Kurz und schmerzhaft

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Dutschke spricht: Großeltern in die Pflicht – auch ohne Frau Schröder

Nach Elterngeld und Kinderbetreuungs-Anspruch sollen nun auch Oma und Opa beim Hüten des Nachwuchses helfen. Doch mit dem Vorschlag will das Familienministerium im Grunde nur vom akuten Kitanotstand ablenken.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.
Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Jetzt kommt also die Großelternzeit. Nachdem bislang unklar ist, ob die Einführung des Elterngelds wirklich zu mehr Geburten geführt hat und der abstruse Rechtsanspruch auf eine Kinderbetreuung im nächsten Jahr tatsächlich kommt, liegt nun also der nächste grandiose Vorschlag von Familienministerin Kristina Schröder vor. Großeltern wurden als einfache und billige Lösung des Kinderbetreuungsproblems identifiziert.

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Welches kleine Kind verbringt nicht gerne Zeit mit Oma und Opa? Bei uns ist das die Zeit der Schokomuffins, Puddings, endlosen Spielplatzbesuchen und Musizieren mit der Wandergitarre. Was für ein unermüdlicher Einsatz zur Belustigung der Enkel. Was für eine Energie und Freude! Und das Beste: Die Großeltern müssen dazu gar nicht erst überredet oder gebeten werden – meist bieten sie sich von selbst an. Und es kostet nichts (fast nichts, denn ich habe noch nie so viel Zeit mit meinen Schwiegereltern verbracht wie seit der Geburt meiner Kinder). Was für eine Idylle.

Die rüstigen Herrschaften sollen eine Auszeit vom Beruf nehmen dürfen, um sich ganz und gar den Enkeln zu widmen. Das klingt gut. Aber es hat auch einen Haken. Die Auszeit soll nicht – analog zum Elterngeld – bezahlt werden. Frau Schröder geht also davon aus, dass das Angesparte als Überbrückung reicht und auch, dass eine längere Auszeit im Beruf verkraftbar ist.

Von welcher Zielgruppe reden wir denn eigentlich konkret? Da Frauen immer später Kinder kriegen, sind auch deren Eltern immer älter, wenn es passiert. Vielleicht Ende Fünfzig, Anfang Sechzig. Dann sind die frischgebackenen Großeltern entweder an den wichtigsten Positionen in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft (in Vorständen, Ministerien, als Ärzte, Anwälte und Architekten) oder sie fiebern schon der Rente entgegen und rechnen scharf, wie lange sie noch arbeiten müssen. In beiden Fällen ist die Auszeit unattraktiv, entweder weil es ohne sie nicht geht, oder weil das Geld für die Rente benötigt wird. Bei vielen Akademikereltern sind die Großeltern schon längst Rentner und damit sowieso verfügbar.

Ich glaube, dass Frau Schröders Vorschlag nur symbolisch gemeint ist. Er klingt gut. Und scheint die sowieso schon wichtige Rolle der Großeltern endlich offiziell aufzuwerten. Aber in der Realität werden es weiterhin die Rentner unter den Omas und Opas sein, die sich um die Kleinen kümmern. Also viel Lärm um nichts?

Die Großelternaktion und auch die schön gestalteten Werbeplakate für die Arbeit als Tagesmutter sind Verzweiflungstaten des Ministeriums, um vom akuten Kitanotstand abzulenken. Beide Maßnahmen werden im positivsten Fall einen Tropfen auf den heißen Stein sein. Das Grundproblem ist nach wie vor die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Kitas sind rar, Erzieher verdienen erschreckend wenig und sollen Wunder bewirken, Arbeitgeber ignorieren Bedürfnisse von Eltern. Jeder Kampf um flexible Arbeitszeiten bei verantwortungsvollen Tätigkeiten ist ein einsamer Kampf.

Die entscheidenden Jahre für die berufliche Entwicklung sind die Jahre zwischen 30 und 40. Parallel passieren zuhause andere entscheidende Dinge: das erste Lächeln, der erste Zahn, die erste Beule. Wer all das in vollen Zügen erleben will, braucht starke Nerven und viel Unterstützung. Großeltern vor Ort sind dabei einfach ein Glück und keine politische Maßnahme.

Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke, Wortführer der Studentenbewegung in den 60er-Jahren. Er ist in Elternzeit und lebt in Berlin.


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  • 10.11.2012, 06:34 Uhrcoachoutlettt

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  • 06.11.2012, 11:35 UhrAddi

    In Deutschland wird, bedauerlicherweise, seit Jahrzehnten eine kinderfeindliche Familienpolitik betrieben. Vielen Dank fuer Ihren interessanten Beitrag dazu, Herr Dutschke. Ich wohne seit 32 Jahren in Frankreich und hatte das Glück unsere drei Kinder hier aufwachsen zu lassen. Ich habe IMMER gearbeitet, habe mich nie als Rabenmutter gefühlt, und unsere drei Kinder, heute erwachsene junge Menschen, haben alle drei studiert und sind in guten Jobs. Mit heute 61 Jahren arbeite ich immer noch in der Vermögensverwaltung und hätte somit theoretisch noch gar keine Zeit "berufsmässig" auf eventuelle Enkel aufzupassen. Dieses Zusammensein von Kindern und Grosseltern soll doch auch ein Moment der Freude und der Nestwärme sein, keine bezahlte Pflichtübung. Den deutschen Politikern fällt seit 30 Jahren nichts ein, damit die deutschen Mütter wieder "ohne Subventionen" Nachwuchs bekommen. Irgendwas ist faul an der ganzen Sache. Deutschland wird hier in Frankreich stets als Vorbild hingestellt, als Vorreiter für wirtschaftlichen Erfolg. In Punkto Familienpolitik sollte man aber vielleicht mal seinerseits über die Grenzen zum Nachbarn schauen, um zu sehen was da gut läuft. Schade diese Kurzsichtigkeit. In einigen Jahrzehnten, man spricht bereits vom Jahr 2030, wird Frankreich, von der Einwohnerzahl her, vor Deutschland liegen. Man frage sich mal warum. Also worauf wartet Deutschland, um das Ruder rumzureissen ? Wollen wir wirklich keine Kinder und keine Jugend mehr in Deutschland ? Nur noch alte Menschen, die man dann auch noch, aus Kostengruenden, ins billigere Ausland gen Osten, oder sogar nach Thailand, "abschiebt"....eine Schande !

  • 07.10.2012, 16:55 Uhrgünther schemutat

    Das Problem der Kinderlosigkeit ist in diesem Staat lange verleugnet worden und nun versucht man mit Elterngeld,OMA und OPA Sitter gegen zu steuern. Eine Gesellschaft die ausstirbt in 5-10 Jahrzehnten kann man nicht mehr stoppen.Am Ende werden Immigranten die freien Plätze besetzen und was dann passiert, weis vermutlich jeder der die heutigen Probleme kennt. Was immer gefehlt hat waren starke Aussagen für Kinder durch Politiker und keine monetären Ankäufe. Nicht nur der Islam ist ein Teil Deutschland laut Merkel und Wulff Kinder sollten es sein und das sollte mal betont werden.

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