Dutschke spricht Angriffsdrohnen? Lass uns darüber reden

Der Fortschritt ermöglicht es, dass Soldaten nicht mehr ihr Leben riskieren müssen. Das Stichwort heißt Drohne. Aber sind wir bereit, für diese Form der Kriegsführung? Es braucht zu allererst eine Debatte.
19 Kommentare
Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

DüsseldorfIn seiner rauen, direkten Art kritisierte Verteidigungsminister Thomas de Maizière jüngst die überhöhte Geltungssucht von Bundeswehrsoldaten. Diese wollen für ihre großen Leistungen im Auslandseinsatz mehr gesellschaftliche Anerkennung. Wie es um die Anerkennung der Bundeswehr in unserer Gesellschaft steht, kann ich gar nicht so richtig einschätzen. Aber in Zeiten der freiwilligen Wehrpflicht ist es natürlich für die Bundeswehr von absoluter Wichtigkeit, das Berufsbild Soldat im besten Licht leuchten zu lassen.

Der Alltag sieht aber meist gar nicht so heldenhaft aus. Die allermeisten Soldaten verbringen doch den lieben langen Tag in Afghanistan und sonst wo auf der Welt am Schreibtisch und befassen sich mit Logistik- oder Verwaltungsvorgängen. Es sind nur wenige Soldaten, die im Ausland regelmäßig bei Aufklärungsmissionen oder Patrouillen ernsthaften Gefahren ausgesetzt sind.

Mit seiner Kritik erweist der Minister der Bundeswehr einen Bärendienst. Wo sollen jetzt die Freiwilligen herkommen? Vielleicht liegt die Antwort im technologischen Fortschritt. Anerkennung mag kommen und gehen je nach gesellschaftlichem Mainstream und konkreten Militäreinsätzen: Manches verdient mehr Anerkennung als anderes. Aber viel stärker wiegt vielleicht das Argument der Gefährlichkeit. Durch den schieren Fortschritt wird es zukünftig so sein, dass der Kampfeinsatz nicht mehr lebensbedrohlich sein muss.

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Das Zauberwort heißt Drohne. Durch den Einsatz von Aufklärungsdrohnen und eines Tages möglicherweise von Angriffsdrohnen werden immer weniger Soldaten in bedrohliche Gefechte verwickelt. In den amerikanischen Streitkräften werden jetzt schon mehr Drohnenpiloten ausgebildet als Jagdflieger und Bomberpiloten zusammen. Die amerikanischen Drohnenpiloten sitzen irgendwo in einem klimatisierten Büro und steuern stundenlang ihre Drohnen unter Befehl der CIA in die Gegend herum und können auf dem Monitor verfolgen, wie ihre Raketen ins Ziel treffen. Nach der Schicht werden sie abgelöst und können danach in aller Seelenruhe das Gebäude verlassen und in der Nähe einen Burger bei McDonalds essen. Für diesen Job lassen sich sicherlich einige Freiwillige für die Bundeswehr finden.

Aber wo bleibt die gesellschaftliche Diskussion über die schon laufende Technologisierung der Kriegsführung und damit der totalen Entfremdung. Natürlich ist es zunächst sicherer, aus großer Distanz eine Drohne zu steuern, anstatt inmitten der Kampfhandlung zu sein. Aber ist vielleicht die Hemmschwelle nicht nur zum Schießen niedriger, sondern auch die Teilnahme an Militäreinsätzen insgesamt? Bevor die Bundesregierung zusammen mit Frankreich ein Heer von Angriffsdrohnen in Auftrag gibt, muss eine Debatte darüber stattfinden, ob wir bereit sind, die gesamte Kriegsführung derart zu verändern.

Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke, Wortführer der Studentenbewegung in den 60er-Jahren. Er ist in Elternzeit und lebt in Berlin.

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19 Kommentare zu "Dutschke spricht: Angriffsdrohnen? Lass uns darüber reden"

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  • ??? LEBEN IST TÖDLICH ABER NUR MORAL BEWEIST OB MENSCH WAR .

  • An Naivität ist dies alles kaum zu übertreffen! Die Drohne ist eine perverse Technologie, die den Krieg und das Morden endpersonifiziert. Sie ist repressiv, undemokratisch und unmenschlich, wie alle Waffengattungen und -arten. Weder ökonomisch, noch politisch lässt sich die militärische Macht rechtfertigen, es sei denn sie hat die Zielsetzung die Menschheit vor den Marsmenschen zu schützen. Seit dem Vietnamkrieg ist jeder folgende Krieg, der in der Geschichte immer ein Raubüberfall und Mord war, ein Verlustgeschäft für die Gesellschaft und/oder Makroökonomie. Nur eine kleine Gruppe von Falken bereichert sich! Der Imperialismus lebt allein von ihrer aufgesetzten Doktrin, aber nicht der überzeugenden Notwendigkeit und dem Nutzen für die Menschheit. Die Waffenindustrie ist die korrupteste und überflüssigste Aktivität, die der Menschheit noch aufgezwungen wird. Da hilft nur die Abschaffung und keinesfalls die Diskussion über perverse Neuheiten des Wahnsinns. Die Überwachung und die Drohne passen aber sehr gut in die Bestrebung der totalen Überwachung der Bevölkerung und der Weltdiktatur. Bravo, Dutschke! Noch ein Hirnloser, der dies alles unkritisch, "en Passant", zur Diskussion bringt! Wie dumm sind wir eigentlich, nicht zu bemerken, dass dies Gehirnwäsche, hoch drei, ist!? Morgen wird die Drohne gegen die Eurogegner, die geplante Eurodiktatur, eingesetzt. Colateral Damage!? Ein paar Frauen und Kinder!? Spielt doch keine Rolle, gell Dutschke! Big Brother Is Watching You! Dazu gehört, natürlich die Überwachungsdrohne, wie die Faust aufs Auge!
    Wir empfehlen die Kommentare seitens des Aktionsbündnisses Direkte Demokratie zu diesem Thema.

