Henkel trocken
Armes Griechenland, glückliche Türkei!

Was den Griechen durch den Euro entgangen ist, sehen sie, wenn sie nach Istanbul schauen. In der Türkei will kaum einer noch die Einheitswährung. Warum auch? Griechenlands Nachbar lacht sich lieber ins Fäustchen.
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Noch bevor das erste Hilfspaket für Griechenland versandt wurde, habe ich mehrfach in „Henkel trocken“ darauf hingewiesen, dass diesem bald ein zweites folgen müsse. Nachdem dieses auf den Weg gebracht worden war, hatte ich hier das dritte angekündigt. Sobald dies jetzt offen über den Bundestag oder versteckt über verschlungene Wege dem deutschen Steuerzahler den Rachen heruntergewürgt wird, kann man getrost gleich das vierte Paket schnüren.

Das ist leicht vorauszusehen, denn ein Schuldenerlass verhindert zwar einen Staatsbankrott, beseitigt aber nicht das Hauptproblem der griechischen Wirtschaft. Die Reeder in Piräus, die Textilfabrikanten in Athen und die Hoteliers in den Urlaubsorten bleiben zu teuer.

In der langen Geschichte der Umschuldungen von Staaten (die von Argentinien und Russland sind uns noch im Gedächtnis) hat es nie eine solche ohne gleichzeitige Abwertung gegeben. Diese ist in einer Einheitswährung bekanntlich nicht möglich. Selbst wenn man Griechenland statt eines neuerlichen „haircuts“ eine Glatze verpasste und dem Land alle Schulden erließe, müsste der griechische Finanzminister bald wieder zum Friseur.

Griechenlands Nachbar lacht sich derweil ins Fäustchen. Der selbstbewusste Auftritt des türkischen Regierungschefs in Berlin mag manchem auf den Wecker gegangen sein; vor dem Hintergrund der dynamischen Wirtschaftsentwicklung seines Landes war er berechtigt. Erinnern wir uns: Zum Zeitpunkt der Einführung des Euro waren Griechenland und Türkei in ähnlicher Situation. Arbeitslosigkeit, Inflation, Staatsverschuldung waren in beiden Ländern katastrophal, Griechenland schien nur wegen getürkter Zahlen seinem Nachbarland überlegen.

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Zwei Länder, zwei Wege

Kommentare zu " Henkel trocken: Armes Griechenland, glückliche Türkei!"

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  • http://de.statista.com/statistik/daten/studie/14398/umfrage/bruttoinlandsprodukt-in-griechenland/
    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/14416/umfrage/bruttoinlandsprodukt-in-der-tuerkei/
    und jetzt vergleichen!

  • Das Beispiel Türkei - Griechenland zeigt klar, dass Subsidiarität
    der einzige Weg ist, Gesellschaften und Volkswirtschaften funktionieren zu lassen.- Früher drückte man dies einfacher aus.-Ich wuchs in einem Handwerksbetrieb auf und mein Vater gab mir mit auf den Weg : Bist du Gottes Sohn, so hilf dir selbst.Heinrich Seibert,Ing.

  • Die Türkei hat sich von der Zwangsjacke die EU Überzogen hat befreit! Jahrzehnte lang wurde die Türkei hingehalten .Man hat die Türkei belogen,und alles mögliche gemacht das die Türkei Unstabil bleibt.Terrororganisationen wie Pkk / Asala usw. wurden von zahlreichen Europäischen Ländern unterstützt und währendessen ins Gesicht gelacht.
    Jetzt hat die Türkei sich von der Zwangsjacke befreit und es geht ab jetzt aufwärts.Wir Türken haben viel zu viel Zeit mit der EU verloren.EU hat sich selbst ein Eigentor geschossen in dem sie die Osteuropäischen Länder aufgenommen haben.Schaut euch mal die Deutschen Straßen an !Das sagt schon alles!
    Ach ? Lieber Herr matthiassuess , apropo es fließt kein Geld von D in die Türkei mehr.Das war vor 20-30 Jahren so.
    Mfg.

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