Henkel trocken

Armes Griechenland, glückliche Türkei!

Was den Griechen durch den Euro entgangen ist, sehen sie, wenn sie nach Istanbul schauen. In der Türkei will kaum einer noch die Einheitswährung. Warum auch? Griechenlands Nachbar lacht sich lieber ins Fäustchen.
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Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Noch bevor das erste Hilfspaket für Griechenland versandt wurde, habe ich mehrfach in „Henkel trocken“ darauf hingewiesen, dass diesem bald ein zweites folgen müsse. Nachdem dieses auf den Weg gebracht worden war, hatte ich hier das dritte angekündigt. Sobald dies jetzt offen über den Bundestag oder versteckt über verschlungene Wege dem deutschen Steuerzahler den Rachen heruntergewürgt wird, kann man getrost gleich das vierte Paket schnüren.

Das ist leicht vorauszusehen, denn ein Schuldenerlass verhindert zwar einen Staatsbankrott, beseitigt aber nicht das Hauptproblem der griechischen Wirtschaft. Die Reeder in Piräus, die Textilfabrikanten in Athen und die Hoteliers in den Urlaubsorten bleiben zu teuer.

In der langen Geschichte der Umschuldungen von Staaten (die von Argentinien und Russland sind uns noch im Gedächtnis) hat es nie eine solche ohne gleichzeitige Abwertung gegeben. Diese ist in einer Einheitswährung bekanntlich nicht möglich. Selbst wenn man Griechenland statt eines neuerlichen „haircuts“ eine Glatze verpasste und dem Land alle Schulden erließe, müsste der griechische Finanzminister bald wieder zum Friseur.

Griechenlands Nachbar lacht sich derweil ins Fäustchen. Der selbstbewusste Auftritt des türkischen Regierungschefs in Berlin mag manchem auf den Wecker gegangen sein; vor dem Hintergrund der dynamischen Wirtschaftsentwicklung seines Landes war er berechtigt. Erinnern wir uns: Zum Zeitpunkt der Einführung des Euro waren Griechenland und Türkei in ähnlicher Situation. Arbeitslosigkeit, Inflation, Staatsverschuldung waren in beiden Ländern katastrophal, Griechenland schien nur wegen getürkter Zahlen seinem Nachbarland überlegen.

Zwei Länder, zwei Wege
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67 Kommentare zu "Henkel trocken: Armes Griechenland, glückliche Türkei!"

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  • http://de.statista.com/statistik/daten/studie/14398/umfrage/bruttoinlandsprodukt-in-griechenland/
    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/14416/umfrage/bruttoinlandsprodukt-in-der-tuerkei/
    und jetzt vergleichen!

  • Das Beispiel Türkei - Griechenland zeigt klar, dass Subsidiarität
    der einzige Weg ist, Gesellschaften und Volkswirtschaften funktionieren zu lassen.- Früher drückte man dies einfacher aus.-Ich wuchs in einem Handwerksbetrieb auf und mein Vater gab mir mit auf den Weg : Bist du Gottes Sohn, so hilf dir selbst.Heinrich Seibert,Ing.

  • Die Türkei hat sich von der Zwangsjacke die EU Überzogen hat befreit! Jahrzehnte lang wurde die Türkei hingehalten .Man hat die Türkei belogen,und alles mögliche gemacht das die Türkei Unstabil bleibt.Terrororganisationen wie Pkk / Asala usw. wurden von zahlreichen Europäischen Ländern unterstützt und währendessen ins Gesicht gelacht.
    Jetzt hat die Türkei sich von der Zwangsjacke befreit und es geht ab jetzt aufwärts.Wir Türken haben viel zu viel Zeit mit der EU verloren.EU hat sich selbst ein Eigentor geschossen in dem sie die Osteuropäischen Länder aufgenommen haben.Schaut euch mal die Deutschen Straßen an !Das sagt schon alles!
    Ach ? Lieber Herr matthiassuess , apropo es fließt kein Geld von D in die Türkei mehr.Das war vor 20-30 Jahren so.
    Mfg.

  • Sehr geehrter Herr Henkel,

    einmal abgesehen davon, dass die Mehrheit der Türken nie unter den Voraussetzungen, die von der EU gefordert werden, in die EU aufgenommen werden woll(t)en, ein paar Zahlen zu ihrer boomenden Türkei.

    Der Abstand zwischen Arm und Reich ist weltweit nur noch in Mexiko größer. Diese Schwere hat sich in den letzten Jahren noch weiter geöffnet (GINI-Faktor). Ich denke nicht, dass sich weder Griechenland noch eine andere Volkswirtschaft daran orientieren sollten.

    Wo ist denn der Boom der letzten Jahre, wenn ich mir die nackten Zahlen ansehe? Am BIP pro Kopf kann ich das leider nicht fest machen, das sich seit 2008 kaum noch bewegt. Boom sieht in der allgemeinen Definition anders aus. http://swi.li/fYfe

    Wenn man jetzt noch berücksichtigt, dass die Türkei kräftig von der EU, vor allem von Deutschland, mit Entwicklungshilfe bedacht wurde, die nun langsam ausläuft, steht ihr Beispiel Türkei schon weniger strahlend aus. 100 Millionen liegen noch im deutschen Entwicklungshife-Topf für die Türkei, die müssen noch raus. Und da wären noch die Transferzahlungen der Auslandstürken, die wohl gerade nicht durch das Wirtschaftswachstum ausserhalb der Türkei (vornehmlich in Deutschland) zustande kommen.

