Dutschke spricht
Sozialdarwinismus ist im Kommen

In Deutschland ist der Sozialdarwinismus im Kommen. Mit der Diskussion um das Betreuungsgeld geht diese Art der Politik in die nächste Runde. Ein Kind, dessen Eltern arbeiten, ist mehr wert als eines von Arbeitslosen.
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Im amerikanischen Wahlkampf hat Präsident Barack Obama den Republikanern „thinly veiled social darwinism“ vorgeworfen, da sie einen Haushaltsentwurf vorgelegt haben, der gerade bei den Sozialleistungen größere Streichungen einplant. Beispielsweise sollen durch die Kürzung von Lebensmittelgutscheinen für Bedürftige in den nächsten zehn Jahren über 33 Milliarden eingespart werden. Obamas vermutlicher Herausforderer, Mitt Romney, hat im Jahr 2011 nur 15 Prozent Steuern auf sein jährliches Einkommen von über zwölf Millionen Dollar bezahlt.

Dies ist in den USA durch verschiedene legale Steuertricks möglich. Je mehr Einkommen man hat, desto größer sind die Möglichkeiten zur Steuerersparnis. Die Logik der Republikaner ist erstaunlich einfach: Der Staat ist klamm und man spart am besten bei denen, die mir am wenigsten nützen und sich am wenigsten beschweren. Arme Familien, die sowieso schon die Hauptleidtragenden der aktuellen Wirtschaftskrise sind, würden von den Republikanern einfach abgeschrieben. Das ist Sozialdarwinismus pur.

Auch in Deutschland ist der Sozialdarwinismus immer mehr im Kommen. Als 2007 das Elterngeld eingeführt wurde, war das explizit als Geburtenanreiz für Akademiker gedacht. Damit sollte im Beruf stehenden Akademikerinnen die Möglichkeit gegeben werden, ohne größere finanzielle Einbußen ein Jahr Pause zu nehmen, um sich um das neugeborene Kind zu kümmern.

Auch für Akademikerväter sollte mit dem Elterngeld ein Anreiz geschaffen werden, wenigstens ein oder zwei Monate zu Hause zu bleiben.  Der Erfolg dieser Maßnahme ist bis heute umstritten. Es gibt zwar im Schnitt ein paar mehr Kinder, aber ob die nun von Akademikerinnen stammen, ist nicht bewiesen. Wie dem auch sei, das Elterngeld stand bis 2010 jedem zu.

Seit 2011 ist Schluss mit dieser Gleichbehandlung. Empfängern von Arbeitslosengeld II wurde das erhaltene Elterngeld auf den Regelsatz angerechnet, und damit hatten sie nichts mehr davon. Wie rechtfertigt die Politik diese Ungerechtigkeit? Warum bekommen berufstätige Eltern Förderung, um für ihr Baby zu sorgen, arbeitslose Eltern hingegen nicht?

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100 Euro bar für bayerische Mütter

Kommentare zu " Dutschke spricht: Sozialdarwinismus ist im Kommen"

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  • Bin entsetzt, im "Handelsblatt" so einen dummen Artikel zu lesen. Warum wurde er ueberhaupt veroeffentlicht? Weil der Autor einen prominenten Namen geerbt (!) hat? Hallo, Gerechtigkeit! Das intellektuelle NIveau liegt unterhalb des Sozialkundeunterrichts an einer integrierten Gesamtschule. Und dieser Mensch scheint an der Hertie School of Governance zu unterrichten - habe ich das richtig verstanden? Armes Deutschland.

  • Ich habe mir den Aufsatz von Heinsohn durchgelesen. Er sollte Pflichtlektüre für alle Sozialpolitiker sein. Die dort aufgeworfenen Fragestellungen müssen geprüft werden und in die Entscheidungen mit einbezogen werden. Toller Hinweis! Vielen Dank dafür.

  • Herr Dutscke ist ein Gleichstellungsfanatiker, der es geren denen nimmt, die es erwirtschaften, und denen gibt, die es nicht erwirtschaften. Es gibt aber einen großen Unterschied zwischen Gleichberechtigung und Gleichstellung. Gleicberechtigung ist gerecht, Gleichstellung ungerecht. Es muss eine GRUNDSICHERUNG für Arbeitslose geben. Mehr aber nicht.

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