Kurz und schmerzhaft

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Dutschke spricht: Die Verfettung der Öffentlich-Rechtlichen

Der neue Rundfunkbeitrag soll für mehr Gerechtigkeit bei den Zahlern sorgen: Dass diese als Zuschauer im Gegenzug aber drei Monate lang Wiederholungen ertragen müssen, ist ein Unding, findet unser Kolumnist.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.
Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Es ist Sommerpause. Die Kita hat zu, die Nachrichtenlage ist überschaubar und im Fernsehen laufen Wiederholungen. Drei Monate lang werden die Öffentlich-Rechtlichen nur alte Restposten senden. Komisch, dass ich fühle, als wäre bei „Wetten, dass…?“ auch im Winter Sommerpause. Auch die doch so hoch gelobten Tatorts wirken oft wie aus der Zeit gefallen, bedienen schnöde Klischees und strecken ein langweiliges Drehbuch gähnend lang. Die drei Wiederholungsmonate fallen also eigentlich gar nicht auf, wenn wir nicht so viel dafür zahlen müssten.

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Denn mit der Haushaltsabgabe gibt es nun kein Entkommen mehr, es ist egal, ob jemand einen Fernseher besitzt oder nicht, alle müssen 17,98 € blechen. Damit sollte einer Gebührenerhöhung vorgebeugt und eine Preisstabilität erzeugt werden. Noch nicht ganz klar ist, ob vielleicht so auch Mehreinnahmen durch die Gebührenumstellung fließen, denn das Gebührenmodell ist ziemlich kompliziert – gerade für Unternehmen. Klagen laufen, da Unternehmen absurderweise nun pro Standort zur Zahlung aufgefordert sind und um ein vielfaches mehr belastet werden.

Darüber hinaus, findet zwischen 2013 und 2014 eine Reihe Abgleichungen aller Daten der Einwohnermeldeämter um zu klären, für welche Wohnungen bislang keine Gebühren bezahlt worden sind. Durch dieses Vorgehen wird dafür gesorgt, dass der staatliche Geldhahn aufgedreht bleibt. Die Ministerpräsidenten haben zwar gesagt, dass für den Fall, dass wesentlich höhere Einnahmen verzeichnet werden, kann es zu einer Beitragssenkung kommen, aber wer das glaubt, wird selig.

Nun gibt es also das neue und angeblich gerechte und effiziente Gebührensystem. An der Qualität der Sendungen und der dreimonatigen Sommerpause hat sich dennoch nichts geändert. Das ganze System ist tatsächlich darauf angelegt, nur für neun Monate ein Programm konzipieren zu können. Man stelle sich das mal vor: Die Bahn würde mir schreiben, mein S-Bahn-Jahresabo wäre nur noch neun Monate gültig. Mein Stromanbieter schaltet einfach im Oktober den Strom ab. Ich selbst würde alte Kolumnen an das Handelsblatt schicken und hoffen, dass es der Redaktion nicht auffällt.

  • 19.07.2013, 13:37 UhrJohannesSchmidt

    Wenn die Öffentlich-Rechtlichen mit ihrem Programm so einen hervorragend großen Marktanteil besitzen, sollten sie doch ihre Erlöse auch nach wettbewerblichen Regeln ohne Zwangsgewalt erzielen können? Markt und treue Kunden sind ja bereits da. Oder schauen die nur, weils eh bezahlt ist? Nein, beim Staatsfernsehen geht es in erster Linie um Beamtenversorgung auf Kosten aller.

  • 15.07.2013, 15:03 UhrKaltmalesi

    Jetzt sendet auch noch das ZDF von Samstag Abend bis Sonntag Nachmittag Kochsendungen. Griechenland hat es vorgemacht, wie man den Schmarotzern die Millionengagen streicht. Dem plumpen Deutschen Michel kann leider nichts mehr aufregen.

  • 15.07.2013, 10:09 UhrBluebird

    Wenn ich die Kommentare hier lese wird mir übel!
    Ich habe selten so viele Halbwahrheiten und Vorurteile gelesen.
    Die ÖR belegen in den durchschnittlichen Jahresquoten die vorderen Plätze:
    2012:
    Das Erste 12,3 %
    ZDF 12,6 %
    Alle Dritten 12,6 %
    RTL 12,3 %
    Sat1 9,4 %
    Pro7 5,9 % usw.

    Die ÖR haben also zusammen einen Marktanteil von 37,5 % in Deutschland oder anders ausgedrückt mehr als jeder Dritte schaut zu jeder Zeit (in Schnitt) ein ÖR-Programm.

    Daneben möchte ich mir keine TV-Landschaft vorstellen, in welcher nur noch von der Werbeindustrie abhängige Senden existieren. Kritische Berichterstattungen wie Markencheck, Panorama, Report, etc. wären da undenkbar...man könnte ja potentielle Werbekunden abschrecken. Eher das Gegenteil...du wirbst bei uns im großen Stil und wir berichten negativ über deinen Wettbewerb!

    Sicherlich muss innerhalb des ÖR reformiert und konsolidiert werden, aber Abschaffung ist definitiv keine Lösung.

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Handelsblatt-Redakteur mit den Schwerpunkten Medien und Telekommunikation. In seinem neuen Buch „Die Nimmersatten. Die Wahrheit über ARD und ZDF“ rechnet er mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk ab.

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Michael Steinbrecher ist Journalist, Fernsehmoderator und seit 2009 Professor für Fernseh- und crossmedialen Journalismus am Institut für Journalistik der TU Dortmund. Von 1992 bis Mitte 2013 hat er das ZDF-Sportstudio moderiert und war für das ZDF als Moderator bei zahlreichen Sport-Großereignissen wie Fußballwelt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen vor Ort.

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