Dutschke spricht: Die Verfettung der Öffentlich-Rechtlichen

Dutschke spricht
Die Verfettung der Öffentlich-Rechtlichen

Der neue Rundfunkbeitrag soll für mehr Gerechtigkeit bei den Zahlern sorgen: Dass diese als Zuschauer im Gegenzug aber drei Monate lang Wiederholungen ertragen müssen, ist ein Unding, findet unser Kolumnist.
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Es ist Sommerpause. Die Kita hat zu, die Nachrichtenlage ist überschaubar und im Fernsehen laufen Wiederholungen. Drei Monate lang werden die Öffentlich-Rechtlichen nur alte Restposten senden. Komisch, dass ich fühle, als wäre bei „Wetten, dass…?“ auch im Winter Sommerpause. Auch die doch so hoch gelobten Tatorts wirken oft wie aus der Zeit gefallen, bedienen schnöde Klischees und strecken ein langweiliges Drehbuch gähnend lang. Die drei Wiederholungsmonate fallen also eigentlich gar nicht auf, wenn wir nicht so viel dafür zahlen müssten.

Denn mit der Haushaltsabgabe gibt es nun kein Entkommen mehr, es ist egal, ob jemand einen Fernseher besitzt oder nicht, alle müssen 17,98 € blechen. Damit sollte einer Gebührenerhöhung vorgebeugt und eine Preisstabilität erzeugt werden. Noch nicht ganz klar ist, ob vielleicht so auch Mehreinnahmen durch die Gebührenumstellung fließen, denn das Gebührenmodell ist ziemlich kompliziert – gerade für Unternehmen. Klagen laufen, da Unternehmen absurderweise nun pro Standort zur Zahlung aufgefordert sind und um ein vielfaches mehr belastet werden.

Darüber hinaus, findet zwischen 2013 und 2014 eine Reihe Abgleichungen aller Daten der Einwohnermeldeämter um zu klären, für welche Wohnungen bislang keine Gebühren bezahlt worden sind. Durch dieses Vorgehen wird dafür gesorgt, dass der staatliche Geldhahn aufgedreht bleibt. Die Ministerpräsidenten haben zwar gesagt, dass für den Fall, dass wesentlich höhere Einnahmen verzeichnet werden, kann es zu einer Beitragssenkung kommen, aber wer das glaubt, wird selig.

Nun gibt es also das neue und angeblich gerechte und effiziente Gebührensystem. An der Qualität der Sendungen und der dreimonatigen Sommerpause hat sich dennoch nichts geändert. Das ganze System ist tatsächlich darauf angelegt, nur für neun Monate ein Programm konzipieren zu können. Man stelle sich das mal vor: Die Bahn würde mir schreiben, mein S-Bahn-Jahresabo wäre nur noch neun Monate gültig. Mein Stromanbieter schaltet einfach im Oktober den Strom ab. Ich selbst würde alte Kolumnen an das Handelsblatt schicken und hoffen, dass es der Redaktion nicht auffällt.

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Sieben Milliarden Euro Etat: Wo gehen die Gebühren hin?

Kommentare zu " Dutschke spricht: Die Verfettung der Öffentlich-Rechtlichen"

Alle Kommentare
  • Wenn die Öffentlich-Rechtlichen mit ihrem Programm so einen hervorragend großen Marktanteil besitzen, sollten sie doch ihre Erlöse auch nach wettbewerblichen Regeln ohne Zwangsgewalt erzielen können? Markt und treue Kunden sind ja bereits da. Oder schauen die nur, weils eh bezahlt ist? Nein, beim Staatsfernsehen geht es in erster Linie um Beamtenversorgung auf Kosten aller.

  • Jetzt sendet auch noch das ZDF von Samstag Abend bis Sonntag Nachmittag Kochsendungen. Griechenland hat es vorgemacht, wie man den Schmarotzern die Millionengagen streicht. Dem plumpen Deutschen Michel kann leider nichts mehr aufregen.

  • Wenn ich die Kommentare hier lese wird mir übel!
    Ich habe selten so viele Halbwahrheiten und Vorurteile gelesen.
    Die ÖR belegen in den durchschnittlichen Jahresquoten die vorderen Plätze:
    2012:
    Das Erste 12,3 %
    ZDF 12,6 %
    Alle Dritten 12,6 %
    RTL 12,3 %
    Sat1 9,4 %
    Pro7 5,9 % usw.

    Die ÖR haben also zusammen einen Marktanteil von 37,5 % in Deutschland oder anders ausgedrückt mehr als jeder Dritte schaut zu jeder Zeit (in Schnitt) ein ÖR-Programm.

