Kurz und schmerzhaft

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Dutschke spricht: Der ganz normale Mietwahnsinn

Die Politik beginnt zu erkennen, dass der Immobilienmarkt in den Großstädten für viele unbezahlbar zu werden droht. Doch ihr Handlungsspielraum ist begrenzt. Es fehlt schlichtweg an Wohnungen – und an Geld.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.
Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Die Lage wird zunehmend ungemütlicher. Unweit meiner eigenen Wohnung wurde vor kurzem ein noch nicht ganz fertiggestelltes Neubauprojekt in Brand gesetzt. Das schneeweiße Haus ist jetzt auf der einen Seite von unten bis oben vollkommen verkohlt. Die Behörden gehen von einer politischen Straftat durch Gentrifizierungsgegner aus. Es wird inzwischen mit harten Bandagen gekämpft! Die Politik scheint zu erkennen, dass der Immobilienmarkt in den Großstädten für viele unbezahlbar zu werden droht. Doch ihr Handlungsspielraum ist begrenzt.

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Anfang Mai ist das Mietrechtsänderungsgesetz der Bundesregierung in Kraft getreten, das den Städten ermöglicht, je nach Region, Mieterhöhungen bei 15 Prozent oberhalb der Durchschnittsmiete zu kappen, statt wie bisher bei 20 Prozent. Doch das Gesetz ist keine Lösung, denn einerseits wird es nicht flächendeckend angewendet und anderseits kann die Kappung überschritten werden, wenn dies zur Deckung der laufenden Kosten des Eigentümers benötigt wird. Darüber hinaus hilft die eine Kappung nicht, die Wohnungsknappheit in Städten zu bekämpfen.

Der Münchener Oberbürgermeister Christian Ude glaubt sogar, dass es hinderlich sein kann, weil private Investoren durch die gesenkte Kappung abgeschreckt würden. Letztlich sind Kappungsgrenzen auch keine Hilfe für einkommensschwache Bürger. Seien wir doch ehrlich, für sie ist es egal, ob die Miete um 10, 15 oder 20 Prozent steigt, sie können sich die Wohnung nicht leisten und würden sie wahrscheinlich auch gar nicht erst angeboten bekommen. Ein Vermieter entscheidet sich im Zweifel immer für den einkommensstärkeren Bewerber. Als ich mit meiner Freundin und unserem Baby vor drei Jahren eine Wohnung suchte, weil unsere WG-Mitbewohner es nicht so toll fanden, dass wir morgens um sechs Uhr schon kräftig in der Küche geklappert haben, spürte ich den ganz normalen Mietwahnsinn am eigenen Leib.

  • 27.05.2013, 13:31 Uhrlef

    Lieber Herr Dutschke,
    Ihr Selbstbetrug wird ja schon zu beginn des Artikels deutlich: Auch Sie träumen von der großzügigen und detailreich erbauten Altbauwohnung.
    Sie vergessen, dass genau diese Altbauwohnungen mal genau das verkörperten, was Sie heute so vehement bekämpfen,
    das waren einst die Wohnungen der "Gentries", der neureichen Bürger.
    Geschichte wiederholt sich: Heute sind SIE der Möchtegerngentry. nur "gentrifiziereh" Sie nicht selbst, sondern wollen das besitzen, was einst gentrifiziert wurde. Ist das nicht noch viel verlogener??

    (Kleine Frage: Der Schimmel unter dem PVC in der Wohnung, die Sie ja hätten haben können, der lässt sich durchaus und auch preisgünstig beseitigen, irgendwer muss das ja machen. Nur ganz bestimmt nicht Sie, sie fühlen sich ja eher zum Mäkeln berufen)

  • 27.05.2013, 13:12 UhrPet

    Einen weiteren Schub bei den Mieten wird die geplante Vermögensabgabe bringen, wenn sie denn nach der Wahl kommen sollte. Ein Rechenbeispiel dazu: Wenn der Vermieter einer Wohnung mit dem Wert € 100.000,-- den Nachteil der Vermögensabgabe an den Mieter weitergeben möchte, ist eine Mieterhöhung (die ja erstmal als Einkommen zu versteuern ist) vom bis zu € 258,77 monatlich erforderlich.

  • 27.05.2013, 11:42 UhrFrieda

    Marktwirtschaft verstehen viele - leider nicht alle.

    Weil dem so ist, siedeln manche Unternehmen bewusst in Gegenden mit günstigeren Lebenshaltungskosten (sprich: vor allem Mieten).

    Auf der anderen Seite zieht es Menschen in Ballungsräume, weil man da ja deutlich mehr verdient. Sollte der Staat / die Stadt nun tatsächlich dafür sorgen, dass Wohnraum günstiger wird, dann fallen nicht nur Investitionen weg, sondern der Zuzugsdruck verstärkt sich ebenfalls.

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