Dutschke spricht

Steinbrück muss endlich seine Themen finden

Schwarz-gelb ist es nicht gelungen, große gesellschaftspolitische Reformen auf den Weg zu bringen. Hier könnte der sozialdemokratische Superstar Steinbrück punkten – wenn er seine eigenen Themen setzen kann.
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Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Landtagswahlen in Niedersachsen, Bayern, Hessen und natürlich die Bundestagswahl – in Deutschland ist nun wieder Superwahljahr. Nach den Weihnachtsgeschenken der Koalition an die Bürger – über die sich Wolfgang Schäuble bestimmt nicht freute – ist nun nicht mehr mit ernsthafter Politik in diesem Jahr zu rechnen. Was für eine Verschwendung.

Wieder einmal ist es der Regierung nicht gelungen, große gesellschaftspolitische Reformen auf den Weg zu bringen. Für den neuen sozialdemokratischen Superstar Steinbrück bieten sich also viele Angriffsflächen. Er müsste sich nur entscheiden und eigene Positionen entwickeln. Beim Krönungsparteitag der SPD ist ihm das wunderbar gelungen – nur dass keiner zugesehen hat. Seitdem ist er in der Öffentlichkeit mit unsäglich blödsinnigen Äußerungen aufgefallen. Unglaublich stümperhaft wirken seine Äußerungen über das Kanzlergehalt. Dazu hätte er sich niemals zitieren lassen oder antworten müssen: Der Amt des Bundeskanzlers ist eine große Ehre, es geht nicht um die Bezahlung – Punkt. Jetzt muss er schleunigst aufpassen, nicht als „Steinbrück, der Geldgierige“ abgestempelt zu werden. Wenn es nicht schon zu spät ist.

Alle Prognosen sagen schon jetzt, dass die Chancen für Rot-grün nicht gut sind. Infratest dimap sieht die SPD unter 30 und die Grünen bei 12 Prozent. Die CDU ist stabil und wird sicherlich stärkste Kraft werden. Der einzige Silberstreif am Horizont ist die Schwäche der kleinen Parteien. FDP, Linke und Piraten verlieren in der Wählergunst und geraten in Gefahr, nicht ins Parlament zu kommen. Diese Stimmen könnten im besten Fall zum rot-grünen Lager wechseln. Wahrscheinlich wird es trotzdem nicht reichen, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Es wird spannend für Deutschland. Steinbrück möchte den knallharten Richtungswahlkampf führen und das ist auch richtig so. 2009 habe ich so einen Wahlkampf schmerzlich vermisst. Die großen Themen entscheiden maßgeblich, in welche Richtung sich Deutschland zukünftig bewegen wird. Vollbeschäftigung zum Preis der prekären Verhältnisse, Gesundheitsvorsorge als Zweiklassenmedizin, Steuerpolitik zugunsten der Unternehmen und Wohlhabenden oder staatliche Ausgabenpolitik finanziert durch Staatsverschuldung sind heiße Eisen, denen Steinbrück nun nicht nur rhetorisch sondern endlich auch politisch kontern muss.

Merkels Bilanz-Wahlkampf
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13 Kommentare zu "Dutschke spricht: Steinbrück muss endlich seine Themen finden"

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  • @Henry: Sei sollten bei Ihrem nächsten Italien-Urlaub den Unterschied zwischen einem ristorante, pizzeria, osteria und trattoria ausprobieren. Dann bauen sich hoffentlich ein paar Vorurteile ab und sie lernen köstliche, gesunde mediterrane Küche endlich kennen. Ihre Pizzeria um die Ecke, ist nicht der Maßstab!

  • Steinbrück muss endlich seine Themen finden.

