Dutschke spricht

Mehr Banker in den Knast!

Die Schuldigen der Finanzkrise gehören hinter Schloss und Riegel. Doch was passiert? Manchmal werden die Banker sogar als Experten zu Rate gezogen. Anderswo greift man rigoros durch.
21 Kommentare
Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Am Mittwoch hat die Staatsanwaltschaft Kiel Razzien beim ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, durchgeführt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits gegen Nonnenmacher wegen Untreue und nun sind neue Anschuldigungen im Rahmen seiner Finanzaktivitäten für die Bank dazugekommen. Ich kann diesen Schritt nur begrüßen, denn die Schuldigen der Bankenkrise gehören hinter Schloss und Riegel. Bis heute kann ich nicht verstehen, wie Banker auf der ganzen Welt entweder mit goldenen Fallschirmen davon gekommen sind! In einigen absurden Fällen wurden sie sogar als besonders kompetente Experten eingespannt, um die Finanzkrise zu meistern.

Daher muss ich meine Bewunderung für die isländische Justiz kundtun. Die Isländer haben konsequent im Bankensektor ihres Landes durchgegriffen. Anfang 2009, keine sechs Monate nachdem ihre Banken Pleite gegangen waren, wurde eine Sonderermittlungseinheit gegründet, um kriminelle Aktivitäten der Geldinstitute zu untersuchen. Es haben zwar sich nur wenige Personen für den Posten des Chefermittlers beworben, aber der Polizeichef aus dem kleinen Örtchen Akranes, Ólafur Hauksson, erwies sich als Glücksgriff.

Die Einheit umfasste anfangs nur fünf Personen, aber durch Haukssons engagierten Einsatz sind die Aktivitäten derart angewachsen, dass inzwischen über 100 Mitarbeiter in der Behörde beschäftigt sind. Im Februar konnten sie ihren ersten großen Erfolg feiern, als der beamtete Staatssekretär im Finanzministerium, Baldur Guðlaugsson, zu zwei Jahren Haft wegen Insider Trading verurteilt worden ist. Im Juni folgte der zweite Streich als sowohl der CEO und der Vorstandsvorsitzender der Byr Bank zu viereinhalb Jahren wegen Betrugs verurteilt worden waren. Beiden wurde nachgewiesen, dass sie kurz vor dem Bankenbankrott noch schnell einer Firma einen Kredit über sechs Millionen Euro gewährt hatten, damit diese Firma ihnen die eigenen Byr Bank Aktien abkaufen konnte.

Die Byr Bank war ein kleiner Fisch in der isländischen Finanzwelt, aber auch beim einstigen Branchenprimus Kaupthing zeigte die Sonderermittlungseinheit keine Zurückhaltung. Als die Ermittlungen gegen die Führung von Kaupthing wegen Scheingeschäften, Verletzung der Börsenregeln und Manipulation von Bilanzzahlen 2010 aufgenommen wurden, steckten Haukssons Beamte die Banker kurzerhand eine Woche lang ins Gefängnis gesteckt, um sie in Ruhe verhören zu können. Der ehemalige CEO von Kaupthing, Hreiðar Már Sigurðsson, weigerte sich, zum Verhör zu erscheinen und wurde daraufhin von den Ermittlern auf die Interpol-Liste der gesuchten Personen gesetzt. Seinen Wohnsitz London konnte er dann gar nicht mehr verlassen. Einige Monate später meldete er sich dann freiwillig und reiste nach Island. Der Chef der Sonderermittler gibt an, dass aktuell noch über 70 Strafverfahren anhängig sind – viele mit Aussicht auf Erfolg.

Bei der beherzten und rigorosen Verfolgung der Verantwortlichen in Island bleibt mir der Atem stehen so ehrfürchtig bin ich. Genau so sollten skrupellose Banker behandelt werden. In Deutschland dreht sich die Debatte lediglich um Rechtmäßigkeit von Abfindungen in großer Millionenhöhe. Hier streiten die Banker jegliche moralische Verantwortung ab und preisen ihre Rendite. Das ist schon absurd genug. Aber wo ist eigentlich die Diskussion um die rechtliche Verantwortung? Wann muss ein Nonnenmacher denn in Untersuchungshaft? Banker müssen haftbar gemacht werden für illegale und waghalsige Geschäfte besonders wenn es sich um Landesbanken mit eng umgrenztem Auftrag handelt. Island ist für mich ein Vorbild in diesem Kampf. Hoffentlich nehmen sich auch andere Länder ein Beispiel daran.

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Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke, Wortführer der Studentenbewegung in den 60er-Jahren. Er ist an der Hertie School of Governance beschäftigt und lebt in Berlin.

