Dutschke spricht
Am laufenden Band niveaulose Schnulzen

Die meisten TV-Sender machen Programm für ein älteres Publikum, so wie die Politik. Auch in Deutschland wäre es jedoch möglich, richtig gute Serien für das Fernsehen zu produzieren. Den Markt dafür gäbe es.
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Der Parteienforscher Franz Walter hat nach der Landtagswahl in NRW darauf hingewiesen, dass die Volksparteien in der Krise stecken. Trotz des fulminanten Wahlsiegs der SPD haben die beiden großen Parteien nur 23 Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigten für sich gewinnen können. Gerade bei den jungen Wählern haben CDU und SPD massiv an Zuspruch verloren.

Altbundespräsident Herzog schlägt deshalb vor, die Fünfprozenthürde nach oben zu heben. Aber dies löst das Problem nicht, sondern manipuliert nur die Symptome. Die Roten und Schwarzen schaffen es einfach nicht, junge Wähler für ihre Ziele zu begeistern. Sie wollen es auch teilweise gar nicht. Denn um nichts in der Welt wollen sie ihr älteres Stammklientel verärgern.

Die Rentner bestimmen die zaghaften Parteiprogramme und Zurückhaltung der Parteien in Sachen „Neues Wagen“. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist es das gleiche Dilemma. Wie die Politik machen die meisten Sender Programm für ein älteres Publikum. Viele Junge haben sich längst vom Medium Fernsehen abgewendet.

In meinem Freundeskreis gibt es immer mehr Menschen ohne Fernseher. Sie sehen sich vielleicht die eine oder andere anspruchsvolle Dokumentation auf Arte oder eine Politsendung im ZDF an. Sie treffen sich zum gemeinsamen Tatortabend, aber sie würden nie das Traumhotel oder Donna-Leon-Krimis anschauen.

Seit Jahrzehnten halten sich abgenutzte Formate wie „Wetten dass...?“ und „Verstehen Sie Spaß?“. Wer guckt das eigentlich noch? Früher saß man als komplette Familie vor dem Fernseher und staunte über die Wetten und Stars bei Thomas Gottschalk. Am Montag wurden alle Wetten auf dem Schulhof ausgewertet. Jeder redete begeistert mit.

Heute gucken es nicht mal mehr die Schwiegereltern. Es spricht doch Bände, dass Stefan Raab mit seinen verschiedenen Blödelsendungen bei jüngeren Zuschauern eine halbwegs gute Quote einfährt. Die Zuschauer sind gelangweilt und kennen gar keine niveauvolle Alternative mehr, so dass sie sich alles anschauen würden, was etwas anders daherkommt.

Gerade bei den öffentlich-rechtlichen Sendern fehlt die Risikobereitschaft, anspruchvolles Unterhaltungsprogramm herzustellen. Stattdessen werden immer weiter „Schmonzetten aus einem dramaturgischen Einheitsbrei“ produziert, wie der Bundesverband Regie (BVR) kritisiert.

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Der Fernseher wird zum Medium für die Abgehängten

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  • Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen.

  • Seit 2003 gibt es bei mir kein TV mehr. Es ist eine Freihheit, was die Rundfunkanstalten unter der Prämisse einer Grundversorgung der Bevölkerung mit Informationen verstehen. Eigentlich muß man eher von Desinformationskampagnen des ÖR schreiben. Veilleicht wäre es an der Zeit, nochmal eine umfassende Widerstandsbewegung gegen diesen Verein zu starten, bis vor das europäische Gericht. Es kann nicht sein, daß alle Bürger und vor allem auch die Unternehmen für die Politpropaganda der etablierten Parteien bezahlen müssen.

  • Dass das TV-Programm für Senioren gemacht wird, das kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Das was ich allerdings erkenne ist, dass die durch Abzocke finanzierten TV-Anstalten ein Programm abbieten das mit beschi...en noch sehr wohlwollen beschrieben ist.

    Alle Welt fordert tranzparenz. Von Tranzparenz wollen die bei ARD und ZDF aber nichts wissen. Was haben die zu verheimlichen? Wohin verschwinden die Milliarden.

    Der von ARD und ZDF offenbar gekaufte Krichhoff hat mit seiner Haushaltsgebühr einen Fehlgriff getan. Diese Haushaltsgebühr hat Steuercharakter. Es ist aber nicht vorgesehen, dass öffentlich-rechtliche Unternehmen Steuern kassieren dürfen. Daher dürfte, nein müsste diese Gebühr vom Verfassungsgericht verworfen werden.

    Wenn die TV-Anstalten wirklich so gutes Programm haben wie diese behaupten, dann wäre doch ein Dekodersystem so wie in der Schweiz, Österreich oder anderen EU-Ländern genau das richtige. Jeder würde doch dann gerne für gutes Programm bezahlen. Nachteil, und den erkennen die ist, die müssten ihr Hirn anstrengen um endlich gutes Programm zu machen, denn sonst würden die ja keine Einnahmen erzielen.

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