Dutschke spricht Elterngeld – Teuer, aber gut!

Deutschland hinkt im europäischen Vergleich bei den Geburten hinterher. Das muss sich ändern. Das Elterngeld ist eine gute Idee, aber die Familienministerin könnte kreativer sein: zum Beispiel mit einem Verbot der Pille.
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Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Vorletzte Woche wurde ein paar Tage mal nicht über die Eurokrise gesprochen, sondern über ein weiteres wichtiges Thema: die niedrige Geburtenrate. Im letzten Jahr sind in Deutschland nur 663.000 Babys geboren worden. Das waren circa 15.000 Babys weniger als im Jahr zuvor. Laut einer Prognose des Bundesinnenministeriums werden bis 2060 17 Millionen weniger Menschen in Deutschland leben. Die Geburtenrate müsste von aktuell 1,4 auf 2,1 ansteigen, um die Bevölkerung stabil zu halten.

Es wird uns suggeriert, dass die demographische Katastrophe vorprogrammiert ist. Einige Bundestagsabgeordnete aus der Union nehmen diese Zahlen gleich zum Anlass, den von Ursula von der Leyen propagierten Kitaausbau und die Fortsetzung des Elterngeldes in Frage zu stellen. Der überforderten Familienministerin, Kristina Schröder, waren die neusten Geburtenzahlen sichtbar unangenehm.

Schröders witzige Einfälle sind ja schon legendär. Die Flexiquote, die Herdprämie und das jüngst ins Spiel gebrachte Ausgehverbot für Jugendliche (um der dunklen Macht des Alkohols gar nicht erst zu begegnen) sind Schlaglichter ihres unermüdlichen Arbeitseifers. Ich halte es nicht für unmöglich, dass Sie ihre Beamten nun dazu auffordert ein Verbot der Pille zu prüfen, um endlich den ersehnten Durchbruch bei der Geburtenrate zu erzielen.

Diese Koalition ist konstant auf Irrfahrt, und ich kann nur auf den Tag hoffen, dass sie endlich abgewählt wird. Die Tatsache, dass das Elterngeld überhaupt in Frage gestellt wird, zeigt die Unfähigkeit der Koalition, etwas Sinnvolles anzustellen. Denn das Elterngeld funktioniert. Es stellt für Eltern eine erhebliche Hilfe dar und trägt dazu bei, Deutschland familienfreundlicher zu gestalten. Gerade die Partnermonate sind ein effektives Instrument, die Akzeptanz von Auszeiten zur Kinderbetreuung am Arbeitsplatz zu erhöhen.

Ob aufgrund des Elterngeldes wirklich mehr Kinder geboren werden, ist unklar. Aber darum geht es auch nicht in erster Linie. Das Elterngeld ist ein wichtiger finanzieller Zuschuss, der die ersten Monate für die Eltern etwas einfacher macht. Ende 2011 erhielten 75,9 Prozent der Elterngeldempfänger nur zwischen 300 bis 1000 Euro im Monat. Fast ein Drittel der Empfänger erhielt den Mindestbetrag von 300 Euro.

Elterngeld: Hoher Preis, großer Nutzen
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8 Kommentare zu "Dutschke spricht: Elterngeld – Teuer, aber gut!"

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  • Jedes Kind ins potenzieller arbeitsloser von morgen. Dank der Industrialisierung benötigen wir immer weniger Arbeitskräfte und es gibt auch immer mehr arbeitslose oder geringfügig Beschäftigte. Die Schere zwischen arm und reich wird immer größer. Es gibt nur einen Grund für mehr Kinder, der aber einen Teufelskreis nach sich zieht. Nämlich der Generationenvertrag. Die Arbeiter von morgen sollen die Rente der Arbeiter von heute zahlen. Das tun sie aber nur, wenn sie selber Arbeit haben. Kinder bekommen, sollte gar nicht oder nur sehr gering unterstützt werden, wenn nicht sogar einen Beitrag kosten. Warum sollen Eltern dem Staat nicht Geld zahlen, damit dieser Kindertagesstätten und Schulen unterstützen kann? Ich bin überzeugt, daß nach langer problematischer Zeit dann gar wieder Arbeitnehmerzeiten bis hin zur Vollbeschäftigung mit guter Ausbildung erreicht werden könnten. Jedes Kind ist zwar auch Konsument und kurbelt die Wirtschaft an, aber jeder Mensch muss für sich mindestens das verdienen, was er an fixen (unausweichlichen) Kosten im Monat hat.
    Ich mag Kinder sehr und will sogar bald ein weiteres, aber erst, wenn ich mir sicher bin, daß ich es aus eigenen Mitteln finanzieren kann. (Dazu gehört auch ein Ausbildung die evtl. etwas länger dauert.

