Dutschke spricht: Ein Gegengewicht zur Meinung der Kanzlerin

Dutschke spricht
Ein Gegengewicht zur Meinung der Kanzlerin

Die Traditionalisten wollen sich innerhalb der CDU profilieren. Womit? Das ist noch offen. Es gibt ja keine schrillen Typen wie in den USA. Einzig Erika Steinbach könnte für ein paar verbale Feuerwerke sorgen.
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Letzte Woche habe ich angemerkt, dass die FDP mit ihrer neuen anti-ökologischen Ausrichtung Gefahr läuft, an Bedeutung zu verlieren (wenn das denn noch möglich ist). Ich habe behauptet, dass eine Partei, die als Vertreterin der Fossilen-Energie-Konzerne daherkommt, nicht zeitgemäß ist.

Und doch sind die Liberalen anscheinend nicht die einzigen, die so ticken. Denn diese Woche haben einige langjährige Parteimitglieder der CDU mit der Idee der Gründung eines Berliner Kreises auf sich aufmerksam gemacht. Hier sollen konservative Positionen diskutiert und verstärkt in die Öffentlichkeit getragen werden. Prominenteste Vertreter sind Wolfgang Bosbach und Erika Steinbach. 

Diese Äußerungen sind klar als Affront gegen Merkel zu verstehen. Der Merkel-kritische konservative Gesprächskreis der CDU möchte pünktlich vor der nächsten Bundestagswahl innerparteilich an Macht gewinnen. Die Rechtskonservativen wollen sich als offizielles Forum mit festen Rahmen etablieren. Ich frage mich, ob die CDU ein solches Gremium braucht?

Es gibt doch die CSU! Sollten konservative Meinungsträger in Deutschland mehr Aufmerksamkeit genießen? Und letztlich interessiert mich und wahrscheinlich viele andere in Deutschland, worüber der konservative Gesprächskreis eigentlich diskutiert? 

Wäre ich in den USA, hätte ich eine ungefähre Vorstellung davon, was die Konservativen bewirken wollen. Sie wollen gleichgeschlechtliche Ehen bekämpfen beziehungsweise Homosexuelle verfolgen. Sie wollen Abtreibung verbieten, Migranten deportieren oder Schusswaffen verbreiten.

Über diese Themen wird mit einer Härte gestritten, die wir in Deutschland kaum nachvollziehen können. Diese Konflikte werden zusätzlich von den Medien angeheizt und mit schrillen Tönen unterfüttert. Die Kampfrhetorik im US-Wahlkampf ist dermaßen übertrieben und überdramatisiert, dass jede ernsthafte Diskussion über wirklich wichtige Themen gar nicht mehr stattfinden kann.

Im Vorwahlkampf der Republikaner wird das christliche Paradies durch niedrige Steuern propagiert und vor dem sozialistischen Fegefeuer der Ungläubigen gewarnt. Die wirklichen Probleme wie Bildungschancen, soziale Gerechtigkeit oder Arbeitsmarktreformen, werden auf der großen Showbühne nicht genügend thematisiert.

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Strauß war mit der Rechtsaußenmasche ziemlich erfolgreich

Kommentare zu " Dutschke spricht: Ein Gegengewicht zur Meinung der Kanzlerin"

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  • >>Die Rechtskonservativen wollen sich als offizielles Forum mit festen Rahmen etablieren. Ich frage mich, ob die CDU ein solches Gremium braucht?
    Es gibt doch die CSU!<<

    Dieses Argument würde dann ziehen, wenn die CSU auch bundesweit zur Wahl stünde. Solang sie das nicht tut, werden die Bestrebungen nach einem konservativen Flügel innerhalb der CDU wohl nicht aufhören.

  • Lieber Herr Dutschke, Sie koennen doch wohl nicht so schlafmuetzig sein, dass Ihnen das Hauptanliegen der innerparteilichen Opposition verborgen bleibt. Die CDU war mal der Marktwirtschaft verpflichtet und Ludwig Erhard war eine Ikone. Frau Merkel hat inzwischen soviele marktwirtschaftliche Prinzipien ueber Bord geworfen, dass sich besorgte Parteimitglieder auf dem Weg in die Planwirtschaft waehnen. Ich glaube nicht, dass die von Ihnen angefuehrten exotischen Themen irgendwen in der CDU ueberhaupt interessieren.

  • Herr Dutschke, ich bitte Sie, hinter welchem Mond leben Sie?

    Dieses Parteien - System ist TOT ! Wen interessiert in einigen Monaten noch, welche Partei an die Regierung kann, will, soll?
    Und mit welchen Mitteln oder PR - Tricks. Dann ist aufrichtiges weitsichtiges kluges weises verantwortungsbewußtes Handeln angesagt! Parteien und Berater unabhängig. So Marionettentypen, die sich einkaufen lassen, egal ob von Mainstream, Banken, Lobby bla bla bla...
    Aus und Schluß. Überleben kann man leider nur mit anderen echten Führungs- Qualitäten, wenn die rohe Gewalt auf der Straße droht oder sogar schon tobt.

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