Dutschke spricht
Wahlkampf ad absurdum

Der Präsidentschaftswahlkampf in den USA läuft auch Hochtouren. Auf beiden Seiten wird mit harten Bandagen gekämpft, und es wird nur noch schlimmer. Das Ganze ist mittlerweile zu einem lächerlichen Schauspiel mutiert.
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Als ich an der University of Massachusetts Politikwissenschaft studierte, hat mir ein Professor in einem Kurs erklärt, warum das amerikanische Wahlverfahren so großartig ist. Die Bewerber für das Präsidentenamt müssen in den Vorwahlen nämlich in die hinterletzten Dörfer von Iowa und New Hampshire reisen und dort unermüdlich auf der Straße und auf kleinen Versammlungen die Wähler von sich überzeugen.

Später bei den landesweiten Wahlen müssen sie in den „Swing States“ wie Colorado, Virginia oder Wisconsin punkten und können sich eben nicht nur auf den Gewinn der bevölkerungsstärksten Bundesländer Kalifornien, Texas und New York konzentrieren. Mein Professor sah in dieser föderalistischen Ausrichtung einen wunderbaren urdemokratischen Prozess, der den Pluralismus fördert.  

In der Rückbetrachtung kann ich kaum glauben, wie naiv diese Sicht gewesen ist. Denn anstatt Pluralismus zu fördern, hat es dazu geführt, dass die Stimmenabgabe in einigen wenigen Wahlbezirken ausschlagend dafür ist, ob ein bestimmtes Bundesland republikanisch oder demokratisch wählt. Es kommt nicht von ungefähr, dass der republikanische Innenminister von Ohio versucht hat, jene Wahllokale länger zu öffnen, in die eher republikanische Wähler gehen. In Pennsylvania wurde ein Gesetz verabschiedet, dass vorschreibt, bei der Stimmabgabe einen Ausweis vorzuzeigen.

Dies mag uns aus deutscher Sicht nicht überraschen, in den USA führt dies allerdings zu einer klaren Benachteiligung. Ausweise sind dort keine Pflicht. Besonders ärmere Bevölkerungsteile haben oft keine Ausweispapiere. Einer Schätzung zufolge wird dies bei der Wahl im November über eine halbe Millionen Menschen betreffen, und diese wählen überwiegend demokratisch. Kein Wunder, dass der republikanische Gouverneur dieses Gesetz vorangetrieben hat.

Auf beiden Seiten wird mit harten Bandagen gekämpft, und es wird nur noch schlimmer. Neulich hat doch tatsächlich eine Organisation, die Barack Obama unterstützt, eine Werbung geschaltet, in der angedeutet wurde, dass Mitt Romney für den Tod einer Frau verantwortlich gewesen ist! Es wurde argumentiert, dass seine ehemalige Firma Bain Capital für die Entlassung ihres Ehemanns verantwortlich sei. Dies führte zum Verlust ihrer Krankenversicherung und damit auch der Möglichkeit, die Kosten für die kostspielige Krebsbehandlung zu bezahlen. Dies war ganz offensichtlich pietätlos.

Kommentare zu " Dutschke spricht: Wahlkampf ad absurdum"

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  • @ Grauh11
    Der Vergleich mit dem Zweiparteien-Wahlverein trifft vollkommen zu. Wähler in den USA haben keine Wahl, außer zwischen Mac Donalds und Burger King bzw. Pepsi oder Coca Cola. Das Ergebnis ist mit sofort zu sehen…
    Und die Medien dort sind die „Presstitutes“ par excellence, Cartoon News Network uswc… Während die Mittelschicht schrumpft, Jobs dank Clinton und Gore’s NAFTA verlagert wurden und soziale Programme gekürzt werden fließt das Geld für verlorene Angriffskriege in Afghanistan und Irak (6 billionen USD) …

    Hier einige Beispiel...

    1/ Obama bezeichnet Romney als "Lügner und potentieller Kriminell". Das bestätigt, daß er für den Posten geeignet ist: Nixon, Clinton, die Bushs und Obama sind alle kriminelle Lügner

    2/ Obama: ich mache keinen negativen Wahlkampf. Wahlkampf? Welchen Wahlkampf? Es ist das alle vier Jahre stattfindende Soap Opera "Wer wird Präsident".

  • Also jetzt halten sie mal die Luft an.
    In den USofA gibt es tatsächlich so etwas wie Demokratie und das schon seit über 200 Jahren.
    Dass Mitt Romney den falschen Mann als Vize gewählt hat ist mir auch klar.
    Aber schon Sara Palin hat ja schon Mc cain die Wahl versaut.
    Hoffen wir ,dass sich dieser Vorgang vielleicht wiederholt.
    Über Wahlsysteme kann man sich streiten,auf beiden Seiten wurde schon versucht Vorteile z.B. durch Neuaufteilung von Wahlkreisen Stimmen zu gewinnen.
    Ich glaube aber,dass die Wahl spannend bleibt und hoffentlich der richtige Mann gewinnt.
    Ob sich danach viel ändert steht in den Sternen.

  • Herr Dutschke, endlich eine Thematik mit der Sie sich auszukennen scheinen. Nicht zuletzt wegen Ihrer Erfahrung während des Studiums. Aber dann schreiben Sie doch Klartext. Sie sind jung und dürfen das. Schreiben Sie, dass die USA nichts mit einer Demokratie zu tun haben. Eher mit einer Oligarchie, einen Zweiparteien-Wahlverein für eine sehr kleine Gruppe vornehmlich weißer, älterer und sehr reicher Männer, welche ihre Spielchen mit der ganzen Welt treiben wollen. Richtig sind die Parallelen zu George W. Bush. Bei dieser Wahl geht es möglicherweise wieder um die Frage Krieg oder Frieden. Wie bei Bush's Vice Dick Cheney soll wieder ein besonderer Scharfmacher im Hintergrund arbeiten und Romney die Richtung diktieren. Alles im Namen der riesigen Finanz-Python, welche die ganze Welt verschlingen möchte.

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