Dutschke spricht
Kasinos in der Krise

Zwei der größten Kasinos der USA stehen nach der Finanzkrise vor dem Aus. Die Angst der Betreiber - zwei Indianerstämme - vor einer Enteignung ist groß. Der weiße Mann könnte hier zu seiner historischen Schuld stehen.
  • 3

Wer etwas Zeit im Nordosten der USA verbracht hat, wird vielleicht das eine oder andere Mal mit dem Auto zwischen Boston und New York unterwegs gewesen sein. Entlang dieser Strecke begegnet Autofahrern relativ viel Werbung für zwei Spielkasinos. Das Foxwoods und das Mohegan Sun Kasino sind nur zehn Meilen voneinander entfernt. Beide liegen im Bundesstaat Connecticut und sind Herzstücken zweier Indianderreservate. Eigentümer und Betreiber sind der Mashantucket Pequot und der Mohegan Stamm. Friedliche Nachbarn waren diese beiden Stämme noch nie. Jetzt konkurrieren sie, um die schwindende Zahl von Zocken in ihre Spielhöllen zu locken.

Vor fast genau 375 Jahren standen sie sich als Kriegsgegner gegenüber. Die Mohegan unterstützten die englischen Milizen. Am 26. Mai 1637 legten sie das Dorf Misistuck vom Stamm der Pequot in Schutt und Asche. Im sogenannten „Mystic Massaker“ kam ein Viertel des Stammes um. Etwa ein Jahr später mussten die Pequot gänzlich kapitulieren. Die Überlebenden flüchteten oder wurden als Sklaven in die Karibik verfrachtet, um auf Zuckerplantagen zu schuften. Lediglich eine Handvoll Pequot hat den Krieg mit den Briten und den Mohegan in deren Stammland überlebt.

Für die Indianerreservate war die Errichtung von Spielkasinos Anfang der neunziger Jahre eine Goldgrube. Reservate sind eigenständige Hoheitsgebiete und damit nicht an Glücksspielverbote in einzelnen Bundesstaaten gebunden. Die Amis strömten nur zu gern in die Indianerkasinos. Aus den armseligen und heruntergekommenen Reservaten wurden kapitalstarke Boomgegenden. Die Pequot bauten prächtige Wohnanlagen, ein Krankenhaus, diverse Sportstätten und sogar ein 225 Millionen Dollar teures Museum über die Stammesgeschichte. Das Geld floss nur so rein. Die Pequot zahlten allen volljährigen Stammesmitgliedern eine jährliche Dividende von 100.000 Dollar.

Kommentare zu " Dutschke spricht: Kasinos in der Krise"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Was will mir das sagen? Feuerwasser und Spielhölle, mehr geht nicht bei Indianern und das soll man jetzt tolerieren? Der Artikel ist falsch aufgezogen, Hr. Dutschke. Man hätte lieber die heute immer noch anhaltende Ausgrenzung der Indianer zum Thema machen sollen, die nur die Besetzung von Rand-Wirtschaften möglich macht, wie z.B. Kasinos und sonstigen Müll, insbesonder Atommüllendlager.

  • dutschke junior is doch nich links,eher das handelsblatt und seine neoliberale tröter,die ihm eine mitleidskolumne spendieren

    man sollte naiv naiv nennen dürfen.

    je weniger spielhöllen existieren um so besser

    ganz wenig gewinnern stehen milliarden verlierer gegenüber.

    die amis sollten mal ihren genozid glaubwürdig aufarbeiten,dann kann ein schmock wie dutschke mit
    wichtigem seine zeilen füllen

  • "Die historische Schuld des weißen Mannes sollte nun auch eine wirtschaftliche Milde mit sich bringen."

    Aha, Deutschlands Linke hat ein neues Exportgut ermittelt, sie möchte den deutschen Schuldkomplex nach Amerika exportieren. Viel Erfolg dabei.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%