Dutschke spricht
Amazon übernimmt sich

Der Expansionskurs des Internethändlers Amazon treibt den Konzern an seine Grenzen. Auch die Geschäftspraktiken des Unternehmens stehen in der Kritik. Dabei ist der simple Boykott nicht einmal der wirksamste Protest.
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In der ehemaligen Karl-Marx-Buchhandlung in Berlin-Friedrichshain werden schon lange keine Bücher mehr verkauft. Bei Immobilienscout24 werden 600 m² des denkmalgeschützten Gebäudes für 9 Euro pro m² angeboten. Die Wahrscheinlichkeit, dass dort wieder eine Buchhandlung öffnet, ist gleich null. Die Zeiten sind hart für Buchhändler. Der Siegeszug von Amazon und der Vormarsch des E-Book haben die traditionellen Händler an den wirtschaftlichen Abgrund gedrängt. Umsatz und Aktienkurs von Amazon steigen und steigen.

Der Profit wird benutzt, um Jeff Bezos’ aggressiven Expansionskurs umzusetzen. Der Konzern ist inzwischen so breit aufgestellt, dass der Verkauf von Büchern lediglich zwanzig Prozent des Umsatzes in Deutschland ausmacht. Es gibt wenig, was man bei Amazon nicht kaufen könnte. In naher Zukunft sollen Lebensmittel ins Sortiment kommen. Wow, wenn die Kinder nicht ständig auf den Spielplatz wollen würden, müsste ich dann gar nicht mehr rausgehen.

Allerdings gehört es zum guten Ton in meinem Umfeld, die böse Krake Amazon erst einmal zu boykottieren. Die Einschüchterungen der Leiharbeiter und die aggressiven Preispolitiken für Händler bei Amazon brachten die Geschäftspraktiken des Konzerns an die Öffentlichkeit und alarmierten nicht nur das Bundeskartellamt sondern auch die Konsumenten. Der Wutbürger muss allerdings nicht mal auf die Straße gehen, was bei diesen jämmerlichen Märztemperaturen auch unmenschlich wäre, sondern boykottiert den Versandriesen einfach.

So bringt der Postbote nach wie vor viele Pakete ins Haus, allerdings keine mehr mit dem Amazon Schriftzug. Meine Frau bestellt dann einfach vier Jacken bei Zalando, um drei wieder zurück zu schicken (Wer denkt schon an die Ökobilanz wenn das Schnäppchen winkt). Ob der Einzelhändler auch profitiert, wage ich zu bezweifeln. Wäre der Skandal vor dem Weihnachtsgeschäft publik geworden, wäre es vielleicht noch einmal interessanter geworden.

Kommentare zu " Dutschke spricht: Amazon übernimmt sich"

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  • Ach was, der gesamte Einzelhandel ist doch mittlerweile ein Hort der prekären Beschäftigung. Amazon ist halt, wie Aldi, der Große und damit auch der Böse. Warum soll ich mit meinen Einkäufen Innenstadtimmobilienbesitzer, welche leistungsloses Einkommen beziehen, reich machen?

  • Also ich weiß nicht, was an Amazon dran sein soll? Bestelle meine Bücher weiter wie gehabt portofrei bei www.buchkatalog.de und bin damit sehr zufrieden...

  • Lustig wirds, wenn man aus Protest am Besten mit seinem SUV-Verschnitt in den nächsten Aldi/Penny/... fährt und dort fett Käse (Silomilch), Fleisch (Tierqoälerei inkl. Tötung, wobei die Tötung das humanste ist) und vlt noch Nestle-Schokolade kauft. Dann vlt noch die Cola, deren Firma Gewerkschaftler in Kolumbien umbringen lässt... ICh bin kein Gutmensch oder weltverbesserer, trinke selber gerne Cola, aber ich bin mir dessen bewusst und wünschte, es wäre anders. Ja, ich bin tw. ein Arschloch und nicht stolz drauf. Der Unterschied ist wohl, dass ich das nomalerweise im Stillen austrage (und hier kennt mich ja keiner). Immerhin bin ich Vegetarier... Dutschke hingegen hat mMn nichts zu bieten. Als nächstes gibt es für mich einen günstigen Desktop und Handy von Amazon. Hmm, Dutschke, wo gäbe es Ihrer Meinung nach eine entsprechende Alternative z.B. im Einzelhandel? ARLT? Die lachen sich tot, wenn ich mit dem Wunsch nach älteren Komponenten komme (älter als ein halbes Jahr).

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