Dutschke spricht
Die Rückkehr der Basisdemokraten

Die Grünen lassen ihre Mitglieder über die Schwerpunkte ihres Wahlprogramms entscheiden. Neben dem Stimmzettel kommt mit dem Schreiben auch eine Werbung daher, bei der selbst Sparfüchse misstrauisch werden könnten.
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Ende vergangenen Jahres haben die Grünen ihr Spitzenduo für die Bundestagwahl durch eine Urwahl aller Mitglieder bestimmt. Ich fand das damals gut und mutig. Keiner der etablierten Parteien würde sich trauen, sein Spitzenpersonal einer solchen Prozedur zu unterziehen. Die Angst vor der Niederlage etablierter Führungspolitiker wäre zu groß.

Bei den Grünen gab es zwar auch einige Überraschungen und Enttäuschungen. Im Großen und Ganzen aber erwies sich die Partei als sturmfest. Nun bin ich als Mitglied schon wieder gefordert. Wie anstrengend, wie schön. Unter dem Motto „Hier bist Du! Entscheidend“ soll ich entscheiden, welche neun Kernprojekte bei einer möglichen Regierungsbeteiligung am wichtigsten sind.

Die Auswahl ist groß. Zur Abstimmung stehen 58 Kernprojekte den drei Themenfeldern Energiewende/Ökologie, Gerechtigkeit und Moderne Gesellschaft. Der Stimmzettel wurde der Mitgliederzeitschrift „Schraegstrich“ beigelegt, die jedem Mitglied zugeschickt wird. Und auf die ich mich immer freue. Für Projekte in jedem Themenfeld muss ich drei ankreuzen. Am Schluss habe ich noch eine freie Jokerstimme für mein Lieblingsprojekt.

Es klingt wirklich spannend. Die Kinder sind im Bett und ich mache es mir mit einer Apfelsaftschorle auf der Couch gemütlich. Ein wichtiger Abend. Doch wo soll ich bloß meine Kreuze machen? Will ich lieber die Heimat von Storch und Laubfrosch schützen oder die unsägliche Zwei-Klassen-Medizin abschaffen. Nein, freies und schnelles Internet für alle, oder?

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Stimmzettel plus Werbung: Ein ganz besonderes Angebot

Kommentare zu " Dutschke spricht: Die Rückkehr der Basisdemokraten"

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  • Es ist wie in der DDR, am Ende sind immer die selben Leute an der Spitze. Das ist doch keine Basis Demokratie. Was die Kinder betrifft würde ich die nicht von den Grünen als Wahlkampfthema stellen. Das ist ja blanker Hohn.

  • Frei nach F.J. Strauss - Gott hab`ihn seelig - über Rote und Grüne:

    "Von einem der auszog, die Republik zu reformieren und einen riesen Saustall angerichtet hat..."

  • Es ist lustig, wie die Grünen ihre Mitglieder befragen. Das klingt wie der Wunschzettel zu Weihnachten.
    Es könnte witzig sein, wenn es nicht so ärgerlich wäre.
    Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht den meisten Projekten zustimmen könnte, eben wie Dutschke, der sich fragt, welchem Thema er höhere Priorität einräumen sollte.
    Das dumme daran ist, dass lässt sich an den Projekten selbst überhaupt nicht abschätzen.
    Alle diese Themen sind verbunden mit hochkomplexen Abhängigkeiten in die verschiedensten Bereiche und auch Interessen verschiedenster Lobbys. Manche dieser Verknüpfungen würden dazu führen, das das ganze Projekt von demjenigen, der es sich wünscht, dann doch eher abgelehnt würde, weil die Folgen an anderer Stelle dafür viel zu teuer sind.
    Es reicht eben nicht für Dieses und gegen Jenes zu sein und wer darauf Politik gestaltet, ist entweder naiv oder veräppelt seine Wähler. Auf diese Weise erzeugt man Feindbilder, weil irgend jemand muss ja Schuld daran sein, das es nicht funktioniert.

    H.

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