Dutschke spricht
Der Sicherheitsapparat der USA ist außer Kontrolle geraten

Obama liebt die Sicherheit. Das zeigen nicht nur die Scharfschützen, die bei seinem Besuch in Berlin zugegen waren, sondern auch die Abhör-Affäre. Die Enthüllungen überraschen nicht: Die NSA ist zu weit gegangen.
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Man kann Präsident Obama viel unterstellen, aber nicht, dass er mit zu wenig Gepäck unterwegs ist. Auf seiner jüngsten Reise nach Afrika hat er über 50 Sicherheitsfahrzeuge einfliegen lassen, darunter 14 gepanzerte Luxuslimousinen. Die Kosten für die Reise werden auf 100 Millionen Dollar geschätzt.

Insbesondere die Verwendung der vielen Frachtflugzeuge, die notwendig waren, um die Limousinen zu transportieren, musste mit viel Geld bezahlt werden. Als amerikanischer Steuerzahler würde ich mir wünschen, dass er weniger aufwendig reist. Auch in Berlin, wo Obama neulich zu Besuch gewesen ist, waren die Sicherheitsvorkehrungen sehr präsent.

Die Vorstellung war schon grotesk. Da sprach Obama auf der Bühne vor dem Brandenburger Tor von Freiheit und Freundschaft, und alles um ihn herum war von Scharfschützen umzingelt. Die Scharfschützen zielten auf die viertausend ausgesuchten freiheitsliebenden Freunde, die aufgrund der krassen Sicherheitskontrollen drei Stunden in der prallen Sonne bei 37 Grad ausharren mussten, um überhaupt dabei zu sein.

Altpräsident Richard von Weizsäcker ist dabei in Ohnmacht gefallen. Als hätte dies noch nicht gereicht, wurde vor dem Podium Obamas eine kugelsichere Scheibe aufgestellt, was zur Folge hatte, dass keine Stimmung zwischen Obama und den Zuschauern aufkam.
Die Beispiele aus Afrika und Berlin sind natürlich nur die Spitze des Eisberges. Sie sind die sichtbaren Symptome eines Sicherheitsapparates, der aus dem Ruder gelaufen ist. Edward Snowden ist es zu verdanken, dass nun etwas Licht in deren dunkle Aktivitäten gekommen ist. Es ist wahrlich nicht überraschend, dass die National Security Agency (NSA) die Fähigkeiten besitzt, verschiedene Kommunikationsmittel umfassend auszuspähen – da hätte man die letzten Jahre nur Zeitung lesen müssen.

In Berlin ist es ein offenes Geheimnis, dass in den oberen Stockwerken der russischen Botschaft Unter den Linden hunderte Geheimdienstler den Berliner Politbetrieb abhören. Natürlich war ebenfalls schon immer klar, dass auch westliche Geheimdienste versuchen, die Bundesregierung abzuhorchen. Das jetzt an die Öffentlichkeit gekommene Ausmaß der Abhöraktionen ist aber dennoch überraschend. Als Vater zweier Kinder mag ja die Vorstellung der ständigen Überwachung ihrer Aktivitäten einen bestimmten Reiz haben, aber eine Privatsphäre sollten sie schon irgendwann haben…

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  • also mundtot will ich sie nicht machen, das vorweg. nur grundrechte mit "so fucking what?" abzutun, zeigt mir auch, dass sie durchaus es auch abkoennen, wenn man sie ihnen nimmt. ich meine, wenn es dem terrorkampf genügt, wie wäre es denn damit, die meinungsfreiheit sozusagen präventiv wirken zu lassen?. bevor ein kommentar hier geposted wird, wird er erstmal gescannt und durch einen alghorithmus geprüft auf bestimmte wörter, dann wird ihre vita ebenfalls analysiert und wenn er als bedrohnung für die nationale sicherheit eingestuft wurde, wird er eben erst gar nicht geposted. sie bekommen dann höchstens eine auffordeung von einem NSA-moderator, dass sie die falschen wörter nutzen. vielleicht noch eine lieb gemeinte empfehlung für eine weiterbildung/umerziehung etc..., mir fehlt die fantasie. aber technisch scheint ja so vieles möglich zu sein. und im namen des terrorkampfes, würden sie das doch auch unterstützen mit "so fucking what?" oder? nur posten können sie das dann eventuell nicht mehr. weil " so fucking what" agressives terrorpotential erkennen lässt.

  • .. ja weiter kommen Sie immer nicht mit Ihren Empörungstiraden: "gläserner" Mensch - und? So fucking what!!? Sry, aber ihr abgestaubtes Vokabular aus dem Datenschutzbaukasten allein schafft's ned, mich mundzutöten! OK, die kennen meine Vorlieben, haben mein Profil ... UND? Die können sich gern darin sühlen, solange es dadurch einfacher (oder überhaupt erst möglich wird), andere daran zu hindern, dass ich meine Vorlieben weiter auslebe!

  • @AxelSiegler

    Und sie glauben wirklich, das es nur darum geht? Sehr naiv gedacht.
    Die Verhältnismäßigkeit stimmt einfach nicht. Denn wenn es darum gehen würde, dann würde eine "Stichwort" Überwachung völlig ausreichen. Nicht aber eine Dauerspeicherung und fortlaufende Auswertung von millionen Gesprächen und Mails. dies führt eher dazu ALLE Menschen "gläsern" zu machen um Verhaltensvorhersagen treffen zu können. Zusammen mit den Profilen in sozialen Netzwerken und anderen Quellen bekommt man damit ein komplettes Profil mit Vorlieben, Abneigungen, Gesinnung, Konten, Vermögen, Verwandschaftsverhältnissen, Krankheiten etc. von jedem x-beliebigen Menschen. Solche Profile sind Gold wert - besonders für jemanden, der allen Menschen, die nicht amerikanische Staatsbürger sind, die Grundrechte aberkennt. Zitat des Geheimdienstchefs im übertragenen Sinne: "Die Grundrechte gelten nur für Bürger der USA". Wobei ich mir da ehrlich gesagt nicht so sicher wäre, das die Grundrechte auch in den USA eingehalten werden ;-) Der Autor hat schon Recht - die Geheimdienste haben sich verselbständigt und ich glaube nicht, das Obama da noch großen Einfluss darauf hat.

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