Dutschke spricht
Die kleine DDR in Berlin

Der neue Flughafen ist längst nicht das einzige Beispiel für Missmanagement in Berlin. Ein besonders kurioser Fall ist auch das Märkische Museum. Hier zeigen sich sogar Parallelen zur DDR: Bei der Überwachung.
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Das Land Berlin hat sich schon in der Vergangenheit beim Management verschiedenster Projekte nie mit Ruhm bekleckert. Der neue Flughafen stellt nun alles in den Schatten, ist aber nicht das einzige Beispiel. Ich bin ein großer Befürworter der staatlichen Einmischung und Förderung von Kultur, Nahverkehr, Wasser- und Stromversorgung. Es bedarf allerdings auch eines guten Managements, um den Bürgern die Vorteile der staatlichen Regulierung zu ermöglichen.

Dazu muss das Land Berlin auf der einen Seite die richtigen Menschen mit der Geschäftsführung dieser Bereiche betrauen, und auf der anderen Seite ist es wichtig, dass das Land seinen Aufsichtspflichten nachkommt. Dies ist leider zu selten geschehen. Vieles geht schief oder läuft aus dem Ruder.

Ein kurioser Fall des Missmanagements ist auch das Märkische Museum – und das schon seit etlichen Jahren. Das Museum liegt idyllisch am märkischen Ufer der Spree zwischen den Botschaftsgebäuden Angolas und der Volksrepublik China. Von Bäumen umrankt und von Kopfsteinpflastergassen umzäunt ist das Museum ein wahres Schmuckstück. Zum Areal gehört auch der Köllnische Park mit dem berühmten Bärenzwinger, in dem seit 1939 Braunbären als lebende Wappentiere beherbergt werden. Zurzeit sind dort zwei weibliche Bären untergebracht, Maxi und Schnute.

Wer sich in die Wallstraße verirrt, wird von der Architektur des Museums beeindruckt sein. Sie sieht aus wie eine gigantische mittelalterliche Kirche aus Backstein und wurde 1908 gebaut, um ein Museum für die Geschichte Berlins zu beherbergen. Tatsächlich ist ein Großteil des Gebäudes dem Bergfried der Bischofsburg in Wittstock/Dosse nachgeahmt worden.

Das Märkische Museum ist das Flagschiff der fünf Standorte der Stiftung Stadtmuseum Berlin. In den nächsten vier Jahren soll das Gebäude ausgeweitet werden, um der Rolle als Stadtmuseum der Bundeshauptstadt gerecht zu werden. Darauf kann man sich freuen. Aber die Gebäudeerweiterung löst nicht das Problem des Museums. Ich bin in den letzten acht Jahren zweimal dort gewesen, und beide Male war es kein Vergnügen.

Das Märkische Museum verfügt nicht nur über ein wundervolles Gebäude, sondern hat auch interessante Ausstellungstücke, die schön ausgestellt sind und auch zum Anfassen einladen. Da gibt es Tiere Berlins, einen Frisiersalon von 1900, ein altes Klassenzimmer, verzierte Kassen, Kaufmannsläden und vieles mehr. Der Rundgang machte aber keinen Spaß, da ich – während ich zugegebenermaßen als Albtraum aller Museumsangestellten in großer Gruppe mit einigen Kleinkindern anrückte – in jedem Raum vom Personal misstrauisch beäugt wurde.

Kommentare zu " Dutschke spricht: Die kleine DDR in Berlin"

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  • Anscheinend hatte Dutschke sen. sein Sperma einen Gendefekt.
    Hätte man es vorher gewusst, hätte man abtreiben können.
    Aber auch Schwerstbehinderte haben ein Recht auf Leben. -rb

  • Ich besuche das Märkische Museum seit vielen Jahren immer wieder gern und bin stets klüger und zufriedener heraus-als hineingegangen. Auch über mangelnde Freundlichkeit oder fehlende Aufmerksamkeit von Angestellten kann ich mich nicht beklagen. Das Haus ist Sammler und Bewahrer von Wissens-und Sehenswertem aus der Geschichte der Stadt Berlin und der Mark und hat sicherlich mehr Aufmerksamkeit verdient als ihm entgegengebracht wird. Die Gründe für mangelndes Interesse der Öffentlichkeit sind sicher vielschichtig, die Vorbildwirkung von Erwachsenen gehört sicherlich mit dazu. Insofern ist es löblich, dass Herr Dutschke mit Kindern das schöne und interessante Haus am historischen Hafen an der Wiege Berlins besucht hat. Zu den Aufgaben der Leitung eines Museums wie seiner Beschäftigten gehört neben dem Sammeln, Aufbereiten, Aufbewahren und Präsentieren von Exponaten, die sämtlich meist Unikate sind, auch deren Schutz. Sollen sich doch auch die nachfolgenden Generationen an diesen erfreuen und bilden.Ein Museum ist weder Spielplatz, Kita noch heimisches Kinderzimmer. Und das ist internationaler Kodex, Herr Dutschke, und hat nichts mit "DDR-Überwachung" zu tun.
    Für Experimente antiautoritärer Erziehung sind Museen eindeutig der falsche Platz, ebenso wie der Artikel über einen Familienausflug des Herrn Dutschke im Handelsblatt.

  • Naja, sinnlos ist der Artikel wohl nicht. Denn auch wenn Museen eher von Rentnern besucht werden: Einen wirtschaftlichen (oder anderweitigen) Vorteil für Deutschland bieten sie nur, wenn Kinder zwischen 4 und 18 was drin lernen können.
    Natürlich scheinen die meisten Museen auf den ersten Blick eher "nutzloses" Wissen zu vermitteln. Auf den zweiten Blick merke ich es meinen Praktikanten leider an, wer wohl als Kind in Museen war und wer sein Weltwissen aus dem Kino hat.
    Daher also: Kinderfreundliche Museen -> besseres Allgemeinwissen von Berufseinsteigern -> wirtschaftlicher Vorteil für deutsche Betriebe -> relevant fürs Handelsblatt.

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