Die Frauenversteherin
Ist das euer Ernst?

Die Frauenquote für Aufsichtsräte kommt. 30 Prozent ab 2016. Doch was eigentlich viel spannender ist als die Quote selbst, sind die subtilen Botschaften, die sie begleiten. Und die sind unmöglich.
  • 6

Ich bin gegen die Quote, das hab ich immer gesagt. Weder will ich selbst eines Tages Quotenfrau sein, noch aufgrund meines Geschlechtes in einen Aufsichtsrat kommen. Den Posten selbst könnte ich mir zwar eines Tages vorstellen, aber das Gefühl ihn nur bekommen zu haben, weil ich eine Frau bin, würde mir missfallen.

Meine erste Beobachtung: Gegen die Quote zu sein, wirkt kämpferisch. Die brauchen wir nicht. Sie schadet uns sogar. So wie ich, das ist mir in den letzten Monaten immer öfter aufgefallen, denken vor allem junge Frauen, die noch nicht versucht haben im großen Corporate-Unternehmen ihren Weg bis ganz nach oben zu gehen. Frauen in Corporate-Unternehmen und Frauen 40 Plus sehen die Sache mit der Quote häufig differenzierter. Die Quote könne zwar nicht der alleinige Wegbereiter sein, aber ein Vehikel, damit die Männer in den grauen Anzügen überhaupt ins Denken geraten zu Themen wie Diversity, Perspektivvielfalt, Chancengleichheit. Angeblich sind gerade einmal 27 Prozent der Chefinnen für die Quote. Frauen, die selbst im Vorstand sitzen, dürfen hingegen öffentlich gar nicht Stellung nehmen, zu ihrer Meinung um die Quote.

Die Frage, die sich stellt: Warum haben wir Angst vor der Quote? Und diese geht nicht nur bei den Frauen um, sondern vor allem auch in der Politik und der Wirtschaft. Der Tenor: Die Quote sei wirtschaftsschädigend.

Eine Aussage, die nicht nur grundlegend pauschalisiert, sondern zudem in der Argumentationskette unhaltbar ist. Die CSU versucht die Argumente dennoch seit langem so politisch korrekt wie nötig, aber für die Sache selbst so dringlich wie möglich zu formulieren: Zuletzt hatte die Partei darauf gedrängt, die Quotenregelung zu verschieben und Ausnahmen für bestimmte Unternehmen zu schaffen. Denn sie befürchtete eine zu große Belastung der Wirtschaft. Weil es nicht genügend Frauen gibt? Oder Frauen keinen guten Job machen?

Viele Argumente gegen die Quote könnte ich gelten lassen: dass sie nicht weit genug geht, weil sie nur die Aufsichtsräte betrifft und diese kaum operativen Einfluss auf die Wirtschaft haben, oder dass man nur auf das Geschlecht Rücksicht nimmt, nicht aber auf die Herkunft, das Alter oder andere Kriterien. Dass sie der falsche Weg ist, weil wir andere Mechanismen brauchen, um Frauen zu fördern und Unternehmen vielfältiger zu machen. Weil es um die Qualifikation gehen sollte und nicht das Geschlecht. Aber Frauen als Wirtschaftsbedrohung?

Ich persönlich frage mich wirklich: Ist das euer Ernst? Die 30-Prozent-Regelung betrifft lediglich die Aufsichtsräte von 108 großen Unternehmen mit Börsennotierung und voller Mitbestimmung. Auch sechs Konzerne, die europarechtlich organisiert sind, fallen darunter. Sollte die Quote verfehlt werden, müssen Aufsichtsratsposten zur Strafe unbesetzt bleiben. Von den 30 Dax-Konzernen erfüllen derzeit zehn die Vorgaben.

Unternehmen mittlerer Größe müssen 2015 eigene Zielvorgaben für die Vergabe von Posten an Frauen im Aufsichtsrat, im Vorstand und im Management aufstellen und 2017 erstmals über die Umsetzung öffentlich berichten. Sanktionen bei einem Verfehlen der Ziele sind nicht vorgesehen.

Kommentare zu " Die Frauenversteherin: Ist das euer Ernst?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Solange Frauen nicht auch eine 30% Quote für
    Straßen Arbeiter
    Dachdecker
    Stahlarbeiter
    ....
    und alle anderen Schmutzigen Knochenjobs
    haben wollen, ist das nur Rosinenpickerei
    von einigen Frauen, die weniger an alle Frauen
    denken als an ihre eigene Interssen.

    Diese Eigenschaft haben sie schon mit ihren Männlichen "Führungssüchtigen" gemeinsam


  • ich bin gegen die Quote.
    die Quote bei den Aufsichtsräten wurde einzig und allein für alternde Politikerinnen geschaffen. Uschi möchte zu Rheinmetall und Erika zu Bayer...

    Ansonsten - ich habe meinen Job dank meines Könnens! und das wünsche ich auch allen anderen Frauen. Einen Job nur zu erhalten weil man eine Frau ist finde ich genauso diskriminierend wie einen Job nicht zu bekommen weil man eine Frau ist.

  • Also, geht das nicht voll am Thema vorbei?

    Es geht doch darum, dass Quotenregelungen generell dämlich sind. Da macht die Frauenquote halt keine Ausnahme. Aber nicht weil Frauen irgendwie prinzipiell unqualifizierter sind, sondern weil es sich halt um eine Quote handelt. Allein schon weil hier ein unverschämter Eingriff des Staates in die Privatsphäre stattfindet, sind solche Quoten abzulehnen.

    Mann kann aus dem Umstand, dass relativ wenig Frauen in Aufsichtsräten sitzen nicht herleiten, dass dieser Umstand allein auf kompulsiv konspirative Kumpanei zurückzuführen ist. Gerade auf den Führungsebenen, erfolgt die Auswahl der Kandidaten nicht auf dem "regulären" Arbeitsmarkt. Da geht keiner zum Arbeitsamt und schreibt eine Stelle aus. Diese Leute werden durch Headhunter rekrutiert, oder durch persönliche Kontakte. Dabei kennen Männer halt oft nur andere Männer, wie das halt so ist. Es wird noch länger dauern bis Frauen sich entsprechende Netzwerke aufgebaut haben. Aber das wird selbstverständlich passieren. Leider fehlt hier die Geduld.

    Auch der tatsächlich existierende Gehaltsunterschied zwischen w/m, schließt nicht zwingend auf diskriminierendes Verhalten.

    Nur weil das immer und immer und immer wieder durch den Äther gepeitscht wird, muss es noch lange nicht richtig sein.

    Hier werden allein Zahlen verglichen und daraus auf Meinung und Gesinnung geschlossen, ohne vorher überhaupt die betroffenen Menschen befragt zu haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%