Dutschke spricht
Die Kirche soll sich dem Markt stellen

Weg mit der Kirchensteuer! Die Institution Kirche muss versuchen, sich ohne Subventionen und Privilegien auf dem Markt zu behaupten. Zu groß ist die Macht, die sie ausübt – ganz zu schweigen von den Verfehlungen.
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Mitte Januar zogen sich die Republikaner im US-Repräsentantenhaus zu einer Klausurtagung in Virginia zurück. Hauptsächlich diskutierten die Abgeordneten über eine Verhandlungsstrategie mit den Demokraten über die Staatsschulden. Was in der medialen Berichterstattung etwas unterging, war, dass die Abgeordneten während dieses Beisammenseins auch gleich noch Schulungen zu politisch-brisanten Themen erhalten haben. Besonders gut kam die Präsentation eines Meinungsforschers an, der den Anwesenden Tipps gab, wie sie sich öffentlich zum Thema Vergewaltigungen verhalten sollen.

Während des Wahlkampfes im letzten Jahr fielen einige Konservative mit bizarren Äußerungen über das Thema auf, so etwa in der Aussage, bei „legitimen“ Vergewaltigungen könnte der weibliche Körper die reproduktiven Fähigkeiten aussetzen, so dass keine Gefahr für eine Schwangerschaft bestünde. Und damit müsste man auch keine Ausnahmen für Abtreibungen machen.

So einfach war das! Diese wahnwitzige Logik kostete wenigstens einigen Republikanern die Wiederwahl. Der Experte auf der Klausurtagung riet kurzerhand, sich lieber gar nicht mehr zum Thema zu Wort zu melden. Eine wirkliche Auseinandersetzung mit diesem Unsinn gab es aber bislang nicht.

Das zittrige Festklammern am absoluten Abtreibungsverbot entgegen aller gesellschaftlichen Realität ist nicht nur der Exzess des prüden und christlich-fundamentalen Amerika. Nein, auch in Deutschland ist diese Diskussion virulent. Es ist wieder einmal die katholische Kirche, die großes Kopfschütteln hervorruft. Sie stellt doch tatsächlich in Frage, Vergewaltigungsopfer an katholischen Krankenhäusern überhaupt zu untersuchen und beraten. In Köln wurde jüngst eine Frau abgewiesen. Ein Skandal.

Eine gynäkologische Untersuchung zur Beweissicherung muss zusammen mit einem Beratungsgespräch erfolgen. In diesem Gespräch müsste dann zwingend auch über eine mögliche Schwangerschaft und deren Abbruch gesprochen werden. Doch die alten Männer in den Bischofsämtern und deren Vorgesetzte in Rom lehnen jede Form der Abtreibung ab. Diese Doktrin wurde ohne Rücksicht auf den Einzelfall und die Notsituation brutal durchgesetzt. Wie barmherzig ist dieses Verhalten? Ich schäme mich dafür, besonders auch, weil ich als Steuerzahler eben diese Strukturen unterstütze.

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Wer die Regeln nicht befolgt, bekommt Probleme

Kommentare zu "Die Kirche soll sich dem Markt stellen"

Alle Kommentare
  • @ein_Liberaler

    Sie schreiben hier aber einen Nonsens! Schon mal den eigenen Kommentar gelesen?!

    Sie nennen sich Liberal und meinen über andere urteilen zu können! Sie schreiben einen Blödsinn, da Sie über andere Urteilen und meine zu wissen wie Sie leben und fühlen!!!

    Zitat: Atheismus macht hässlich und Freidenkerei schlechte Laune.

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    Sie sind eine autoritäre Person und völlig ohne Emotionen!! Lächerlich machen Sie sich hier mit solchen Äusserungen!

    Sie sind nichts weiter als ein Troll! Und das nächste mal lesen Sie doch einfach meine Kommentare richtig! Sie haben nichts verstanden von dem was ich schrieb. Wollten Sie ja auch gar nicht. Nämlich das jeder mit seiner Religion glücklich sein kann!! Nur eben erst, wenn er sich ein unabhängiges Bild gemacht hat und selber entscheiden kann, ob er religiös werden will oder nicht!!

