Der Ver(un)sicherer
Unterricht beim Strucki

Deutschland hat ein Problem. In den Schulen lernen die Heranwachsenden nichts zum privaten Risikoschutz oder über die Altersvorsorge. In einer Schule überlassen die Lehrer sogar Strukturvertrieblern den Unterricht.
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Lehrer haben viel zu tun. Sie sollen sich darum kümmern, dass bestimmte pädagogische Defizite in der Familienerziehung ausgeglichen werden, sie sollen den Heranwachsenden Sozialverhalten beibringen und – ach ja – nebenbei, gilt es dann auch noch Inhalte zu vermitteln.

Die Anforderungen an die Pädagogen sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und wer engagierte Lehrer im Freundes- und Bekanntenkreis hat, der weiß, dass das kein 37,5-Stunden-Job ist.

Dabei rutscht die Frage nach den Inhalten mehr und mehr in den Hintergrund. Die Lehrpläne in Sachen Mathematik sind zum Beispiel derart verstaubt und liegen Jahrzehnte und Jahrhunderte hinter der Zeit zurück. Kurvendiskussionen interessieren eigentlich niemanden mehr.

Nur die armen Gymnasiasten müssen sich mit dieser Reminiszenz des 17. Jahrhunderts noch rumärgern. Und weil sowohl Lehrpläne als auch Lehrmaterialien stets veralten, müssen sich engagierte Lehrer anscheinend andere Lösungen suchen.

Auch im Bereich der finanziellen Allgemeinbildung sieht es düster aus in Deutschland. Zinseszinsrechnung findet eigentlich nicht statt, auch in „Wirtschaft“ werden die Schüler von den Lehrern nur rudimentär über Versicherung und Altersvorsorge informiert.

Aber man kann wohl kaum erwarten, dass der Lehrkörper stets auf dem Laufenden ist, was etwa die aktuelle Steuergesetzgebung zu bieten hat. Auch hat kaum ein Lehrer die Chance nachzuvollziehen, was gerade auf dem weiten Feld der Altersvorsorge diskutiert wird und was es dabei zum Beispiel mit diesen ominösen Rürup-Renten oder Mehrtopfhybriden auf sich haben soll.

Was liegt da näher als sich den Sachverstand ins Klassenzimmer zu holen? So jüngst geschehen in einem Berliner Klassenzimmer. Eine Dame eines deutschlandweit agierenden Strukturvertriebs kam vorbei und hat den Schülern erklärt wie das mit der Altersvorsorge funktioniert.

Wie zu erwarten, war die Message an die Heranwachsenden klar: Die staatliche Vorsorge klappt nicht mehr richtig und man solle doch unbedingt privat vorsorgen. Und man könne nicht früh genug damit anfangen, sein Geld in Altersvorsorgeprodukte zu stecken.

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Unterricht beim Strucki

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Dreiste Werbung in der Schule

Kommentare zu " Der Ver(un)sicherer: Unterricht beim Strucki"

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  • Ich beobachte die Kommentare dieses Herrn Kleinlein schon länger und sie treiben mir regelmäßig den Blutdruck hoch. Die Frage ist für mich, was die Allianz mit ihm in der Vergangenheit gemacht hat, dass heute nur noch negativer Nonsens und Stimmungsmacherei gegen die Versicherungsbranche von ihm zu vernehmen ist. Ich bin sicherlich kein Freund der Machenschaften von Strukturvertrieben. Herr Kleinlein, erneut behaftet mit Vorurteilen, maßt sich an, über die Qualität eines solchen Vortrages in der Schule zu urteilen. Sicherlich gibt es auch bei einem Strukturvertrieb noch Personen, die den ehrbaren Kaufmann leben und nicht nur das Böse wollen, nämlich alle Kunde bewusst zu benachteiligen. Deshalb sehe ich hier grundsätzlich nichts Verkehrtes. Bedenklich finde ich, dass Herr Kleinlein Worte nutzt wie: "... Altersarmut schüren...", "... Alleinlösung propagieren...","Wie zu erwarten..."etc. Das Ganze noch süffisant durch Konjunktive geschmückt. Es stellt sich mir immer stärker bedingt durch die vielen Diskussionen der letzten Monate die Frage, ob wir derart Branchenwaise wirklich brauchen. Es hat den faden Beigeschmack, dass hier jemand ein Nachtreten in der Branche betreibt, in der er lange Zeit an erstes Front selber tätig war. Was ist nun die Message von Herrn Kleinlein? Muss man sich dafür schämen, jungen Leute so früh wie möglich die Realität in unserem Lande näherzubringen? Oder vielleicht doch lieber alles unter den Tisch kehren, wie es die Politik über viele Jahre in diesem Thema getan hat? Leute wie Herr Kleinlein haben
    ( leider)für viele Menschen Vorbildfunktion- das Ergebnis solcher schlauen Darstellungen sorgt dafür, dass die Menschen lieber ihr Geld zu Hause horten oder es der Bank zu zerstörenden Zinsen daherschenken.
    Es wird höchste Zeit unsere Branche wieder wertzuschätzen und nicht mehr zu diffamieren.
    Übrigens: Die beste Bildung bringt nichts, wenn der fehlende wirtschaftliche Verstand alles wieder zunichte macht....