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21 Kommentare zu "Dutschke spricht: Mehr Banker in den Knast!"

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  • Die Schuldigen in den Knast!
    Das ist längst überfällig.
    Solange unsere Justiz mit zweierlei Maß handelt, solange kann keiner mehr Vertrauen in unseren Rechsstaat und die Justiz haben.das ganze Staatswesen ist faul. Jeder und jede Abteilung unserer Sog. gewaltenteilung handelt nur noch zum Selbstzweck, zum Machterhalt oder steht zu deren Diensten.
    Nach dem Motto, der Hehler ist so schlecht wie der Stehler, gehört alles und alle, die damit zu tun habe unter die lupe genommen. Solangee jeder jeden straffrei belügen und betrügen kann, kann man nicht mehr von einem Rechsstaat sprechen.
    Ich glaube schon lange nicht mehr An das Recht vor gericht, an das Recht im Staat, an die Verpflichtung der Herrschenden für das Gemeinwohl. Keiner folgt mehr seinem Gewissen, jeder schielt nur nach der Gunst und dem Machterhalt. Sie wissen um die kriminellen Machenschaften, sie decken und verschleiern sie alle, sie helfen sogr dabei. Wer nicht spurt , der fliegt, wird weggeräumt, oder weggelobt, je nach Bedarf.
    Alles Hehler!

  • Mehr Banker in den Knast!
    Das ist nur die halbe Wahrheit - richtig rund läuft es erst, wenn deren Handlanger, die schuldensüchtigen und daher bankenschützenden Politiker, mit hinter Gitter wandern.

  • "Nicht die Banken sind das Problem und nicht die Banken haben die Krise verursacht in den USA. Es war eine hausgemachte Staatskrise"

    und das immer noch zu kurz gegriffen ...

    Die eigentliche Ursache, weshalb diese "Ponzi-Scheme-Politik" (System-Archetyp der Problemverschiebung) liegt noch tiefer im System begraben.

    Auch die "Limits to growth" und der "Success to the successful" kommen der Problematik zwar näher, sind aber noch nicht die Ursache für den Archetyp der Eskalation und die Keimzelle des Übels.

    Also: was ist der Kern des Problems, was ist die eigentliche Ursache der sytemischen Misere?


    - Richtig ...

  • Natürlich sollten Banker, die kriminell gehandelt haben hinter Schloss und Riegel - genau wie jeder andere Verbrecher. Nur ist dies in Deutschland das geringere Problem. Fälle wie die HSH Nordbank sind die Ausnahme. Die Probleme in Deutschland liegen eher bei eklatanten Fehlentscheidungen. Grobe Managementfehler wie bei der HRE, Commerzbank und den lausig geführten Landesbanken haben diese Institute in den Ruin getrieben und den deutschen Steuerzahler Milliarden gekostet. Dafür sollten diese Manager allerdings auch in Haftung genommen werden und nicht mit goldenen Fallschirmen in Mallorca oder anderswo abgesetzt werden.

  • Da kann ich Ihnen nur zustimmen. "Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht" hat wenig mit Analyse zu tun, sondern ist wohl eher in einer Ecke des Handlesblatts, der "HandelsTAZ", entstanden. Die politischen und insbesondere (lenkungs-)steuerlichen Ursachen des ganzen Schlamassels,die bis in die Zeit der Geburtstunde von Herrn Dutschke zurückreichen, sind offensichtlich nicht bekannt, sonst könnte man so etwas nicht schreiben.

  • @ EinGuterFreund- Was soll denn dann die "gedankliche Bereicherung" mit irgendwelchen Behauptungen, die doch keiner nachprüfen kann? Bei sowas sollte man so hinhören, wie man "Bild der Frau" oder "Das Goldene Blatt" lesen sollte, um sich weiterzubilden. Aber das wissen Sie sicher selbst.

  • Absolut richtig. Was mache ich mit einer komplexen und differenzierten Realität, die ich nicht mehr verstehe?

    Ich verkürze sie....