  • @RumpelstilzchenA

    Danke! So ist es. Jedes Kind bekommt eine Gehrinwäsche und ideologisch verblendet! Da nützt einem ein austrittsrecht mit 14 Jahren eh nichts mehr, weil eben ideologisch beeinflusst!! Ausserdem werden die Menschen nur zum Untertanen erzogen und sind nicht frei im Denken und Handeln!! Das beste Beispiel sind doch die Deutschen selbst! Sie jammern und meckern im Netz anstatt zu handeln. Lassen sich in prekäre Beschäftigungen stecken anstatt sich zu organisieren um für mehr Lohn zu kämpfen. Die Besserverdienenden treten nach unten und haben sich entsolidarisiert. Und so etwas in einer christlichen Gesellschaft!! in einer Gesellschaft, in der sich jeder selbst der nächste ist. Das ist echt der Brüller schlecht hin!!!

    Die Kirche schreibt jungen Leuten vor wie sie zu denken und zu leben haben. Hand in Hand mit dem Staat. Das nennt man heute Prävention!! Das ist aber nichts weiter als Gehirnwäsche und nebenbei versucht die Kirche ihre Schafe wieder einzufangen!! Hab ich selber erlebt!!

  • Also, die Zahl der Menschen bis 18, die Kirchensteuer zahlen, wird so riesig nicht sein. Und soweit ich weiß wird man schon mit 14 religions- und damit austritts-mündig.Ich weiß nicht, warum Freidenker immer zwanghaft glauben, dass Kirche nur zwanghaft möglich sei. Wohl- möglich, weil "Freidenkerei" zwanghafter ist, als eine mit Freuden und Überzeugung gelebte Religion?
    Es spricht mit Ihnen übrigens ein Mitglied der Kirche ohne Steuern. Ich bekenne mich mit Freuden zu meiner protestantischen Herkunft, bin aber gerne bereit, die Kirchensteuer zu meiden.
    Dass arbeitslose Atheisten in der Regel Kirchensteuer zahlen müßten, wäre mir neu.Die müßten dann bei ihrem Arbeitslosengeld 1 schon sehr forsch dabei sein, damit tatsächlich was für die Kirche übrig bliebe. Bei Hartz 4lern ist dann nichts mehr drin. Die bleiben, so Gott will, gegen Gottes Lohn dabei.
    Der kulturelle Beitrag des Christentums zu unserer Menschwerdung und unserer Gesellschaft kann und darf nicht ausgeblendet noch verächtlich gemacht werden, auch wenn wir in Zeiten leben, die immer weniger christlich sind.
    Das Christentum, so spreche ich als halber Ketzer, ist eben die Sekte, die sich durchgesetzt hat(te). Aber Freidenkerei und Atheismus sind nicht weniger Ideologie als das Christentum. Dann haben Sie halt keinen Übervater mehr, der Ihnen bei schlechtem Wetter beisteht, und keine Kumpels, die sich am Sonntag einander ein Zeichen geben. Aber wo wäre der Mehrwert? Bei Freidenkern und Atheisten ist es ziemlich zugig und einsam. Ich habe da noch niemanden gesehen, der glücklich und erleuchtet war.Das Gegenteil höre ich selten. Atheismus macht hässlich und Freidenkerei schlechte Laune. So kommt es an der Basis an.
    Ich glaube, das Problem ist, dass Sie Christen bevormun- den und für dumm halten wollen.Diese Missachtung,Christen unter Generalverdacht stellen zu wollen, ist es,was mir missfällt. Diese Anmaßung, dass alleine Atheismus "klug", "wahr" und ideologiefrei sei, und überhaupt keine Gehirn-wäsche.

  • Welchem Markt sollte sich den "die" denn Kirche stellen?
    Dem Glaubensmarkt?
    Tut sie das nicht schon längst?
    Oder stört Herrn Dutschke lediglich die Kirchensteuer mit der er seinen Vulgäragnostizimus zu bekräftigen gedenkt?

