Dutschke spricht
König Fußball und das liebe Geld

Es ist nicht nur die europäische Währung die zurzeit in einer Krise steckt, sondern auch der europäische Fußball. 
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Der Saisonauftakt in Spanien und Italien wurde wegen streikender Fußballer, die keinen Gehalt bekommen haben, verschoben. Neue Wettskandale in Schottland und Italien deuten auf massive Manipulationen hin. Laut einem Bericht der UEFA machen die Hälfte aller europäischen Vereine große Verluste – teilweise in mehrstelligen Millionenbeträgen. 

Darüber hinaus hat letzte Woche das „Murphy Urteil“  des  Europäischen Gerichtshofs die Krise noch weiter verschärft. In Deutschland kann nun also Fußball über ein eher preiswerten – sagen wir einmal griechischen – Anbieter geschaut werden. Die heimischen Fußballfans können sich freuen: Die Preisschlacht hat begonnen. Für einige europäische Ligen ist das Urteil allerdings eine finanzielle Hiobsbotschaft.  

All diese Probleme drehen sich ums Geld. Die Fußballligen in Europa sind überraschend unreguliert, was zu enormen Ungleichheiten zwischen Vereinen und Ligen führt. In England und Spanien, den stärksten Ligen der Welt, sind es immer dieselben  Mannschaften, die vorne stehen. Manchester United, Real Madrid, Chelsea und FC Barcelona reichen sich die nationalen und europäischen  Trophäen nur unter einander weiter.

In diesem „Wettbewerb“ der Superreichen kann kaum eine andere Mannschaft mithalten. Vereine müssen sich zunehmend finanziell ruinieren, um Stars mit galaktischen Gehältern anlocken zu können. Zwar ist die Lage in Deutschland nicht so dramatisch, aber auch hierzulande brauchen die Mannschaften Unterstützung von großen Konzernen, um mitzuhalten. Leverkusen (Bayer), Wolfsburg (VW), Hoffenheim (SAP), Schalke (Gazprom) wären ohne das Geld dieser Unternehmen gar nicht in der Lage, mit Bayern München mitzuhalten. Einen ersten Lösungsansatz hat die UEFA bereits gewagt, indem sie beschlossen hat, dass Vereine ab Sommer 2013 nur noch so viel Geld ausgeben dürfen, wie sie einnehmen. 

Eine richtige Lösung für das Problem ist das allerdings nicht. Ein Alternativmodell existiert in der amerikanischen National Football League (NFL). Überraschenderweise gibt es dort umfassende Regelungen, die das freie Spiel des Marktes regulieren und einen Ausgleich zwischen Vereinen herstellen. Wer hätte das gedacht!

In der NFL werden  70 Prozent des Gesamtumsatzes, sprich drei Milliarden Dollar, auf alle Vereine gleichermaßen verteilt. Dieses Geld (Fernseh- und Radiorechte, Merchandising, Liga Sponsoren und Teile der Kartenverkäuf) lässt jeden Verein die Saison auf gleicher Höhe beginnen: mit ungefähr 100 Millionen Dollar. Darüber hinaus gibt es zwischen der Spielergewerkschaft und den Vereinsbesitzern einen Vertrag (das  „Collective Bargaining Agreement“), worin eine Ausgabenbegrenzung für Spielergehälter festgesetzt ist. Im Klartext heißt es, dass jeder Verein maximal 85 Millionen Dollar im Jahr für seine Spieler ausgeben darf.

Ausgabenbegrenzungen und wirtschaftliche Umverteilung stellen eine andauernde Konkurrenzfähigkeit in der NFL sicher. In Europa muss eine ähnliche Entwicklung stattfinden. Die Gehälter sollten nach oben gedeckelt werden, und nach unten muss es einen gerechten Mindestlohn geben. Die Umverteilung sollte auch nicht nur innerhalb einer Liga stattfinden, sondern auch zwischen verschiedenen nationalen Ligen in Europa.

So könnte auch in der Champions League und der Europe League ein neue Wettbewerbsfähigkeit hergestellt. Für uns Zuschauer wird es dann wieder spannender.  

Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke, Wortführer der Studentenbewegung in den 60er-Jahren. Zuletzt war Marek Dutschke an der Hertie School of Governance und am John F. Kennedy Institut der Freien Universität Berlin tätig.

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