    Hat er doch schon..seine achtzig bezahlten Vorträge
    werden ja nicht ganz ohne Inhalt gewesen sein..
    oder etwa doch?
    Letztendlich,nutzt ein Thema,welches sich in endlosen
    Tiraden dahinzieht und nicht umsetzbar ist,auch keinem.
    Ihre Hoffnung Dutschke auf die SPD,während sie gleichzeitig die Grausamkeiten aufzählen,die eben von
    jene eingeführt wurden,widersprechen sich.
    Erst wenn ein Schuldeingeständnis am deutschem Volk
    unserer Politikversager auf dem Tisch liegt,das dieses
    Volk unmündig gehalten und somit jede Scharte
    der Politik ungefragt ausmerzen muß,erst dann werde ich
    wieder Vertrauen haben.Aber nur,wenn dem Reden auch
    Taten folgen..und zwar sicht und fühlbare für dieses
    Land,für die Alten,den Kindern,den Löhnen,der Gesundheitsreform,dem Mittelstand,der Sicherheit.
    Innerdeutsch aber,wie sie von Steinbrück fordern,
    kann kaum noch einer und traut sich auch keiner.
    Schon garnicht mit den Grünen im Gepäck..

  • Die Aufgabe der Medien besteht nicht darin, Parteien das Überleben zu sichern, sondern darin, die Programme zu hinterfragen. Und wenn da nur Aldi drinnen ist, wechselt man zum Feinkost-Laden.
    Die Reformiererei war die Ursache für den katastrophischen Dauerzustand. Mehr Reformen, da konnte man genauso einen weiteren Liter Soja-Sauce über den China-Fraß giessen.
    Politisch angesagt ist ein Gesamtpaket, besser, ein EU-Beendigungspaket.

    Im Übrigen schmeckt auch Griechisch, Türkisch, Italienisch alles gleich. Das ist alles nichts gegen ein herzhaftes Bauernfrühstück.

  • Das schmeckt alles gleich wegen des Vollbads in Soja-Tunke. Billiger ist, die Flasche direkt an den Hals zu setzen.

  • @gutmenschensucks: Sie haben da sicher Recht. Kluge Wirtschaftspolitik muß auch darin bestehen Industriebranchen zu sichern und sehr sorgfältig austarieren was möglich und was nötig ist. Die Italiener kämpfen gerade einen einsamen Kapf, um ihre Schuh und Textilbranche nicht an die Chinesen zu verlieren. Und wir in Deutschland brauchen bestimmt keine Erdbeeren aus China. Nochwas: wußten Sie daß alle Gerichte bein "Chinesen"als Tiefkühlware aus China kommen? Deswegen schmeckts auch überall gleich; integriertes wirtschaften und faire Wirtschaftspartnerschaft schauen anders aus! Nur wird sich unser Wirtschaftsminister um derartige Lapalien, die in der Summe und ihren Auswikungen gigantisch sind, allerdings kaum kümmern

  • Wenn Sie es schaffen Herr Dutschke, eine Lösung zu finden, damit in Dtld. Waren produziert werden, die bei gleicher Qualität billiger als die asiatischen sind, die Löhne steigen und die Firmen nicht pleite gehen, werde ich Sie als Genie bezeichnen und eine Kanzlerschaft ihrerseits unterstützen. Solange in China die rote Fahne weht, es keine freien Gewerkschaften und Parteien gibt die mehr Rechte für Arbeitnehmer u.a. auch wesentlich höhere Löhne einfordern können, solange wird dort billigst zu Lasten des europäischen Arbeitsmarkts und Löhne produziert.Das ist die bittere Wahrheit. Und die Menschen kaufen nun mal Dinge die bei gleicher Qualität billiger sind.

  • Wie will der Mann seine Themen finden, wenn er nichts anderes kann, als Merkel beim Verteilen von Wahlgeschenken, beim Verteilen von deutschem Vermögen an die Mittelmeerkleptokraten, und beim Steuer-Erhöhen noch zu überholen.

    Deutschland hat Probleme. Die Alterung droht unser Sozialsystem zum Kollaps zu bringen - dagegen sind die jetzigen Probleme mit Minijobs etc. fast schon unbedeutend.