    Für eine launig 'rausgehauene Kolumne mags zureichen.
    Sollte Dutschke indes sein Thema begründen wollen dürfte er mit der Materie, der er sich in dieser Kolumne angenommen hat schlicht überfordert sein, wie er es ja auch hinschreibt.

    Schade Dutschke, so ein gewichtiges Thema dermaßen leichtfertig im Handelsblatt zu verballern wie es Ihnen gelungen scheint.

    Man traut Ihnen jedenfalls mehr zu als das fettige Butterbrotpapier, auf dem Sie Ihren gewichtigen wie berechtigten Einwand zur Rolle der Kirchen im Gemeinwesen raufgeknallt haben.

    Schade um Ihre Zeit, um die Ihrer Leser und um den Platz im HB, den Sie leichtfertig vergeudet haben.

  • Jede Religion ist von Menschen erdacht worden, um über andere Macht auszuüben, sie zu beherrschen und sie um ihre Besitztümer zu bringen. Zum Schein sind die Kirchen sozial tätig, aber den größeren Teil stecken sie sich in die eigenen Taschen. Es ist schon erstaunlich, dass diese Unternehmen, trotz ihrer meuchelmörderischen Vergangenheit bis heute erhalten geblieben sind.
    Den dummen Pappnasen mangelt es eben an Selbstvertrauen.
    Im Vatikan wird ein neuer Konzernchef gesucht, der das Unternehmen von Schwulen und Pädophilen reinigt.

  • @ein_Liberaler

    Ihre Argumentation ist aber so nicht richtig.

    "Sie stellt sich doch täglich dem Markt, die Kirche. Dem Gesundheits-, dem Arbeit- und dem Glückseeligkeitsmarkt.
    Menschen haben sich freiwillig entschieden, Mitglied der Kirche zu sein. Sie können auch freiwillig (wieder) austreten. Das unterscheidet die Kirche von der GEZ."

    Die Menschen haben sich eben bisher NICHT ALLE FREIWLLIG für Religion entschieden!! Sie wurden bis jetzt immer zwangsreformiert! Man schaue nur einmal in die Geschichte!! Und die Eltern zwingen Kinder dazu religiös zu werden! In dem die Eltern die Kinder taufen und sie in den religösen Unterricht befördern. Wo ist da etwas freiwillig?! Kinder werden fremdbestimmt.

    Ich habe nichts gegen Religion. Ich habe aber etwas gegen Zwangsreligion und Zwangssteuer! Menschen sollten mit der Mündigkeit selbst entscheiden, ob sie in die Kirche eintreten wollen oder nicht. Und zwar mit der Volljährigkeit! Alles andere ist Gehirnwäsche!! Und warum muß ein arbeitsloser Atheist denn Kirchensteuer bezahlen?!

    Im übrigen haben Staat und Kirche schon immer zusammen gearbeitet und die Menschen ideolgisch beeinflusst und zu Zwangsabgaben genötigt!

    So wie jetzt wieder Staat und Kirche zusammen den jungen Menschen vorschreibt wie sie zu leben und zu handeln/denken haben! Prävention wird vorallem von kirchlichen Vereinen durch geführt!!! Schon dies hatte man in der NS-Zeit getan. Nur ohne Kirche...und da sich das System nicht wirklich nach der NS-Zeit geändert hatte, nahm man die Kirche mit zur Hand. Dann lässt sich die Gehirnwäsche ja auch besser verschleiern, gelle.

  • Als kirchenkritischer, evangelischer Katholik (Zwangstaufe vor über 50 Jahren) darf man die herausragenden Leistungen der Christen, sei es Car-Pakete - nach dem Krieg -, Miserior, Adveniat etc. Hospitäler. Retttungs- Altendienste und Kinderbetreuungseinrichtungen nicht ausser Achtung lassen! Auch die Kirchen bewegen sich und man sollte trotz aller Schwerfälligkeit dieser Institutionen mit mehr Tolerenz auch deren Leistungen respektvoll Würdigen.

