Kurz und schmerzhaft

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Henkel trocken: BER, oder: Was läuft schief bei Großprojekten?

Die Liste der vermasselten Großprojekte in Deutschland ist lang. Der Berliner Flughafen ist nur ein Beispiel. Die Ursachen reichen von unklaren Verhältnissen bis hin zur Selbstüberschätzung.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor
Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Weil ich vor achtzehn Jahren ehrenamtlicher Vorsitzender der Berlin-Brandenburgischen Flughafengesellschaft war, musste ich jetzt vor einem Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses aussagen. Zwar hatte keine Entscheidung, die der Aufsichtsrat damals getroffen hatte, etwas mit dem jetzt nicht funktionierenden Brandschutz oder der möglicherweise nicht ausreichenden Kapazität des neuen Terminals zu tun, aber das hielt den Ausschuss nicht davon ab, mich nach meiner Einschätzung der Ursachen dieser Riesenblamage zu befragen.

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Nicht nur ein Problem in der Politik

Politiker haben weder ein Monopol auf Versagen in Aufsichtsräten, noch sind sie es alleine, die in solchen Fällen oft von Verantwortung reden und die Schuld dann bei anderen suchen. Das Desaster bei ThyssenKrupp, eins der größten Desaster in der Geschichte deutschen Industrie, blieb für den Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Cromme bisher ohne Konsequenzen. Der Politiker Klaus Wowereit zog immerhin für sich eine und legte den Vorsitz im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft nieder.

Pannen-Flughafen Platzeck einstimmig zum BER-Chefkontrolleur gewählt

Trotz einstimmiger Wahl zum neuen Chefkontrolleur des neuen Hauptstadtflughafens wird es für Matthias Platzeck kein leichter Job. Über eine weitere Personalie muss der Aufsichtsrat aber noch entscheiden.

Unklare Verantwortlichkeiten

Ob an Bord eines Schiffes, in einer Fußballmannschaft oder einem Orchester, es geht nicht ohne Kapitän, Trainer oder Dirigenten. Zwar hat sich die Demokratie als beste Regierungsform jedem anderen System überlegen gezeigt, als Managementsystem taugt sie nicht viel. Es ist dem Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft anzulasten, statt eines Vorsitzenden nur einen „Sprecher“ ernannt und diesen allen Geschäftsführern gleichgestellt zu haben. Im Geschäftsverteilungsplan hatte er den Bau des neuen Flughafens nicht zu verantworten. Das machte es den im Aufsichtsrat tätigen demokratisch legitimierten Politikern umso leichter, der Geschäftsführung dauernd in die Parade zu fahren. Als damaliger Vorsitzender kann ich ein Lied davon singen. Ich glaubte manchmal, einem Hühnerhaufen oder einer Schlangengrube vorzustehen.

Weimers Woche Privatisiert den Flughafen in Berlin!

Das Desaster um den Flughafenbau schadet nicht nur Berlin und seinen Politikern.

Selbstüberschätzung

Für eine Flughafengesellschaft, die jahrzehntelang nur operative Aufgaben zu erledigen hatte, ist der Bau eines Großflughafens eine enorme Herausforderung. Klar, auch in Berlin musste mal ein Parkplatz in Tegel repariert, mal ein Erweiterungsbau in Schönefeld hingestellt werden. Die Erfahrung, die eine Flughafengesellschaft wie die Fraport in Frankfurt mit ihren Großprojekten sammeln konnte, fehlte in Berlin. Trotzdem hat der Aufsichtsrat es nicht für nötig befunden, einen Generalunternehmer mit der Ausführung zu betrauen und dadurch die Gesellschaft gezwungen, selbst mit Dutzenden von Subunternehmern Verträge zu schließen, diese zu überwachen und nebenbei noch ein starkes Wachstum des Flugverkehrs zu begleiten. Der Aufsichtsrat machte sich selbst zum Generalunternehmer. Nun gibt es auch anderenorts Beispiele für versagende Generalunternehmer, HOCHTIEF und die Elbphilharmonie lassen grüßen, aber in Berlin kam alles zusammen: kein Chef, keine Bauerfahrung, kein Generalunternehmer. Das musste in die Hose gehen.

