    leider muss ich Ihnen mitteilen, dass ich sehr von Ihrem Artikel enttäuscht bin. Denn zum Schluss bin ich genauso schlau oder dumm wie vorher. Sie schreiben, dass die bisherige Altersvorsorge nicht alternativlos sei. Dann lüften Sie doch mal Ihr Geheimnis und teilen uns Ihren geheimen Weg mit. Dazu halten Sie sich leider wie immer sehr bedeckt.
    Wie schaffen Sie es die Zinsniedrigphase, vorgegeben von der Zentralbank, zu umgehen? Sollen alle Menschen in Aktien und Wertpapiere investieren? Nein, dass kann nicht pauschal die Lösung sein. Denn es gibt Menschen, die wollen nicht spekulieren, sondern die wollen ganz klar einen festdefinierten Zinssatz wissen. Und hier ist das große Problem, dass der immer weiter abgesenkt wird.

    "Axel Kleinlein ist der schärfste Kritiker der Lebensversicherer". Ist das eine Auszeichnung oder ein Lob?? Kritisieren kann ich auch und mir würden vermutlich noch andere Punkte einfallen, jedoch erwarte ich ebenso Alternativen. Genauso schlimm finde ich jedoch, dass sich das Handelsblatt vor diesen "Karren spannen" lässt. Früher als angesagtes neutrales Wirtschaftsblatt avanciert es immer mehr zu einer Art Stimmungskanone like B**d Zeitung. Man verfolge nur die Stimmungsmache zum LVRG. Ich kenne viele im persönlichen Umfeld, die das Handelsblatt genau aus diesem Grunde nicht mehr im Abo haben.....

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