Dutschke spricht
Alles andere als eine sichere Anlage

Angesichts der Angst um den Euro investieren viele Deutsche in den Immobilienmarkt. Doch das ist alles andere als eine sichere Bank, wie auch die Baum-Affäre in Berlin zeigt.
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Es ist kein Geheimnis, dass die Angst um den Euro viele Deutsche dazu gebracht hat, in den Immobilienmarkt zu investieren. Gerade in Großstädten wie Berlin, Hamburg und Frankfurt ist die Nachfrage besonders groß. Die Medien berichten ja fast jede Woche darüber, wie der Markt boomt. Die Zeitungen sind voll mit Artikeln über steigende Mieten und Kaufpreise, über Wohnungsknappheit in Toplagen und soziale Verdrängung. Wer jetzt zuschlägt, kann also gar nichts falsch machen, oder?

Mitnichten, der Kauf einer Immobilie, auch in einer beliebten Großstadt, ist alles andere als eine sichere und ruhige Investition. Denn gerade ein auf dem Immobilienmarkt tummeln sich dunkle Geschäftemacher und korrupter Bauherrn. Käufer wissen meist nicht, auf was für ein nervenaufreibendes Unterfangen sie sich einlassen. In Berlin haben wir diese Woche einen Einblick in solche Verhältnisse bekommen. Der frisch ernannte Justiz- und Verbraucherschutzsenator von der CDU, Michael Braun, ist nach nur 11 Tagen im Amt zurückgetreten nachdem ihm vorgeworfen wurde, in seiner Funktion als Notar am überteuerten Verkauf von „Schrottimmobilien“ beteiligt gewesen zu sein. Juristisch trifft ihn keine Schuld, aber höchstwahrscheinlich hat er es mit seiner Pflicht zur Risikoaufklärung für den Käufer nicht so ernst genommen. Auf diesen Verbraucherschutzsenator hätte sich Berlin wirklich freuen können!

Am Verkauf von Eigentumswohnungen kann man sehr gut verdienen, egal ob Einzelperson, kleines Unternehmen oder großer ausländischer Konzern. Dies bedeutet, dass die Kosten für die Sanierung der Immobilie massiv gedrückt werden müssen. Am Bau werkeln folglich finster blickende Bauarbeiter ohne Deutschkenntnisse. Jede Woche kommt ein neuer Subunternehmer, weil der alte „insolvent“ gegangen oder vom Bauherrn nicht bezahlt worden ist. Mysteriöserweise gehen immer wieder Altbautüren, Fenster, Knäufe, und andere wertvolle Altbestände verschwunden. Im Falle von Problemen ist es dem Käufer quasi unmöglich, sich in diesem unübersichtlichen Netz der Baufirmen zu Recht zu finden und sein Recht geltend zu machen. Der Käufer guckt in die Röhre.

Liebevoll saniert oder am Original angelehnte Nachbauten werden meist nur auf der Hochglanzbroschüre versprochen. Es ist ja natürlich günstiger, erstmal alles rauszukloppen und die Decke abzuhängen, anstatt eine aufwendige Altbaurestauration zu starten. Die Immobilie wird dann eher nach den Vorstellungen des Verkäufers aufgemöbelt. Die Produktpalette ist dann auf solche Elemente beschränkt, die der Verkäufer möglichst rabattiert und billig beziehen kann und nicht, was gut passen würde oder dem Wunsch des Käufers entspräche. Da kann jemand tausendmal nach einer bestimmten Dusche fragen, am Ende steht im Bad die Standardkabine. Und an der Außenfassade klebt der falsche Schaumstoffstuck. Die Unternehmen gehen davon aus, dass die Käufer nicht die Zeit und Muße haben, sich dagegen zu wehren. In der Regel geht die Rechnung auf.

Der Verkäufer sitzt am längeren Hebel. Der Käufer einer Immobilie möchte in der Regel möglichst schnell einziehen und lässt sich durch immer neue Verzögerungen und Mängel frustrieren. Irgendwann bezahlt man dann mehr als nötig, obwohl das Bauvorhaben noch nicht abgeschlossen ist, nur um endlich den Schlüssel zu bekommen. Hier wäre es wahrlich an der Zeit, dass die Politik einen wirklichen Verbraucherschutz gewährleisten würde.

Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke, Wortführer der Studentenbewegung in den 60er-Jahren. Er ist an der Hertie School of Governance beschäftigt und lebt in Berlin.

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Kommentare zu " Dutschke spricht: Alles andere als eine sichere Anlage"

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  • In Berlin scheinen sich die Uhren anders zu drehen als im Rest der Republik ??? Ich hätte da eine glänzende Idee! Vielleicht sollten die Käufer einen Berater engagieren. Der kostet zwar ein paar Euro, aber dann rennt man nicht Gefahr, von irgendwelchen dubiosen Bauträgern abgezock zu werden. Das Risiko ist unterm Strich immer noch kalkulierbarer, als das Geld an der Börse zu investieren.

  • Ich glaube irgendwie haben einige Leute etwas hier nicht verstanden. Witzig geschrieben (oder mehr beschrieben), was eigentlich nicht witzig ist und so nicht sein dürfte.
    Bitte mehr davon!

    PS. Ich kann es nicht verstehen, wenn Leute sich über grammatikalische Dinge aufregen (die offensichtlich extra so provokant falsch geschrieben worden sind), als über diese beschämende, skandalöse Praxis, wenn sie denn wahr ist.

  • Alles etwas platt, aber die Marke stimmt.

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