Dutschke spricht
Steinbrück muss endlich seine Themen finden

Schwarz-gelb ist es nicht gelungen, große gesellschaftspolitische Reformen auf den Weg zu bringen. Hier könnte der sozialdemokratische Superstar Steinbrück punkten – wenn er seine eigenen Themen setzen kann.
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Landtagswahlen in Niedersachsen, Bayern, Hessen und natürlich die Bundestagswahl – in Deutschland ist nun wieder Superwahljahr. Nach den Weihnachtsgeschenken der Koalition an die Bürger – über die sich Wolfgang Schäuble bestimmt nicht freute – ist nun nicht mehr mit ernsthafter Politik in diesem Jahr zu rechnen. Was für eine Verschwendung.

Wieder einmal ist es der Regierung nicht gelungen, große gesellschaftspolitische Reformen auf den Weg zu bringen. Für den neuen sozialdemokratischen Superstar Steinbrück bieten sich also viele Angriffsflächen. Er müsste sich nur entscheiden und eigene Positionen entwickeln. Beim Krönungsparteitag der SPD ist ihm das wunderbar gelungen – nur dass keiner zugesehen hat. Seitdem ist er in der Öffentlichkeit mit unsäglich blödsinnigen Äußerungen aufgefallen. Unglaublich stümperhaft wirken seine Äußerungen über das Kanzlergehalt. Dazu hätte er sich niemals zitieren lassen oder antworten müssen: Der Amt des Bundeskanzlers ist eine große Ehre, es geht nicht um die Bezahlung – Punkt. Jetzt muss er schleunigst aufpassen, nicht als „Steinbrück, der Geldgierige“ abgestempelt zu werden. Wenn es nicht schon zu spät ist.

Alle Prognosen sagen schon jetzt, dass die Chancen für Rot-grün nicht gut sind. Infratest dimap sieht die SPD unter 30 und die Grünen bei 12 Prozent. Die CDU ist stabil und wird sicherlich stärkste Kraft werden. Der einzige Silberstreif am Horizont ist die Schwäche der kleinen Parteien. FDP, Linke und Piraten verlieren in der Wählergunst und geraten in Gefahr, nicht ins Parlament zu kommen. Diese Stimmen könnten im besten Fall zum rot-grünen Lager wechseln. Wahrscheinlich wird es trotzdem nicht reichen, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Es wird spannend für Deutschland. Steinbrück möchte den knallharten Richtungswahlkampf führen und das ist auch richtig so. 2009 habe ich so einen Wahlkampf schmerzlich vermisst. Die großen Themen entscheiden maßgeblich, in welche Richtung sich Deutschland zukünftig bewegen wird. Vollbeschäftigung zum Preis der prekären Verhältnisse, Gesundheitsvorsorge als Zweiklassenmedizin, Steuerpolitik zugunsten der Unternehmen und Wohlhabenden oder staatliche Ausgabenpolitik finanziert durch Staatsverschuldung sind heiße Eisen, denen Steinbrück nun nicht nur rhetorisch sondern endlich auch politisch kontern muss.

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Merkels Bilanz-Wahlkampf

Kommentare zu " Dutschke spricht: Steinbrück muss endlich seine Themen finden"

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  • @Henry: Sei sollten bei Ihrem nächsten Italien-Urlaub den Unterschied zwischen einem ristorante, pizzeria, osteria und trattoria ausprobieren. Dann bauen sich hoffentlich ein paar Vorurteile ab und sie lernen köstliche, gesunde mediterrane Küche endlich kennen. Ihre Pizzeria um die Ecke, ist nicht der Maßstab!

  • Steinbrück muss endlich seine Themen finden.

    Hat er doch schon..seine achtzig bezahlten Vorträge
    werden ja nicht ganz ohne Inhalt gewesen sein..
    oder etwa doch?
    Letztendlich,nutzt ein Thema,welches sich in endlosen
    Tiraden dahinzieht und nicht umsetzbar ist,auch keinem.
    Ihre Hoffnung Dutschke auf die SPD,während sie gleichzeitig die Grausamkeiten aufzählen,die eben von
    jene eingeführt wurden,widersprechen sich.
    Erst wenn ein Schuldeingeständnis am deutschem Volk
    unserer Politikversager auf dem Tisch liegt,das dieses
    Volk unmündig gehalten und somit jede Scharte
    der Politik ungefragt ausmerzen muß,erst dann werde ich
    wieder Vertrauen haben.Aber nur,wenn dem Reden auch
    Taten folgen..und zwar sicht und fühlbare für dieses
    Land,für die Alten,den Kindern,den Löhnen,der Gesundheitsreform,dem Mittelstand,der Sicherheit.
    Innerdeutsch aber,wie sie von Steinbrück fordern,
    kann kaum noch einer und traut sich auch keiner.
    Schon garnicht mit den Grünen im Gepäck..

  • Die Aufgabe der Medien besteht nicht darin, Parteien das Überleben zu sichern, sondern darin, die Programme zu hinterfragen. Und wenn da nur Aldi drinnen ist, wechselt man zum Feinkost-Laden.
    Die Reformiererei war die Ursache für den katastrophischen Dauerzustand. Mehr Reformen, da konnte man genauso einen weiteren Liter Soja-Sauce über den China-Fraß giessen.
    Politisch angesagt ist ein Gesamtpaket, besser, ein EU-Beendigungspaket.

    Im Übrigen schmeckt auch Griechisch, Türkisch, Italienisch alles gleich. Das ist alles nichts gegen ein herzhaftes Bauernfrühstück.

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