Dutschke spricht
Boston auf allen Kanälen

Die Anschläge in Boston und die Suche nach den Verdächtigen hat die Medien in den vergangenen Tagen bestimmt. Das meiste andere verkam zur Randnotiz. Warum das so ist? Ganz einfach: Die USA sind uns nah.
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DüsseldorfIch wurde Anfang der Woche von einem alten Bekannten angerufen und er fragte, ob ich bereit wäre, einem Radiosender ein Interview zu dem Anschlag in Boston zu geben. Der Journalist hat an mich gedacht, weil ich in der Umgebung von Boston aufgewachsen bin. Ich habe gleich abgewinkt, denn ich wusste nicht, was ich darüber hätte sagen sollen. In den nächsten Tagen sah ich mich bestätigt, denn bei der Sichtung der Titelseiten der Boulevardzeitungen wurde es mir richtig übel.

Überall wurde der Tod eines Achtjährigen als emotionaler Aufhänger benutzt, um Auflage zu machen. Dazu kamen viele Live-Schaltungen und Brennpunktberichte, sowie unendlich viele Tweets und Posts. Und auch die Explosion in einer texanischen Düngerfabrik schaffte es in den Topmeldungen der Tagesschau, ohne dass sich jemand wundert. Trotz aller Unfassbarkeit der Ereignisse hat die Berichterstattung jede Verhältnismäßigkeit verloren. Alle Zeitungen haben die gleichen Titel, alle Fernsehsender bringen Sondersendungen und lange Berichte. Warum sind all die anderen Attentate auf der Welt nur Randnotizen?

Ein Grund sind die Bilder. Durch die vielen Kameras im öffentlichen Raum werden wir mit unzähligen Aufnahmen vom Tathergang versorgt. Sie zeigen die Explosionen und die Verwüstung. Solche Bilder sind für den Fernsehzuschauer und Zeitungsleser besonders einprägsam. Ein weiterer Grund ist die Tatsache, dass Anschläge in der westlichen Welt relativ selten vorkommen, während sie an Orten wie Irak und Pakistan mit schrecklicher Regelmäßigkeit passieren. Die Anschläge dort sind als Nachricht schon abgenutzt und bekommen nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen.

Aber der wichtigste Grund ist doch ein ganz einfacher, für uns ist die USA ganz nah. Sie sind nicht nur das Sinnbild der gesamten westlichen Welt sondern auch der Sehnsuchtsort vieler Deutschen. In den USA ist es ein bisschen wie bei uns, aber trotzdem ist alles größer, freier und lockerer. Die deutschen Kleinbürger träumen vom Leben in der neuen Welt und würden es doch nie wahr machen, aber ein bisschen Amerikaner sind wir alle. Fühlten wir nicht alle mindestens genau so stark: Yes, we can? Beim Thema USA sind wir alle gefühlte Experten. So trifft uns das Attentat ganz konkret ohne dass wir fürchten, es könne uns beim nächsten Mal treffen. Denn insgeheim wissen wir, die USA ist doch ganz anders.

Wie dem auch sei, ich kann nur hoffen, dass meine Heimatstadt bald wieder Ruhe findet, jetzt da die Bombenleger gefasst worden sind.

Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke, Wortführer der Studentenbewegung in den 60er-Jahren. Er ist in Elternzeit und lebt in Berlin.

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Kommentare zu " Dutschke spricht: Boston auf allen Kanälen"

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  • PS: Die NSU ist doch auch seit Ende 2011 ständig auf allen Kanälen. Das hat freilich nicht dazu geführt viel Licht ins Dickicht der Lügen, Halbwahrheiten und Vertuschungen rund um die 9 Morde zu bringen.
    Das stört gewaltig, weil es unter anderem vom alltäglichen "Terror" des Rassismus und Gewalt gegen Deutsche und Europäer ablenkt, und der regelmäßig neue Todesopfer fordert.
    Ein kleiner Ausschnitt ist hier dokumentiert:
    http://www.deutscheopfer.de/

  • Richtig. Nur das sein Vater jetzt eigentlich kein besonders großer Multikulturalist war, ja sogar beinahe "deutschnationale" Positionen vertrat, wenn diese bei der Generation der 68er anders als Multikulti-Ideologen auf taube Ohren fielen.

  • Es wurde Ihnen übel, da Sie unbewusst fühlten dass das Multikulti-Dogma der Generation Ihres Vaters einen Webfehler hat: den Islam. Alle islamischen Länder sind ja von Gewalt und Bürgerkrieg geprägt. Und die Bilder von Boston erinnern daran, dass wir uns bereits angesteckt haben. Diese Erkenntnis können Sie halt nicht akzeptieren, so sucht sie sich halt den Weg über Ihr Gefühl...

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