Dutschke spricht: Im Großen wie im Kleinen

Dutschke spricht
Im Großen wie im Kleinen

Der Bau des neuen Berliner Flughafens wird zur unendlichen Geschichte – auch für den Steuerzahler. Marek Dutschke kommt das bekannt vor, denn eine Kostenexplosion gehört bei Großprojekten heutzutage fast zum guten Ton.
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Diese Woche ist viel über die Probleme beim Berliner Flughafen geschrieben worden. Es erinnert mich sehr stark an ein Megabauprojekt in meiner Heimatstadt Boston. Das so genannte Big Dig war der teuerste Autobahnbau in der Geschichte der USA. Es ging darum, die Autobahn, die durch die Innenstadt verlief, unterirdisch zu verlegen. Eine sehr sinnvolle Idee, denn die Verkehrslage in der Stadt wurde im Lauf der achtziger Jahre immer schlimmer. Es wurde prognostiziert, dass bis 2010 ohne dieses Bauprojekt 16 Stunden Stau täglich zustande kommen würden. Der erste Spatenstich fand 1991 statt. Sieben Jahre später sollte die Autobahn unter der Erde eröffnet werden. Die Kosten wurden auf 2,8 Milliarden Dollar beziffert. Letztlich hat es sechzehn Jahre gedauert, das Bauvorhaben zu Ende zu bringen. Im letzten Sommer legte das Verkehrsministerium von Massachusetts die endgültigen Kosten offen: unglaubliche 24 Milliarden Dollar!

Wie kann man sich nur so sehr verkalkulieren? Sind Politiker generell unfähig, große Bauprojekte zu planen oder lassen sie sich wissentlich über den Tisch ziehen, weil sie davon ausgehen, dass sie bei später auftretenden Problemen schon lange nicht mehr im Amt sind? Die massiv längeren Bauzeiten und die explodierenden Kosten führen jedenfalls nie zu mehr Sorgfalt und steigender Qualität. Beim Bauvorhaben Big Dig wurden bereits 2004 über tausend Risse im Beton entdeckt, über die Grundwasser in den Tunnel eindrang. Anscheinend war der Beton mangelhaft zubereitet worden und gar nicht an die stark salzhaltige Zusammensetzung der Bodenumgebung angepasst. Die Probleme waren bekannt, trotzdem wurde nur unzureichend nachgebessert. 2006 stürzte dann ein Stück Betondecke herab und tötete eine Frau im Tunnel. Ursache war die Verwendung eines falschen Isoliermittels. Der Hersteller zahlte dann schleunigst einige Millionen an die Familie (6) und weitere an den Staat (16), um der Anklage wegen fahrlässiger Tötung zu entgehen. Große Bauaufträge sichert er sich natürlich weiterhin. Ein Skandal.

Überall auf der Welt gibt es ähnliche Beispiele. Am Anfang stehen immer die schönen Bilder mit lachenden Politikern beim Spatenstich, flankiert mit markigen Aussagen über die Wichtigkeit des Projekts für die ganze Region. Danach gibt es nur noch negative Schlagzeilen. In einigen, tragischen Fällen gibt es Verletzte und Tote. In Deutschland sind wir gerade mittendrin in der Diskussion über diese Skandale.

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