Dutschke spricht

Bei Karstadt gehen die Lichter aus

Nicolas Berggruen wurde als Retter von Karstadt gefeiert. Doch es sieht derzeit so aus, als bereite sich der Milliardär auf den Absprung vor. Den hätte so manch ein Mitarbeiter auch schon wagen sollen.
8 Kommentare
Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Neulich unterhielt ich mit einer Mitarbeiterin von Karstadt, die sich Gedanken macht, dass ihre Stelle demnächst weggekürzt werden könnte. Damit meinte sie nicht nur, dass Ihre Stelle vielleicht eine von den angekündigten 2000 Stellen sein könnte, die gestrichen werden sollen, sondern auch, dass Karstadt als Firma keine langfristige Perspektive mehr hat.

Ihre Argumentation war einfach. Was hat Karstadt denn im Vergleich zu Läden wie H&M, Ikea, den Rieseneinkaufszentren mit hunderten Geschäften oder Internetfirmen wie Amazon oder Zalando zu bieten? Nichts! Bei Karstadt gibt es zwar alles, aber die Auswahl ist begrenzt, die Produkte sind weniger hochklassig ausgestellt und haben auch oft nur mittlere Qualität. Das Prinzip Karstadt funktioniert einfach nicht mehr.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich als Junge Anfang der neunziger Jahren in Hamburg regelmäßig zum Karstadt in der Mönckebergstrasse gegangen bin und begeistert von der großen Warenwelt war. Doch in der Zwischenzeit hat das Internet das Geschäft grundlegend verändert und neue, innovativere Geschäfte haben Karstadt die Kunden abgeworben.

Die enorme Vielfalt der Produkte ist durch das Internet sichtbar geworden und kann unmöglich in einem einzigen Kaufhaus abgedeckt werden. Es muss viele Jahre her sein, dass ich in einer Karstadt-Filiale einkaufen war. Ein weiteres Stück westdeutscher Wirtschaftsgeschichte ist dem Untergang geweiht, ähnlich wie Schlecker oder Quelle.

Nicolas Berggruen, einst als Retter von Karstadt gefeiert, bereitet sich schon auf den Absprung vor. Dabei hatte er die Sanierung zu einer unkomplizierten Sache erklärt, die nicht schief gehen könne. Von einer Renovierung der Häuser ist nichts in Sicht. Mitarbeiter werden auch schon entlassen.

Zeitpunkt für den Absprung verpasst?
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Dutschke spricht - Bei Karstadt gehen die Lichter aus

8 Kommentare zu "Dutschke spricht: Bei Karstadt gehen die Lichter aus"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Man kann von diesem Artikel halten was man will. Vieleicht ist auch etwas Polemik im Spiel.

    Aber!!!

    Wer die inneren Strukturen von Karstadt und die Hilf- und Ratlosigkeit des Management kennt weiß, dass so niemals ein erfolgreiches Multichannel-Unternehmen aus Karstadt werden kann.

    Schade eigentlich…..denn das Potential ist da.

  • Dutschke, der Alles-Besser-Wisser, die Mensch gewordene Nervensäge. Für seine Kommentare ist noch recycltes Klopapier zu schade, deshalb sollte das Handelsblatt das sofort einstellen.

  • This is a problem everywhere, of course, but it's sad to see the long history of department stores come to an end in Germany, too, which is the source of so many of the great names in the business (also in the U.S.). As Jan Whitaker's books show, the range of services and the whole shopping "experience" was just too expensive in a time when cost is all that matters.

  • Leiebes HB stellt eurer Putzfrau doch mal die Frage "was hat die good old paper noch für Vorteile gegenüber den kostenlosen news im Netz?

    Macht dann alle das Licht aus denn auf eure kleine seite kann man auch gut verzichten...

  • Ich denke mal nicht das jemand vom HB oder der Autor dieses Beitrags zu einer Raiffeisenbank Schalterangestellten geht und sie fragt welche Aktien man nun mit seinem Vermögen kaufen soll.
    Ein Unternehmen wie Zalando hier mit aufzunehmen ist doch komplett fehl am Platz. Ich bin der Meinung dass jeder weiss dass die Samwer Brüber durch Investoren Millionen in Zalando pumpen um ein funktionierendes Geschäft aufzubauen dass dann zum Kauf angeboten wird. Dabei wird es wohl nicht darum gehen Geld zu verdienen sondern um Umsätze, koste es was es wolle. Man wird sehn ob der Trick auch diesmal wie damals bei Alando und Ebay klappt.

    In einer Zeit in der 100 Milliarden mal das sind was vor 10 Jahren noch 100 Millionen waren könnte man es sich vorstellen.

    Ich bin jedoch einer von der Sorte die fleißig vom Widerrufsrecht gebrauch macht, vora llem wenn es einem auch noch so schön Angeboten wird... schrei vor glück oder schicks zurück...

    Ob Kalrstadt überlebt? Die Frage könnte man an Saturn, MediaMarkt, expert und Euronics auch stellen. Internet ist doch meist günstiger, schließlich findet man immer einen deppen äähh ich meine Kaufmann der es einem nah des EKs verkauft....
    So eine Frage wie hier gehört an die erstsemester gestellt die dann mal ein Jahr nachdenken dürfen... aber sowas im HB ist doch lächerlich....

  • Ich vermute, das ähnlich wie bei der großen Wirtschaftskrise des letzten Jahrhunderts, eine Lösung nur durch Zerschlagung der großen Konzerne möglich sein wird.
    Schlicht deshalb weil die Konzentration generell sowohl die volkswirtschaftlichen Einkünfte schmälert, wie auch die Anzahl der Arbeitsplätze.
    Solange man in großem Stil Exportieren kann, oder sich Verschulden kann, tritt dieser Mangel nicht offen zu Tage.
    Ist aber eine logische Konsequenz.
    Konzerne können eben nur deshalb billiger produzieren, weil die Millionen für einen Chef billiger sind als die 6-stelligen Beträge für mehrere Dutzend Chefs. Aber auch weil nur in großen Einheiten der Aufwand für so starke Automatisierung wirtschaftlich sein kann.
    Das geht auf Kosten der Vielfalt, auf Kosten einer breiteren Innovation und breiteren Beschäftigung und schmälert den sozialen Ausgleich.

    H.

  • "Die Karstadt-Mitarbeiterin hatte in der Vergangenheit ein Angebot von Zalando, aber lehnte ab, weil es ihr bei Karstadt so gut gefiel."
    Wer sich ein bisschen mit dem Geschäftsmodell von Zalando befasst weiß, dass es in dieser Form, auf Dauer, nicht überlebensfähig ist.
    Da stellt sich die Frage, wer ist als Erster pleite Zalando oder Karstadt?
    Ich tippe auf Zalando.

  • Na Super - ein wertvoller Beitrag von Jemanden, der es voll beurteilen kann. Wem ist mit so einem Beitrag geholfen, was haben Sie damit bewegt? Ist es in der Elternzeit so Langweilig?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%