  • Der Artikel ist in der Tat sehr einseitig und zum Teil auch unlogisch. Als praktizierender Katholik, der mitunter sehr an seiner Kirche leidet, möchte ich folgendes anmerken:
    1. Ich bin ebenfalls gegen die Kirchensteuer, denn sie hat gerade die deutsche Kirche korrumpiert, sie in Teilen zu einer Staatskirche gemacht, die ihren eigentlichen Auftrag vergisst.
    2. Nichtsdestotrotz muss ich darauf hinweisen, dass, wenn es um's Geld geht, die Kritiker der Kirche nicht vergessen sollten, dass Fürsten und Staaten die Kirche immer wieder beraubt haben. Sie können Säkularisierung wohl auch recht treffend mit Raub an Kircheneigentum übersetzen (z.B. steht der Kölner Hauptbahnhof auf dem einteigeneten Gelände eines ehemaligen Klosters).
    3. Das Vermögen der Kirche ist zum allergrössten Teil durch Spenden der Gläubigen und durch den Fleiss und die Sparsamkeit der Mönche und Schwestern in den Klöstern entstanden.
    4. Und wenn Kritiker z.B. auf die Exzesse unter Kardinal Richelieu verweisen, würde ich antworten: Dieser Kardinal wurde vom frz. König zum Bischof und Kardinal gemacht. Ein Beispiel, wo die Kirche in die Fänge des Staates geriet - was ihr sehr geschadet hat.
    5. Abtreibung bleibt Mord. Was kann das Kind dafür, dass sein Vater ein Vergewaltiger ist? Wollen Sie einen Unschuldigen töten, weil Ihnen die Hilfe und Unterstützung der Opfer zu mühselig ist?

  • Es steht jedem frei aus der Kirche auszutreten, ich habe dies bereits vor 25 Jahren getan, da ich nicht bereit war weiter dafür zu bezahlen, um an Gott zu glauben oder im Stillen für mich zu beten. Ich brauche dafür keine Kirche.

  • Es ist vermutlich aussichtlos, aber noch mal: Der Staat erhebt von Kirchenmitgliedern als Dienstleistung für die deutschen Kirchen die Kirchensteuer. Das ist nicht kostenlos, sondern der Staat lässt sich das auch bezahlen. Der einzige Unterschied zum jetzigen Zustand wäre, wenn die Kirchen selbst einen "Vereinsbeitrag" erheben würden (was jeder andere Verein völlig unkritisiert tun kann), dass eine zusätzliche Bürokratie aufgebaut werden müsste.

    Und, natürlich, und darauf zielt Hr. Dutschke eigentlich, die heute passiven Mitglieder (also Steuerzahler, die sich noch nicht zum Austritt durchgerungen haben, aber nicht mehr aktiv am Vereinsleben teilnehmen) würden vermutlich nicht so einfach erreicht werden können, was die Einnahmen schmälern würde. Effekt:Kostendruck Folge: Die Kirche in Deutschland klappt zusammen. Die Einrichungen schließen. Es gibt nur noch staatliche oder privatwirtschaftliche Kindergärten, Krankenhäuser, Altenheime, etc. Die Leute dort werden dann bestimmt alle nach oder über Tarif bezahlt und die Leistungen werden alle ausgezeichnet sein, selbst für den mäklichsten Kunden.

    Die RKK gibt es weiter, sie hat 1 Mrd Mitglieder, halt nur nicht in Dtl.

    Die gängige Neigung, das Kind ohne Not mit dem Bade ausschütten zu wollen, beuruhigt mich zutiefst. Obwohl man die "verknöcherten alten Männer" gar nicht kennt und ihre Aussagen auch nur aus zweiter Hand (vielleicht noch nicht einmal Vereinsmitglied ist - also nichts zahlt), zerschlägt man lieber eine existierende Infrastruktur. Das hindert aber vermutlich nicht daran, anschließend das Fehlen der Infrastruktur und die hohen Kosten des Neuaufbaus zu beklagen. Aber dann sind ja die dummen unfähigen Politiker schuld.

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