    Daneben möchte ich mir keine TV-Landschaft vorstellen, in welcher nur noch von der Werbeindustrie abhängige Senden existieren. Kritische Berichterstattungen wie Markencheck, Panorama, Report, etc. wären da undenkbar...man könnte ja potentielle Werbekunden abschrecken. Eher das Gegenteil...du wirbst bei uns im großen Stil und wir berichten negativ über deinen Wettbewerb!

    Sicherlich muss innerhalb des ÖR reformiert und konsolidiert werden, aber Abschaffung ist definitiv keine Lösung.

  • Die ÖR haben doch die Lizenz zum Abkassieren. Von der Politik erteilt. Warum sollte man dann sparen? Abkassieren ohne Kündigungsrecht des Betroffenen! Ist doch der Himmel auf Erden! Jedes freie Unternehmen kann davon nur träumen!

  • Gerade von "Gerechtigkeit" kann doch keine Rede sein, wenn ich als TV-abstinenter Single eben so viel zahle wie eine Großfamilie !

  • Die Selbstbediener schlagen immer weiter zu und machen sich mit der Rundfunksteuer noch mehr ihre Taschen voll. Die Benennung als Abgabe der defacto Steuer dient nur dazu die Mittelverwendung nicht öffentlich machen zu müssen.

    Das Gesülze von Bellut und co um "Transparenz", die ja intern sein müsse (!???), ist vergleichbar mit der SED. Dass man nebenbei noch den Parteien Geld zuschiebt indem man "die Rechte" für die Parteitage erwirbt ist ein Skandal.

    Wer von Steuergeldern lebt, muss dies öffentlich machen. Sonst ufert dieser Saustall immer weiter aus. Die Rundfunksteuer ist nur ein weiterer Schritt in den Staatssozialismus. Genau genommen hätte man die DDR gar nicht abschaffen müssen. Der Staat schaltet die Medien auf Parteinlinie und lässt die Bürger von den Amis bespitzeln. Worin besteht da noch der Unterschied?

    Vom Programm auf bald sicherlich 100 Kanälen, die das produzieren, was die Privaten ebenfalls produziert haben will ich gar nicht sprechen. Grundversorgung? Aha!

    Es ist einfach nur skandalös. Und wir Bürger als "Staatsdiener" haben keine Chance gegen diese Übermacht und dieses unselige Treiben.

  • was mich stört, ist etwas ganz Simples. Da gibt es etliche News-Programme: Eins-Extra, ZDF-Info, Phönix
    und wenn ich Samstags oder Sonntags morgens Nachrichten sehen möchte gibt es nirgends welche. Wenn ich Nachrichten über die Geschehnisse auf der Welt sehen möchte muss ich Aljazeera gucken - denn die öffentlich rechtlichen bringen praktisch nur Sport und drei oder vier andere Nachrichten.
    Traurig so etwas ...

  • Was die öffentlich rechtlichen wert sind können wir heute mal wieder genau sehen. Morgens Volksmusik, Nachmittags Sport und abends kochen wir bzw. quatschen dummes Zeug. Eigentlich müsste man die Programmdirektoren für einen solchen Mist grillen.
    Von den Verantwortlichen müsste man für ein solches Programm das Geld zurückfordern können und deren Gehälter aussetzen, bis sie endlich etwas besseres können.
    Mehrere Spartenkanäle aufgemacht und auf nicht einem Kanal ist man in der Lage etwas ansprechendes zu bringen. Wir sind ja so demokratisch und bringen allen Mist!
    Macht diese Programme endlich zu - Schuld sind ARD und ZDF selbst.

  • Gut, dass das Thema GEZ-Gebühren weiter auf der Agenda bleibt - hatte schon befürchtet, dass keiner mehr nachrecherchiert. Wann erfahren wir, wie viel durch die neue "Gebührenordnung" in die Kassen der Sender gespült wird? Nochmal danke - und dranbleiben!

  • Die Verfettung der Öffentlich-Rechtlichen :

    Ein wahre Aussage. Und wo bleiben die Gebühren-Milliarden ? Man braucht doch nur mal auf den WDR zu schauen. Dort gibt es sieben (7) Sendeanstalten / Sendestandorte, die durchweg das gleiche Programm senden.

    Für jeden Standort werden Arbeitskräfte und Ausrüstung benötigt. Heraus kommt dabei ein Einheitsbrei, der mit unseren Gebühren-Milliarden finanziert wird.

    Und heraus kommt dabei, das auf allen sieben Kanälen immer die gleichen Wiederholungen und das gleiche öde Programm laufen.

    Dieses neue Gebühren-Modell ist für die öffentlich-rechlichen Sender eine staatliche Geld-Druckmaschine ohne Gegenleistung, mit Politikern, die in den aufsichtsräten sitzen und die Hand aufhalten. Und der dumme wähler bezahlt das ja. Armes deutschland.

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