Atmosphäre der Angst

Wie ist es möglich, dass die Absage der geplanten Eröffnung nur zwei Wochen vor der geplanten Feier erfolgte und erst dann herauskam, dass sogar Jahre fehlten? Hier liegt der Schlüssel für das Scheitern großer Bauprojekte, ganzer Firmen und militärischer Interventionen gleichermaßen. Wenn Aufsichtsgremien Widerspruch sanktionieren, statt ihn zu fördern, wenn Angst um sich greift, dann dürfen sie sich nicht wundern, wenn gute Nachrichten immer auf Rennpferden angaloppiert kommen, die schlechten sich im Tempo einer Schnecke bewegen. Man darf gespannt darauf sein, was der Untersuchungsausschuss hierzu herausfindet.

Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor an der Universität Mannheim. Bekannt wurde der langjährige IBM-Manager vor allem als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).


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  • 08.02.2013, 19:20 UhrBurkhardLaatsch

    Ich stelle mal meine, etwas simple Überlegungen an.
    In der Schiffszulieferindustrie, die mitunter große Serien von zB RoRo Schiffen einschloß, war es üblich, spez im Exportgeschäft, brandgefährlich zu kalkulieren. Verträge gingen mitunter über mehrere Jahre, Kostensteigerungen wurden verhandelt u Korrekturen für Jahre eingebaut. Die Liefertermine waren klar fixiert u die Zahlungen im Regelfall mittels L/C abgesichert. Obwohl Technik u Konstruktionen bei Vertragsvergabe teilweise nicht klar waren, v ausreichender Funktion bis zu d Produktionskosten, u vieles erst in letzter Minute abgeklärt wurde, kann ich mich nicht im Ansatz erinnern, daß wir jemals daneben lagen.
    Mit anderen Worten, die ganze Nummer mit der Vergabe v öffentlichen Aufträgen, die stinkt zum Himmel. Und es ist eine Blamage für Deutschland, das eigentlich dieses Spiel des Management brillant hatte spielen können - ein Exportland ! Irgendwie schämt man sich für diesen Dilettantismus !
    Es ist (vielleicht) recht simpel zu erklären. Vermutlich liegt das Übel bei den unterschiedlichen Kräften die da wirken. Einmal sind es die Fachleute die diese Projekte ausführen sollen u zum anderen sind es die Machtleute(Politiker) die etwas fordern was sie nicht überschauen und beherrschen. Wer sitzt denn auch dort ? Das sind nicht nur Augenärzte für Wirtschaft zuständig ! Oder Juristen für d Finanzwesen zuständig oder eine Physikerin,die für alles zuständig ist : Wirtschaft, Finanzen, Krieg, Einwanderung, Sozales...,die einen funktionierenden Staat nie kennen gelernt hat, sie ist mit der Staatspleite aufgewachsen. Die SPD ? Da tummeln sich die allergrößten Horntiere.
    Diese Leute aber haben die Macht! Und eine ganz bestimmte Gattung ist jenseits v gut böse was ihre Normalität in allen Dingen angeht ! Und das zeigt sich spez bei solchen Vorhaben.
    Warum lassen sich da keine festen Verträge abschließen, wie in d besagten Exportindustrie ?? Kostenbindung ! Lieferzeitenbindung ! Sie wollen es nicht u brauchen es nicht !

  • 04.02.2013, 14:44 UhrFatFinger

    Daß man geglaubt hat, in Berlin auf Dauer mit nur einem Flughafen auskommen zu können, Tegel somit erst vernachlässigt und dann geschlossen werden kann, das ist der Kardinalfehler bei der ganzen Planung.
    Wenn Herr Henkel vor 18 Jahren in der Flughafengesellschaft tätig war, trägt er für diese Fehlplanung eine Mitschuld.
    Ebenso übrigens wie bei der Einführung des Euro. Als er noch über Macht und Ämter verfügte, hat er bei diesen beiden Projekten brav mitgespielt.
    Man muß ihm allerdings sehr zugute halten, daß er im Falle des Euro, anders als all die Anderen, von seiner damaligen Fehleinschätzung öffentlich abgerückt ist.

  • 04.02.2013, 14:10 UhrMarco99

    Jeder der mit Großprojekten zu tun hat, weiß: Nach oben wird geschummelt, geschönt, getäuscht und gelogen und nach links und rechts wird mit dem Finger gezeigt. Und mit der freibleibenden Hand stopft man sich nach Kräften die Taschen voll. Wer mit Großprojekten nichts zu tun hatte...weiß das nicht. Wenn noch strukturelle Fehler im Setup dazukommen ist das Scheitern vorhersehbar.

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