Der Ver(un)sicherer
Wer bezahlt die Unabhängigen?

In der Öffentlichkeit präsentieren sich zahlreiche Versicherungsexperten. Doch woran erkennen Versicherte, ob die Ratschläge der echten oder angeblichen Fachleute unabhängig sind? Die Antwort ist denkbar einfach.
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Früher, zu Zeiten des Minnesangs galt die alte Redensart: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“. Oder anders ausgedrückt: Wer mich bezahlt, dessen Interessen werde ich vertreten. Früher konnte man einfacher erkennen, in wessen Sold jemand stand. Heute ist das vertrackter. Besonders im Bereich der Versicherungen, in dem Dickicht von Lobbyisten, Experten, Politikern und Verbraucherschützern ist so manche Abhängigkeit unklar.

Es gibt eine Tendenz, dass Verbraucherschutz als so etwas wie ein Modeaccessoire angesehen wird. Es ist in bestimmten Kreisen einfach schick, sich als Verbraucherschützer zu präsentieren. Aber was ist das Kriterium, um tatsächlich ein Verbraucherschützer zu sein? So klar und deutlich singt ja kaum noch jemand das Lied seines Geldgebers. Was also tun?

Was schon in der Watergate-Affäre galt, das gilt auch hier: „Always follow the money“ sagte schon Deep-Throat alias Mark Felt. Und das ist in der (verbraucher-)politischen Betrachtung genau das gleiche. „Folge dem Geld“ und verfolge, wer die Rechnung bezahlt.

Ein paar Beispiele machen das klarer: Wenn das Geschäftsmodell darauf basiert, dass man hauptsächlich Gelder von den Versicherungen bekommt, dann widerspricht das erst einmal dem verbraucherpolitischen Anspruch. Nach der Devise „wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ ist die Gefahr nun mal recht groß, dass man dem Geldgeber gefallen möchte. Da ist es dann egal, ob man von den Versicherern Geld bekommt, um deren Produkte zu bewerten oder ob man Werbeeinnahmen für die eigenen Publikationen bekommt.

Um dann trotzdem noch dem Lager der Neutralen oder gar dem der Verbraucher hinzugerechnet zu werden, dazu bedarf es sehr deutlicher Abgrenzungen. Nur mit handfesten und schriftlichen Kodizes oder auch ausgefeilten Compliance-Regeln kann da gegengesteuert werden. Ob die dann ausreichen, das steht auf einem anderen Blatt. Reine Lippenbekenntnisse reichen aber sicher nicht.

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Wer zahlt mein Gehalt?

Kommentare zu " Der Ver(un)sicherer: Wer bezahlt die Unabhängigen?"

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  • Folge dem Geld! Dabei darf man natürlich auch Spenden an Verbraucherzentralen nicht ausklammern. Schon gewundert, warum dort immer die Banksparpläne so gut wegkommen?

    Kann das daran liegen, dass z.B. die Verbraucherzentralen in NRW über 90% ihrer Spenden von den Sparkassen erhalten?! Ein Schelm der... en Detail nachzulesen übrigens hier:

    http://hauke-simonsen.de/sparkassen-lobbyismus-von-der-verbraucherzentrale-oder-etwa-die-gekaufte-empfehlung

  • Ein weiterer Punkt sollte ebenfalls nicht unkommentiert bleiben: Wenn Verbraucherzentralen es wirklich schaffen nur durch ihre Satzung verbraucherfreundlich zu sein und völlig unbeeinflusst von Geldgeber zu sein, dann müsste das doch auch bei Maklern klappen. Also einfach tolle verbraucherfreundliche Leitbilder und Compilience-Regeln aufstellen und schon ist jeder Makler total unabhängig und verbraucherfreundlich. Wie, Sie haben Zweifel? Warum soll dieses Rezept bei Verbraucherzentralen funktionieren bei Makler aber nicht? Oder könnte es sein, dass es so nicht funktionieren kann - weder bei Verbraucherzentralen noch bei Maklern? Oder gibt es auf dieser Welt nur die Guten (Verbraucherschützer + Verbraucherzentralen) und die Bösen (Versicherer + Makler)? Ist die Welt wirklich so einfach wie es die Kolumne suggeriert?

    Es reicht also nicht, nur der Spur des Geldes zu folgen. Ebenso wichtig ist es, welche Ziele verfolgen Verbraucherschützer und Gewerbetreibende wirklich und was ist ihre Motivation? Welche Grundsätze werden wirklich gelebt und welche stehen leider nur auf dem Papier? Und die tollsten Worte verraten nichts über den tatsächlichen Charakter eines Verbraucherschützers oder Beraters.

    Und wenn Deep-Throat wüsste, dass es einerseits den Bund der Versicherten, die Verbraucherschutzorganisation gibt, anderseits die Service GmbH, die als Versicherungsvertreter eingetragen ist und somit auf Seiten der Versicherer anzusiedeln ist. Ich glaube dann würde selbst Deep-Throat die Welt nicht mehr verstehen geschweige denn Herrn Kleinlein einfach so an der Pforte vorbei ins Verbraucherparadies lasen.

  • „Folgen Sie dem Geld“ ist erst einmal kein schlechter Ansatz. Aber ob Deep-Throat mit Ihrer Recherchen schon zufrieden gewesen wäre glaube ich allerdings nicht. Wahrscheinlich hätte er Ihnen gesagt: „Gut Kleinlein, den einfacheren Teil haben sie verstanden. Die Makler kriegen ihr Geld von den Versicherern. Aber woher kriegen die das Geld? Sie müssen weiter denken! Richtig, einen Teil der Beiträge, den die Kunden bezahlen, wird von den Versicherern an die Makler durchgereicht. Sie werden also indirekt vom Kunden bezahlt. Und nun frage ich Sie: Warum sollten Makler, die langfristig denken, so etwas dummes tun und nur auf die Versicherer hören und nicht auf ihre eigentliche Geldquelle? Und wenn selbst kleine Makler mit z. B. 70 Gesellschaften zusammen arbeiten. Wessen Lied sollten sie dann singen? Wie soll das gehen, die Lieder von zig Gesellschaften gleichzeitig singen? Wenn es ginge, würde sich das wohl sehr, sehr schräg anhören. Und wenn es mal mit einen Versicherer Stress gibt, der sich z. B. nicht im Sinne seiner Kunden verhält oder andere Dinge macht die dem Makler nicht gefallen? Richtig, er bringt sein Geschäft woanders hin! Als Makler kann man sich mit Versicherern zoffen. Als Vertreter von einer oder weniger Versicherungen muss man da schon vorsichtiger sein.

    Und es gibt noch eine Entwicklung in der immer komplizierteren Welt. Es gibt Makler, die lassen sich direkt vom Verbraucher bezahlen. Die Makler müssen also gar nicht das Geld vom Versicherer nehmen!“

    So oder so ähnlich könnte Deep-Throath die bisherigen Recherchen des Journalisten kommentieren, um ihn auf die richtige Fährte zubringen.

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