Kurz und schmerzhaft

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Dutschke spricht: Ein Tag der grünen Basisdemokratie

Die Berliner Grünen lassen auf der Mitgliederversammlung basisdemokratisch über die Bundestagskandidaten abstimmen – allerdings nicht ohne Netz und doppelten Boden. In Zeiten des Piraten-Zerfalls ein kühnes Zeichen.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.
Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Heute findet die Landesmitgliederversammlung der Berliner Grünen statt, auf der die Landesliste für die Bundestagswahl gewählt wird. Es soll die Sternstunde der Basisdemokratie in der Partei werden. Alle Mitglieder in ganz Berlin sind eingeladen, ihre Stimme abzugeben. Jedes einfache Mitglied hat die Möglichkeit, darüber zu entscheiden, wer für die Partei in den deutschen Bundestag einzieht. Der Landesverband hat sogar unter dem Motto „wer mitentscheiden will muss Mitglied werden“ für die Veranstaltung Werbung gemacht. Damit wollen die Grünen sich natürlich von den anderen etablierten Parteien unterscheiden. Es wird suggeriert, dass grüne Bundestagsabgeordnete nicht von grauen Parteifunktionären und Delegierten bestimmt werden, sondern von der bunten Basis. Also auch von mir. Sogar für professionelle Kinderbetreuung ist gesorgt. Blöd nur, dass meine Tochter mit Fieber zu Hause liegt. Was könnte sie schon alles über Demokratie lernen!

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Die Wirklichkeit sieht natürlich ganz anders aus. Laut Satzung müssen mindestens 15 Prozent aller Mitglieder anwesend sein, um das nötige Quorum zu erreichen. In der Regel wird das Quorum zumeist ganz knapp erreicht. Der Großteil der 12.000 Berliner Grünen wird einfach nicht kommen. Diese mickrige Quote ist schon peinlich, hat aber auch ihr gutes. Schließlich ist der Raum auch für 800 Personen schon zu klein und stickig. Und es wird dauern.

Die meisten Anwesenheiten werden keine einfachen Mitglieder sein, die Basisdemokratie leben wollen, sondern Grüne-Funktionsträger, bei Grüne-Funktionsträgern Angestellte oder sonstige Funktionäre. Auch bei dieser Landesmitgliederversammlung wird sich mein Verdacht bestätigen, dass die Listen für die Bundestagswahl schon längst hinter den Kulissen abgesprochen sind. Kreisverbände, Arbeitsgruppen und alle sonstigen Funktionäre haben sich längst selbst oder ihre Wunschkandidaten in Stellung gebracht und konkrete Listenplätze ausgehandelt. Große Überraschungen erwarte ich nicht.

Natürlich ist es wichtig, ein richtig gutes Team für den Wahlkampf zu haben. So weit haben sich die Grünen nach langen Jahren der Basisdiktatur professionalisiert und sehen natürlich auch, welche absurden Auswüchse die „Liquid Democracy“ der Piraten hat. Bei denen ist seit einigen Monaten alles aus dem Ruder gelaufen. Die Piraten sind nicht in der Lage, die Aktivitäten des Schwarms in konstruktive Bahnen zu lenken. Sie liefern weder Themen, noch Köpfe, sondern kommen nur noch durch die Veröffentlichung interner Aussagen in den Medien vor. Trotzdem werden die Grünen auch heute und in Zukunft an ihrem Anspruch der Basisdemokratie festhalten. Zumindest ist damit möglich, dass die intern schon gesetzten Kandidaten von uns Basisgrünen noch einmal richtig gegrillt werden. Vielleicht wird der Tag dann doch noch spannend.

  • 18.02.2013, 17:27 UhrAxelSiegler

    .. wieso entbödet sich das HB, dem (auch noch grünen) Sohn von Hrn. "Dr." Dutschke eine Plattform zu bieten?? Gibt es auch bald "Kolumnen" von Anverwandten des Hrn. "Dr." Goebbels? Beide Unwesen haben ja nicht nur ihren gekünzelten Duktus gemein ...

  • 17.02.2013, 13:08 UhrUli49

    Weil Sie nicht der einzige HB-Leser sind!

  • 16.02.2013, 18:28 UhrSayTheTruth

    Warum langweilt HB uns immer noch mit Dutschke ??? Abschalten. Finito. Soll in der KiTa auftreten.

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