Dutschke spricht: Deutschland wird sich verändern

Dutschke spricht
Deutschland wird sich verändern

Der Wahlkampf in den USA zeigt, wie sehr sich das Land verändert hat. Und auch in Deutschland steht ein Umbruch bevor. Wir sollten endlich akzeptieren, dass die Bundesrepublik zum Einwandererland geworden ist.
  • 26

Als Barack Obama die Wahl zum Präsidenten gewann, war klar, dass der Zenit des „White Anglo-Saxon Protestant“ (WASP) Mannes als Leitfigur in der amerikanischen Politik überschritten war. Jeder Präsident von John F. Kennedy bis George W. Bush (egal ob Baptist, Epispokal oder Lutheraner) war dieser Gruppe zu zuordnen. Nun hat sich etwas verändert.

Gerade bei den Republikanern ist diese Wandlung überraschend. Hier war der WASP geradezu überdominant. Im aktuellen Vorwahlkampf hat Ron Paul, der einzige Protestant im Rennen, keine Chance hat die Nominierung zu bekommen. Die aussichtsreichen Kandidaten Rick Santorum und Newt Gingrich sind Katholiken, der Favorit Mitt Romney Mormone.

Diese Tatsachen spiegeln eine Veränderung in der Bevölkerungsstruktur wider. Der Anteil der WASPs an der Gesamtbevölkerung ist geschrumpft. Dagegen ist die Zahl der Katholiken durch den enormen Einwanderungsschub aus Süd- und Mittelamerika enorm gewachsen. Auch die Gruppe der asiatisch-stämmigen Amerikaner, die eine Vielzahl anderer religiöser Ansichten mitbringen, ist rasant gewachsen. Die Angst der WASPs vor schwindender Bedeutung drückt sich auch in unerträglichen fremdenfeindlichen Bezeichnungen wie „Anchor Babies“ and „FOB“ (fresh of the boat) aus.

Und auch aktuelle Debatten über Grenzüberwachung an der mexikanischen Grenze und einer möglichen Abschaffung des Geburtsortprinzips sind von den WASPs angestoßen und polarisieren die Nation. Ein Vorbild für Offenheit und Toleranz in der multikulturellen Gesellschaft sind die USA damit nicht. Ein wachsender Teil der Bevölkerung wird durch solche öffentlichen Debatten diskreditiert und viele Einwanderer-Communities wenden sich enttäuscht von der Politik ab.

Es gibt Parallelen zu Deutschland. Eine Parallele ist natürlich, dass alle Präsidenten der Bundesrepublik ältere weiße Männer gewesen sind. Auch die Wahl von Joachim Gauck im März wird daran nichts ändern. Der Taz Kolumnist Deniz Yücel hat es so kommentiert: „Es ist ein reaktionärer Stinkstiefel, der demnächst Bundespräsident dieses Landes werden wird. Aber er ist sicher nicht erste und wird vermutlich nicht der letzte bleiben.“

Seite 1:

Deutschland wird sich verändern

Seite 2:

Deutschland ist zum Einwandererland geworden

Kommentare zu " Dutschke spricht: Deutschland wird sich verändern"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ja ja Herr Gauck, der redet nur so Zeugs, andere Themen
    hat er nicht. Viele Grüsse und alles Gute Abou Chaker

  • Die EU-Kommission, die sich die Idee der Bestandserhaltungsmigration vollständig zu eigen gemacht hat, hört nicht auf, die altersschwachen europäischen Staaten zu einer Beseitigung aller Gesetzesbarrieren aufzufordern, die ihrer Versorgung mit frischem Blut im Wege stehen könnten. Wie verlautet, wurde in Brüssel vor kurzem eine Richtlinie fertiggestellt, nach der seltsamerweise genau das verboten werden soll, was die Große Koalition jetzt aus dem Zuwanderungsgesetz herausnehmen will. Was für ein Zufall!

  • Die EU und die USA betreiben eine massive forcierte Einwanderungspolitik.

    Die Vorgeschichte des Zuwanderungsgesetzes weist allerdings in eine ganz andere Richtung. Zwar fallen auch bei uns Gesetze noch nicht vom Himmel, aber die Initiative dazu kommt doch immer häufiger von hoch oben. Die Gesetzgebungsarbeit in Berlin dürfte heute zu 90 Prozent in der Umsetzung oder Absegnung von Empfehlungen und Richtlinien bestehen, die von supranationalen Gremien oder Konferenzen ausgebrütet wurden.

    So ging zum Beispiel die Green-Card-Initiative, die uns als Idee der Regierung Schröder verkauft wurde, auf eine Anregung der Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen zurück, die den europäischen Staaten schon im Jahr 1999 empfahl, ihre Arbeitsmärkte für 40 Millionen arbeitslose indische und pakistanische Techniker zu öffnen, und die Anfang des Jahres 2000 eine Studie mit dem Titel Replacement Migration herausgab, in der im Detail vorgeführt wurde, wie Länder mit einer schrumpfenden und alternden Bevölkerung durch eine gezielte Aufnahme von Migranten funktionsfähig erhalten werden könnten. Wenn Deutschland zum Beispiel seinen Bevölkerungsstand bis zum Jahr 2050 konstant halten wollte, bräuchte es nach dieser Studie jährlich nur 344.000 Einwanderer aufzunehmen. Wenn es den Anteil Erwerbstätiger nicht absinken lassen möchte, würde eine Nettozuwanderung von 487.000 pro Jahr genügen. Wollen wir, daß sich das Betreuungsverhältnis der 15- bis 64jährigen zu den Älteren nicht ändert, müßten wir jährlich nur 3,63 Millionen Migranten gewinnen, bis 2050 181,5 Millionen!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%