    Nochmal zum Mitschreiben für alle diejenigen, die nur die Kurzzusammenhänge erkennen:
    Nicht die Banken sind das Problem und nicht die Banken haben die Krise verursacht in den USA. Es war eine hausgemachte Staatskrise: Wer hat die Savings and Loans in der Hausbesitzerdemokratie nach dem 2 WK geschaffen? Wer hat zur Finanzierung des Vietnamkriegs die Dollarinflation bei gleichzeitiger Festschreibung der Hauskreditzinsen festgelegt? Wer hat Anfang der 80er Jahre als die Savings und Loans deswegen pleite waren denen erlaubt Kreditkarten auszugeben? (Damals hat man als Investmentbanker keine 40000 Dollar im Jahr verdient) Wer hat die Politik des Gelddruckens solange fortgeführt, dass eine Blase am Immobilienmarkt in den USA entstehen konnte?
    Es war der Staat, der sich diese Krise über Jahrzehnte selbst gebacken hat und das dicke Ende kommt noch, da es genauso weitergeht. Staatsfinanzierung über die Zentralbank ist jetzt ja auch in Europa en vouque. Wer hier nur auf einzelne Verbrecher in der Bankenbranche guckt, übersieht die grossen Zusammenhänge! Und in jeder Branche gibts Kriminelle: Stichwort Ärtzepfusch, Stichwort Juristenabzocke, Stichwort Pharmaindustrie und und und....

    Es gibt genug Banker da draussen ohne die unser Leben in Saus und Braus gar nicht möglich wäre und die einen sehr guteh Job machen! Und das ist sicherlich die überwältigende Mehrheit. Und nochwas:
    Bitte nicht die USA und die BRD in einen Topf schmeissen!

  • Lieber Herr Dutschke,

    Sie verstehen das nicht: Wenn ein Straßenräuber einer alten Dame die Handtasche raubt, ist das natürlich ein Verbrechen. Wenn ein Banker mittelbar der alten Dame und anderen Beteiligten "absolut sichere" Derivate z.B. auf ganz sichere Immobilienanlagen (z.B. eine hochbewertete Hundehütte in Alabama) verkauft, dann ist er ein Opfer ungünstiger Umstände, wenn das Derivat notleidend wird (und die alte Dame ihre Ersparnisse oder der Steuerzahler einfach nur seine Steuern verliert). Damit das auch jeder Entscheidungsträger versteht, gibt es hochbezahlte Vorträge (nicht für Sie oder mich - wir sind ja keine Entscheidungsträger), in denen die hochkomplizierten Zusammenhänge, die auf jeden Fall dazu führen, dass keiner Schuld war, außerordentlich überzeugend dargestellt werden.

    Sogenannte "Keynote"-Speaker aus Harvard usw., die uns auch in deutschen Zeitungen immer wieder mit Beiträgen überschütten, die darlegen, warum wir Deutschen - natürlich in unserem eigenen Interesse - für die Rettung des Euro und der Banken zahlen müssen, erhalten pro Vortrag leicht 100.000 US$. Bekannte deutsche Politiker sind (noch) preiswerter zu haben, wie wir aus jüngsten Ereignissen wissen.

    Für manche Parlamentarier braucht man auch diese Vortragshonorare nicht - die verstehen das eigentlich simple Geschehen sowieso nicht (brauchen sie ja auch nicht, da sie, wenn sie brav tun, was ihre Fraktionschefs sagen, für den Rest ihres Lebens ohnehin ausgesorgt haben).

    Und in diesem wunderschönen byzantinischen System wollen Sie wirklich die Bankster hinter Schloss und Riegel bringen? Seien Sie froh, dass Sie so etwas überhaupt noch fordern dürfen - mal sehen wie lange das noch geht - Sie schädigen doch den (besonders ehrenwerten) Teil der Gesellschaft!

  • Richter, Bänker, Staatsanwälte, politiker stecken alle unter einer Decke und sind käuflich.

    Die größte Verbrecher saßen zu oft wieder in den höchsten positionen.

    Siehe Nazis, SED, etc.

    Verbrechen scheint sich doch zu lohnen, also müssen wir jetzt alle wieder verbrecher werden, damit wir nicht in Altersarmut abrutschen?

  • Ich will Anshu Jain nicht verteidigen. Das muss er selber machen. Falsch ist aber ihm die fast Pleite der IKB in die Schuhe zu schieben oder ihn auch nur teilweise dafür verantwortlich zu machen.
    Wenn Banker untereinander Geschäfte machen, dann setze ich voraus, dass die auf Augenhöhe mit einander verhandeln, über das gleiche Wissen und Können verfügen. Und damit liegt der Schwarze Peter bei der IKB.
    Doe Finanzkrise und die Lehman-Pleite haben ihre Ursache im Immobiliengeschäften. Der Grundstein für die Immobilienblase wurde aber von keinem anderen als dem Gutmenschen Jimmy Carter gelegt. Und die Entwicklung bei den spanischen Banken, keine von denen war im Investmentbusiness, geschweige denn im Internationalen Investmenbanking tätig. Die spanischen Banken kamen durch Immobilienfinanzierungen in Schieflage.

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