    Wie hieß doch gleich das Land, das ihnen vor nicht so langer Zeit als Vorbild galt, wohingegen der deutsche Sozialstaat ein Auslaufmodell sein sollte? Ach, ja, das war Irland.

    Vielleicht noch ein Blick auf Griechenland, das in der größten Krise seit WK2 immer noch das 1.5fache des türkischen BIP pro Kopf erwirtschaftet und ebenfalls wie die Türkei zwischen 2002 und 2008 einen Boom erlebte. http://swi.li/TcFy

    Ich gönne den Griechen eine eigene Währung und ihren Weg des Sozialstaates, genau wie den Türken ihren Weg, wobei ich letzteren für die türkische Bevölkerung nicht erstrebenswert finde.

  • Ich Lese hier immer öfters osmanisches,türkisch - islamisches Großreich. Das Osmanische Großreich ist geschichte. Wo lebt Ihr denn, könnt Ihr keine klaren Gedankenzüge mehr vollbringen. Wie soll das stattfinden ? soll etwa nach euren Vorstellungen, die Janitscharen, wie ein Phönix aus der Asche wieder auferstehen ?
    Mir tun die Griechen Leid, wieso haben Sie Jahrzehntelang Ihren Politikern vertraut und immerwieder gewählt. Aber nochmehr ärgere ich mich über die journalisten und wirtschaftsexperten, die hätten verdammt nochmla die Pflciht gehabt Ihre Bürger wachzurütteln. GR ist 1981 in die EWG, hat in diesen 30 Jahren milliarden von Hilfen bekommen, wieso haben Sie sich keine Schwer und Schlüsselindustrie aufgebaut? Die Türkei hat schon in den 50,er, 60,er Jahren angefangen langsam eine eigene Industrie aufzubauen, heute exportieren Sie jählich 18-20 mio T Stahl und sonstige Stahlprodukte, auch Maschinen usw.
    Vor 4 jahren war ich in der Westtürkei, da habe ich mit meinem eigenem Augen miterleben können wie griechischer Geschäftsleute vom türkischen Tomatenmark Hersteller, tonnen von Tomatenmark gekauft haben und in Griechenland mit neuen Etiketten versehen und später in die EU exportiert würden. Ich erfuhr dann später das es in GR teuer wehre, wenn Sie es selber produzieren würden und das Ihr Boden wenn Sie brach läge von der EU Subventioniert würden. Hier sehe ich auch ein Mittschuld der EU, Sie wusten über alles Bescheid aber Sie haben nix dagegn unternommen...jetzt müssen Sie hilflos zusehen wie GR sich noch tiefer in die Misere reinschlittert.

  • Zahlen sind geduldig , ob sie nun aus den USA , Deutschland , Island , Griechenland oder Türkei kommen . Event. stellt sich heraus , dass die Türkei einem getürktem Griechenland gleichkommt . Die enscheidene Frage ist , ob die EU wirklich noch Vorteile bringt für alle . Südeuropa mag zwar ein wichtiger Markt für D sein , aber mittlerweile stellt sich doch heraus , dass D seinen eigenen Export finanziert , aber die Rückzahlungen dieser Exportkredite immer zweifelhafter werden .Noch zweifelhafter sind das Nutzen für die grosse Mehrheit der Deutschen , die jetzt nicht nur unter den eigenen Schulden zu leiden hat ,

  • Zitat : Sie hätte gleich weiter nach Istanbul fahren sollen. Dort hätte sie am besten sehen können, was den Griechen durch den Euro entgangen ist.
    Was man nicht sehen will, sieht man auch nicht, wenn man vor Ort hinfährt ! Außerdem ist die Staatsratsvorsitzende in Witschaftsbelangen genauso beschlagen, wie die Griechen selbst, nur sind die Griechen nicht so borniert wie das Kücken aus der Uckermark, sondern viel listiger. Und ihre Reise nach Griechenland als solche spricht doch Bänder von Auslandsdilettantismus ! Sich mit mafiosen Griechenstrukturen ( Regierung Samaras ) zu diesem Zeitpunkt zu treffen übertrifft die kindliche Naivität bei weitem, daß ist schlicht und einfach Arroganz.

  • Ja glauben Sie denn, die Türkei wäre ein Geberland? Angesichts seiner Grösse und seines grossen Agraranteils würde die Türkei mit Abstand das grösste Nehmerland werden, und das ist auch die einzige Motivation der Türken, der europäische Gedanke wird da nur vorgeschoben

  • "immer", koennen sie auf eine zusaetzliches Kommentar hinsichtlich "gen" hinweisen. Ich hatte es diesmal gemacht um um mich ueber die Sarazennische Gen diskussion zu erheitern. Vielleicht haette ich das auch klarmachen sollen (auch das ist ironisch gemeint)

  • @ Rumor
    So klug sind die Türken allemal, aber auch andere, vielleicht sogar die EU. Deshalb will sie Griechenland trotz aller Unterhaltskosten auch nicht hergeben. Aber ist es heute nicht grundsätzlich so, dass es leichter ist, etwas zu bekommen, als es behalten zu dürfen? Das betrifft ja inzwischen sogar Doktortitel.

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