  • Wenn nicht in der Schule, wann oder wo sollte das Basiswissen über alle Formen einer "persönlichen" Vorsorge denn unabhängig vom Elternhaus vermittelt werden? Die finanzielle Vorsorge (als ein Teil der viel weiter gehenden Selbstverantwortung des "mündigen" Bürgers) ist in DE leider nie als ein politischer Leitgedanke von den Parteien propagiert worden. Dementsprechend ist das Thema "persönliche" Vorsorge auch nie in Lehrplänen und der Lehrerausbildung wirklich angekommen. Schade. Und deswegen haben Strukis heute die Chance, sich als Aushilfslehrer zu betätigen.
    Thomas A. Klein

  • Ich denke es ist sehr zweischneidig, was hier von wem unterrichtet wird.
    Aus meiner Sicht sollten Dinge für das Leben auch im Unterricht berücksichtigt werden.
    Allerdings ist es nicht in Ordnung, wenn Vertriebsorganisationen hier diesen Unterricht gestalten, da hierdurch immer Werbung für eine Gesellschaft gemacht wird.
    Ob den Unterricht nun die Sparkasse, Allianz, Volksbank oder ein Strukturvertrieb oder die gesetzlichen Krankenkassen machen.
    Ziel dieser Institute ist immer, dass diese Organisationen das Anschriftenmaterial bekommt oder wie ich schon erlebt habe, dass von einer Bank oder auch einer Ersatzkasse das Anschriftenmaterial kauft.
    Aus meiner Sicht sollten die Lehrer dies - wenn sie es nicht selbst schon wissen - eben lernen.
    Ebenso wäre es für unsere Volkswirtschaft auch wichtig bestimmte praktische Dinge im Unterricht zu berücksichtigen. Dies sind z.B.:
    - Girokonto
    - Darlehens- und Leasingverträge
    - Sozialversicherung
    - private Versicherungen
    Mit 18 ist man heute volljährig und wenn man nur einmal bedenkt, dass rund 70 % der bis 30-jährigen keine Privathaftpflichtversicherung haben, dann weiß man auch, warum es wichtig ist, dass gewisse praktischen Dinge im Leben bereits im Unterricht Pflicht sein sollten.
    Übrigens gilt dies nicht nur bei Versicherungen, sondern auch in anderen Lebensbereichen:
    Überschuldung von Jugendlichen durch Handyvertrag, Überziehung des Girokontos usw.

    ZIEL MUSS ES SEIN, dass die Lehrer diesen Stoff selbst in der Schule unterrichten und eine Werbefreiheit vorhanden ist oder mindestens ein Codex mit den Instituten vereinbart wird, der mind. folgende Punkte festlegt:
    1. Keine Sammlung von Anschriftenmaterial
    2. Keine Verteilung von Werbung
    3. Unterlassung von Kauf von Anschriftenmaterial von Schülern, Lehrern und SMV

    Ebenso ist es nicht sinnvoll solche Vorträge von sogenannten Verbrauchsschützern halten zu lassen (z.B.: Verbraucherzentralen, Bund der Versicherten usw.)
    Grund: Sie verkaufen auch nur ihre Dienstleistung!!!

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