  • Der Ausbau von Betreuungsplätzen ist viel sinnvoller als Betreuungsgeld. Die Länder in denen es gute Betreuungsmöglichkeiten gibt, haben auch viel höhere Geburtenraten, sagt auch Prof. Dr. Wolfgang Wiegard http://www.atkearney361grad.de/2012/07/17/finanzielle-forderung-von-familien-3/

  • bei vielen Familien ist das Elterngeld eine Kürzung, so z.b. bei Studentinnen und Arbeitslosen oder Alleinerziehenden. All diese Gruppen bekommen nur den Mindestbetrag über 12 Monate bis 14 Monate mit Vatermonat bzw. bei alleinerziehenden, die in Hartz fallen wird das angerechnet. Auch Aufstockerinnen und Empfänger von Kinderzuschlag bekommen das Elterngeld gar nicht, alles wird gegengerechnet.

    das Erziehungsgeld wurde 24 Monate lang gezahlt mit 300 Euro - eben genannte hatten davon profiziert, so eine Studentin die ich kenne, die allein erziehend war. Die stehen alle schlechter da als vorher.

    ich seh in dem Elterngeld auch keinen Anreiz - diesen Fliegenschiss kann der Staat behalten. Würd ich mit der Post zurückschicken mit der Frage, ob man mich für blöd verkaufen will. Dann soll der lieber die angeblich 120 000 Euro die er angeblich investiert mir bar auf die Kralle geben --- dann kann man damit wenigstens was anfangen.

  • Wer will schon Kinder bekommen in einem Land das die Menschen nicht schätzt?

    So lange wir den Wert der Wirtschaftskraft vor Menschlichkeit stellen, werden sich alle bemühen möglichst viel Leistung zu erbringen. Zeit für Familie und Kinder bleibt da nicht.



  • Ich denke, Kinder zur Welt zu bringen und zu erziehen ist ein Wert, der von der Gesellschaft ruhig alimentiert werden kann, wenn die Finanzkraft der Eltern nicht ausreicht. Aber es muss gesellschaftlich auch sichergestellt sein, dass ein Kind, unabhängig von seiner Herkunft, seine Fähigkeiten entfalten kann. Ich weigere mich, anzunehmen, dass ein ALGII-Haushalt sich im Allgemeinen nicht um seine Kinder kümmert. Natürlich gibt es irgendwelche Assis, die das Kindergeld versaufen, aber ist das wirklich der Normalfall?

    Wenn es also gelänge, ein Kind aus einkommensschwachen Schichten so auszubilden, dass es zuverlässig in die Rentenkasse einzahlt, dann wäre allen geholfen - sogar dem Beamten, den dessen Pension zahlt sich auch nicht von allein.

    Und es ist kein Recht der Mutter, das Kind die ersten Jahre rund um die Uhr zu betreuen. Geschichtlich gibt es das in Deutschland erst mit dem Sozialstaat (vorher wurden die Kinder gar nicht oder nebenbei betreut und durften ab 6 Jahren mitarbeiten) und in anderen europäischen Staaten gibt es 6 Wochen Mutterschutz und der Rest ist Privatsache. Trotzdem sind die Geburtenraten höher. Das kann zwar idealisierte Wunschvorstellung sein, aber Ursache für die fehlenden Kinder ist es wohl nicht.

  • Wenn sie sich für ein Kind entscheiden, können sie das Kind gar nicht woanders parken. So wie die Dinge zur Zeit stehen, stecken sie die ersten Jahre zu Hause fest. Aber was wir wollen ist:
    Kinder & Arbeit vereinbaren können.
    Um unabhängig zu sein, ein starkes Rollenvorbild für die Kinder zu sein und um wirklich sagen zu können: Die Kinder sind mein "Ein- aber nicht mein Alles"!!

  • In Deutschland wird das Kinderkriegen stark alimentiert und Elterngeld ist nur eine Komponente von vielen - Eltern tragen zwar gesellschaftlich gesehen eine Last, die vorwiegend der Allgemeinheit zu Gute kommt, aber es ist mitnichten so, dass die finanzielle Komponente dieser Last nicht auch zum Teil von der Allgemeinheit getragen wird. Das Elterngeld wurde ganz unverblümt eingeführt, um einkommenstarke Schichten in der Fortpflanzung stärker finanziell zu stützen, in der Hoffnung, diese Schichten würden sich dann auch stärker fortpflanzen. (Für die einkommensschwachen Schichten verkürzte sich nämlich die Bezugszeit von 24 Monaten auf 12 Monate) Die Kinderquote der Mittelschicht ist aber nicht gestiegen. Deshalb lohnt es sich, nüchtern über die Abschaffung nachzudenken. Das jemand die Unterstützung als nützliches Zubrot begreift, reicht meiner Meinung nach als Rechtfertigung für die Beibehaltung nicht aus. Zumal auch der Autor die Ursachen der deutschen Kinderlosigkeit auch anderen Stellen sieht als der finanziellen Unterstützung von Familien.

  • "Natürlich ist das Elterngeld teuer, aber der Nutzen ist groß, besonders für die Geringverdiener. Trotzdem wird dieses Argument gern benutzt, um das Elterngeld in Frage zu stellen, so wie es zum Beispiel der CDU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder tut. Geringverdienende Familien haben natürlich keine große Lobby in der Politik."

    Soll das ein Witz sein? Kaum ein Geringverdiener ist dieses, weil er das so will. Meiner Meinung nach handeln gerade Geringverdiener unverantwortlich wenn sie Kinder in diese unsichere Zukunft setzen. Welche Sicherheit kann ich einem Kind bieten, wenn ich nur prekär beschäftigt bin? Bin ich verbeamtet sieht das völlig anders aus.

    Und wenn ich mich für ein Kind entscheide will ich auch die ersten Jahre mit meinem Kind verbringen und es nicht woanders parken. Dafür fehlen die Rahmenbedingungen.

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