  • Drohnen sind Waffen für einen asymmetrischen Krieg. Genau wie es gekaperte Flugzeuge, Autos voller Sprengstoff oder auch Selbsmordattentäter sind. Wahrscheinlich sind in Afghanistan mehr Unbeteiligte durch Fernwirkwaffen umgekommen als bei 9/11.
    Dadurch ,das die Selbststeuerung von Automobilen Fortschritte macht, können die Taliban bei der Tötung Unbeteiligter bald wieder gleichziehen.

  • Frank 3
    Menschen in Ihrem Sinn, die diesen Namen verdienten, sind so selten wie Eisbären in Afrika oder der Antarktis.
    Lesen Sie nach was Nietzsche über "Moral" geschrieben hat und sein Gegenpart und zugleich Bewunderer Schopenhauer über "Mitleid" und daraus folgender "Moral".
    Moral entsteht nur durch Leiden und zwar am eigenen Körper und der daraus folgenden Erkenntnis, dass Leiden ein universales Phänomen ist und man sich eher darum kümmern sollte Leiden zu verringern als es hervorzurufen und zu erzeugen.

    Wenn man ein Mensch ist und kein Eisbär. LOL

  • Da ist ein Widerspruch in Ihrer Argumentation. Die Taliban sind kein Staat, damit rechtfertigt sich weder der Einsatz einer Atombombe noch anderer Massenvernichtungswaffen. Man kann es auch mal aus der gegenpoligen Perspektive als Verfolgung einer Minderheit betrachten. Ich habe bis heute nicht verstanden, wie man als Einzelpersonenkreis einem Staat wie den USA einen Krieg(!) erklären kann, ohne dass dieser Staat USA in schallendes Gelächter ausbricht. Für mich ist die Verfolgung Krimineller einfach kein Krieg, auch wenn diese Leute versuchen möglichst viel kapput zu machen, um es so aussehen zu lassen. Dieser ganze Taliban Quatsch ist einzig und allein der amerikanischen Rüstungsindustrie geschuldet...

  • Ohne den Namen Dutschke wäre dieser Artikel nicht veröffentlicht worden.

  • Es geht um rechtliche und moralische Frage einer Todesstrafe mit Kollateralschaden ohne Gerichtsurteile, ohne Kriegserklärung, da Terrorismus nicht durch Staaten vertreten ist. Die neue Dimension ist, dass Kampfdrohnen in einer rechtlichen Grauzone eingesetzt werden.
    Eine Drohne ist letztendlich auch nur eine Distanzwaffe, die nur für begrenzte Zeit ein Alleinstellungsmerkmal hat. Wenn zwei Gegner Ihre Gefechtsstände gegenseitig mit Kampfdrohnen angreifen, hat im übertragenen Sinne der Indianer die Feuerwaffe des weißen Mannes übernommen. Martin Winkler

  • @Frank3

    Welche Moral? Solange es den Menschen gut geht, reden sie von Moral und haben z.T. auch Moral. In Wirklichkeit kämpft der Mensch 24 Stunden am Tag ums Überleben. Lassen SIe es zu einer Katastrophe mit verbundenen Versorgungsengpässen kommen und die Moral ist vergessen. Moral liegt nicht bzw. nur temporär in der menschlichen Natur. Moral ist naiv. Moral ist tödlich.

  • @Technologaga

    Würde die Technologie bedingungslos eingesetzt werden, wie damals die A-Bomben über Japan, dann würde sich heute niemand mehr an die Taliban erinnern. Selbst in der Kriegsführung wird abgewogen wie hoch der Ertrag bei einen bestimmten Einsatz ist. Wenn es nicht lohnt, weil es zu viel kostet oder das Image zu sehr beschädigt, dann wird es nicht gemacht bzw. gestoppt. Die Zeit der bedingungslosen Kriege ist zum Glück, zumindest vorübergehend, vorbei, dies bedeutet aber nicht, dass wir uns neuen Waffensystemen und Technologien verschliessen dürfen.

  • Witzig ist doch, dass die ganze technologische Kriegsentwicklung immer noch keine Kriege gewinnen lässt! Nicht einmal gegen schlecht ausgerüstete Taliban hat die Nato wirklich Land gesehen, sondern wurde immer wieder in die Defensive gedrängt...

    Das sagt alles!

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