Dutschke spricht
Bei Karstadt gehen die Lichter aus

Nicolas Berggruen wurde als Retter von Karstadt gefeiert. Doch es sieht derzeit so aus, als bereite sich der Milliardär auf den Absprung vor. Den hätte so manch ein Mitarbeiter auch schon wagen sollen.
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Neulich unterhielt ich mit einer Mitarbeiterin von Karstadt, die sich Gedanken macht, dass ihre Stelle demnächst weggekürzt werden könnte. Damit meinte sie nicht nur, dass Ihre Stelle vielleicht eine von den angekündigten 2000 Stellen sein könnte, die gestrichen werden sollen, sondern auch, dass Karstadt als Firma keine langfristige Perspektive mehr hat.

Ihre Argumentation war einfach. Was hat Karstadt denn im Vergleich zu Läden wie H&M, Ikea, den Rieseneinkaufszentren mit hunderten Geschäften oder Internetfirmen wie Amazon oder Zalando zu bieten? Nichts! Bei Karstadt gibt es zwar alles, aber die Auswahl ist begrenzt, die Produkte sind weniger hochklassig ausgestellt und haben auch oft nur mittlere Qualität. Das Prinzip Karstadt funktioniert einfach nicht mehr.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich als Junge Anfang der neunziger Jahren in Hamburg regelmäßig zum Karstadt in der Mönckebergstrasse gegangen bin und begeistert von der großen Warenwelt war. Doch in der Zwischenzeit hat das Internet das Geschäft grundlegend verändert und neue, innovativere Geschäfte haben Karstadt die Kunden abgeworben.

Die enorme Vielfalt der Produkte ist durch das Internet sichtbar geworden und kann unmöglich in einem einzigen Kaufhaus abgedeckt werden. Es muss viele Jahre her sein, dass ich in einer Karstadt-Filiale einkaufen war. Ein weiteres Stück westdeutscher Wirtschaftsgeschichte ist dem Untergang geweiht, ähnlich wie Schlecker oder Quelle.

Nicolas Berggruen, einst als Retter von Karstadt gefeiert, bereitet sich schon auf den Absprung vor. Dabei hatte er die Sanierung zu einer unkomplizierten Sache erklärt, die nicht schief gehen könne. Von einer Renovierung der Häuser ist nichts in Sicht. Mitarbeiter werden auch schon entlassen.

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Zeitpunkt für den Absprung verpasst?

Kommentare zu " Dutschke spricht: Bei Karstadt gehen die Lichter aus"

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  • Man kann von diesem Artikel halten was man will. Vieleicht ist auch etwas Polemik im Spiel.

    Aber!!!

    Wer die inneren Strukturen von Karstadt und die Hilf- und Ratlosigkeit des Management kennt weiß, dass so niemals ein erfolgreiches Multichannel-Unternehmen aus Karstadt werden kann.

    Schade eigentlich…..denn das Potential ist da.

  • Dutschke, der Alles-Besser-Wisser, die Mensch gewordene Nervensäge. Für seine Kommentare ist noch recycltes Klopapier zu schade, deshalb sollte das Handelsblatt das sofort einstellen.

  • This is a problem everywhere, of course, but it's sad to see the long history of department stores come to an end in Germany, too, which is the source of so many of the great names in the business (also in the U.S.). As Jan Whitaker's books show, the range of services and the whole shopping "experience" was just too expensive in a time when cost is all that matters.

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