    Es wäre Zeit für unbequeme Wahrheiten: Deutschland muss in die Bildung und die Infrastruktur investieren, um den Anschluss zu behalten und die Mittel für die Versorgung der Alten verdienen zu können. Für Sozialgeschenke auf Pump ist kein Platz. Was soll ein Betreuungsgeld o.ä. auf Pump, das später die Kinder als Schuldenlast erdrückt? Auch die von Herrn Steinbrück noch bejubelte sogenannte Eurorettung (=Reichenrettung) kann sich Deutschland nicht leisten. Hier wird das Geld vernichtet, das für die Sicherung unserer Zukunft gebraucht würde.

    Die Sozialhilfe muss im skandinavischen Sinn (fördern + FORDERN !!) reformiert werden und darf nicht als Hängematte ausgebaut werden. Es ist unerträglich, wenn man vor Supermärkten von gesunden, arbeitsfähigen 25jährigen angebettelt wird. Das große Thema in Deutschland ist nicht die Höhe der Hartz IV Sätze, sondern die Vermeidung und Reduzierung von Hartz IV. Aber wer geht das an??

    Die SPD macht es sich im Sozialsumpf bequem. Die Harz IV Empfänger sind ihre sicherste Wählergruppe (vielleicht abgesehen von Lehrern). Warum soll sie etwas zur Reduktion von Harz IV tun und damit ihre Wählerbasis gefährden? Herr Wowereit zeigt, wie es geht: Je mehr Transferempfänger, umso sicherer das Wahlergebnis auch für total unfähige Politiker!

    Die SPD ist nicht mehr wählbar, da sie nicht das Ziel hat, die sozialen Missstände abzuschaffen, sondern sie nur noch im Interesse der Erhaltung ihrer Wählerbasis perpetuieren und mit Wahlgeschenken durchfüttern will.


  • "Steinbrück möchte den knallharten Richtungswahlkampf führen und das ist auch richtig so."

    Sehr witzig Herr Dutschke,
    Steinbrück ist ein Falschspieler, [...].
    Er ist gemeinsam mit dem Verbrecherregime von GazProm-Gerd massgeblich für die Zustände verantwortlich die er --angeblich-- bekämpfen will.

    Wer diese Politratte wählt darf hinterher nicht behaupten er hätte nichts gewusst. Es ist eine Schande was aus der SPD geworden ist.
    [...].
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Selbstverständlich regt sich bei SPD und Grünen niemand über die neue Rundfunksteuer, geplante Autobahnmaut und weitere Abzocke auf. Nach Ansicht dieser Linksparteien sollte sowieso jeder Bürger das von ihm erwirtschaftete Einkommen am besten komplett an den Staat abdrücken, da der Staat das Geld ja viel besser und gerechter verteilen kann. Der Weg in Richtung DDR 2.0 wird von der DEP (Deutsche Einheitspartei) konsequent weiter verfolgt.
    Und noch was: Dass Steinbrück ein höheres Kanzlergehalt fordert, sollte gerade ein Dutschke doch positiv sehen. Dies zeigt schließlich, dass Steinbrück tatsächlich hinter den Steuerplänen der SPD steht. Er hätte als Kanzler dann ja ein deutlich geringeres Netto-Einkommen als Frau Dr. Merkel. Und anders als z. B. ich kann er seinen Firmensitz ja nicht einfach in ein nicht-EU Land verlegen. Ihn wird man in der CH vermutich auch nicht willkommen heißen.

  • "...Superstar Steinbrück.." Danke, Handelsblatt, das dem Leser und mündigen Bürger mal wieder diktiert wird, wie eine gute und richtige Meinung zu lauten hat....ich denke schon noch selber..und wählen gehe ich auch selber. und wo ich mein Kreuz setze, entscheide auch ich allein. Und wer ein "Superstar" ist und wer nicht, entscheidet auch die Masse der Bürger...Diese Versuche zur geistigen Bevormundung sind bäh.

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