Henkel trocken
Das Europa der zwei Geschwindigkeiten

Angela Merkel hat einen Plan. Die Kanzlerin sieht ein Europa mit zwei Geschwindigkeiten. Selbstverständlich soll die Eurozone die Rolle des Tempomachers spielen. Ein Trugschluss. Stattdessen wird ihr die Puste ausgehen.
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Wann haben wir zuletzt das Wort „Subsidiarität“ aus dem Munde eines Europapolitikers gehört? Schon lange her! Dabei war die Subsidiarität, die Verankerung von Verantwortung möglichst nah an den Bürgern und Bürgerinnen, das „A“ und „O“ des Lissabon-Vertrages. Nun ist das Gegenteil angesagt: Zentralisierung.

Welcher Euroretter redet noch von „Wettbewerb“? Sollte die EU nicht mal die wettbewerbsfähigste Region auf dem Globus werden? Gehörte der Wettbewerb unter den Ländern um die besten Ideen, Methoden und Rezepte nicht dazu? Vorbei! Jetzt setzt man auf das Gegenteil: Harmonisierung.

Welcher Politiker bekennt sich noch zur „Selbstverantwortung“ für die finanziellen Folgen der Ansprüche einer Nation? Kaum einer! Welch peinliches Schauspiel bot unser Finanzminister, als er seinen spanischen Kollegen geradezu anbettelte, mit dem Geld deutscher Steuerzahler spanische Banken zu sanieren.

Aber der Tanz um das Goldene Euro-Kalb wird noch weitere groteske Form annehmen! Um am Einheitseuro festhalten zu können, will Frau Merkel mit ihrem „Master-Plan“ die Eurozone zu einem Superstaat machen. Nicht etwa als Resultat einer die Bürgerinnen und Bürger einbeziehenden Diskussion um die Zukunft Europas, nein, als Nebenprodukt von Eurorettungspaketen! Da die meisten Nicht-Eurostaaten keine Lust mehr auf den Euro haben, muss ein „Europa der zwei Geschwindigkeiten“ her. Natürlich geht sie davon aus, dass die Eurozone das schnelle und die anderen Länder das langsame Europa repräsentieren.

Wenn sie sich da mal nicht täuscht. Eine Region, in der Zentralisierung statt Subsidiarität, Harmonisierung statt Wettbewerb und die Vergemeinschaftung der Schulden vorherrschen, wird nicht nur von den Nichteurostaaten, sondern auch global bald abgehängt werden.

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Das Europa der zwei Geschwindigkeiten

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Es zeigen sich die ersten Nebenwirkungen

Kommentare zu " Henkel trocken: Das Europa der zwei Geschwindigkeiten"

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  • Herr Henkel hat recht. Es gibt auch bei der Bundesrepublik hinsichtlich des Euro keinen Plan B. Warum nicht? Immer mehr Schulden, immer weniger Wirtschaftsaufschwung etc. Wer wird dafür bezahlen. Ja, wir die Steuerzahler. Wer Schulden macht wird belohnt, aber wer zahlt das später zurück? Rudolf Thalmann

  • eine zentral gesteuerte Wirtschaftspolitik und keine Politik aus der Hüfte und nach dem Gutdünken von regionalen Politikern

    Es wäre schon schlimm, wenn die Regionen noch irgendwas zu sagen hätten. Die sind nämlich näher beim Bürger und haben mehr Bezug zu den Problemen, die es politisch auzugehen gilt. Da könnte man ja dann glatt in die Versuchung kommen, auch mal was für den Bürger zu tun. Mit einer zentralistischen Regierung (zweiter Firmensitz Cayman Inseln) wird einem das erspart bleiben.

  • Durch die Berliner Politik wird der Europäische Kontinent gerade
    wirtschaftlich in den Ruin geführt. Wann steht ihr feigen,
    verbeamteten Professoren endlich auf,um die auf die Probleme
    massiv aufmerksam zu machen. Es sind zu wenig Henkels in
    unserer Gesellschaft. Herr Henkel könnte am schönen Bodensee
    seinen Lebensabend verbringen, deshalb gebührt ihm hohe
    Anerkennung und Respekt, dass er sich einmischt.
    MfG
    Walter Schmid

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