Henkel trocken

Das Schweigen der Chefredakteure

Den sonst so kritischen deutschen Journalisten fehlt offenbar der Durchblick. Statt den Euro endlich abzuschreiben, klammern sie sich verbissen daran fest. Doch ewig kann das nicht so gehen. Und dann warten viele Fragen.
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Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

In den letzten Monaten war ich in Schweden, Dänemark, Lettland, Estland, Litauen, Tschechien, Großbritannien, Polen und der Schweiz; mit Ausnahme Estlands sind das Nicht-Euroländer. Es ist hinreichend bekannt, dass die Bürgerinnen und Bürger dieser Länder mit dem Euro nichts mehr zu tun haben wollen. Journalisten aus diesen Ländern fragten mich, warum sich die Deutschen die finanzielle Überforderung durch ihre eigene Regierung gefallen lassen. Ich wies auf die Tatsache hin, dass Frau Merkel im Bundestag keine Opposition zu fürchten habe. Ich erwähnte, dass aus historischen Gründen hierzulande eine ehrliche Diskussion über Alternativen zum Einheitseuro als politisch inkorrekt wahrgenommen und zu einem Tabu erklärt wurde.

Trotzdem wundern sich ausländische Journalisten darüber, dass ihre berufsmäßig kritischen Kollegen in Deutschland dem Einheitseuro in unverbrüchlicher Treue ergeben zu sein scheinen. Zwar sehen sie, dass es jetzt auch bei uns immer mehr Journalisten gibt, die mit messerscharfer Diagnose und düsterer Prognose ein realistisches Bild für den Europatienten zeichnen.

Sie registrieren, dass auch deutsche Kollegen zwar immer öfter über den ESM und auf die EZB schimpfen, diese sich aber weiterhin für die Beibehaltung der Einheitswährung aussprechen. Müsste nicht auch den deutschen Journalisten, so fragen die Ausländer, längst klar sein, dass ohne die auch von ihnen kritisierten Rettungsaktionen der Einheitseuro schon längst Geschichte wäre?

Akribisch schnüffeln deutsche Journalisten den Privatreisen eines Ex-Bundespräsidenten und dem Privatleben seiner Frau hinterher. Neueste Nachrichten über die Dissertation der Forschungsministerin finden sich als Aufmacher auf der ersten Seite der „FAZ“. Fast schon rassistische Untertöne schlägt die “Bild“ an, wenn sie über die Zustände in Griechenland berichtet.

Beim Megathema „Euro“ dagegen ruht still der See, und wehe dem, der für Wellengang sorgt. Ich kann ein Lied davon singen. Befürworter einer alternativen Europolitik werden in Talk-Shows von Vertretern des Euromainstreams regelmäßig umzingelt und von den Moderatoren durch Minenspiel, Körpersprache und dauerndes Unterbrechen marginalisiert.

Viele Fragen – keine Antworten
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99 Kommentare zu "Henkel trocken: Das Schweigen der Chefredakteure"

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  • Herr Henkel hat zugegeben, dass er seine Meinung revidieren musste. Das ist nach meiner Einschätzung bei ihm glaubhaft und daher ehrenwert. Noch ehrenwerter ist es, dass das Handelsblatt ihm eine Plattform bietet. Ich glaube nicht, dass Presseerzeugnisse wie "Financial Times Deutschland" oder die "Süddeutsche Zeitung" das auch tun würden. Daher von meiner Seite: Respekt Herr Henkel, aber auch Respekt, Herr Chefredakteur!

  • Henkel und Sinn zählen, da letztlich doch ihrem Intellekt und legitimen wie existentiellen Patriotismus verpflichtet-
    ganz im Gegensatz zur abgehalfterten Berliner EU-Einheitsfront- zu den wichtigsten Euroklägern nach den DM-Musketieren Schachtschneider, Hankel, Starbatty, Nölling und Edelmann Spethmann. Recht wurde Unrecht, Wohltat längst Plage. Diese apokalyptische Gefahr für Recht,Staat und Wirtschaft- die Einheitswährung- drängtlangsam aber endlich in die Schreibstuben der nicht europäistisch infizierten Journalisten vor. Unrühmlichste Ausnahme:
    der GEZ-Funk.

  • Olaf Henkel hat 1993 in der "FAZ" Manfred Brunners "Bund Freier Bürger", der gegen den Euro u. Maastricht auftrat, als "Rattenfänger" bezeichnet, mein oder vieler anderer Leserbriefe dagegen wurden nicht veröffentlicht. HAt sich Henkel schon mal bei Brunner entschuldigt?
    Ein Elefant mit gutem Gedächtnis

  • ...so idiotisch wie ein Redakteur in 40 Jahren DDR! Nur wird diesmal das bittere Ende für uns alle dramatischer ablaufen als 1989, das ist gewiss!

  • Lieber Herr Henkel,
    was erwarten Sie anderes von den "Systemgepressten". Man hat sich eingerichtet in der Wohlfühlzone dieser Welt mit all den Annehmlichkeiten; ein bißchen Politikhörigkeit, ein bißchen "mainstream"- Flankierung, aber auf keinen Fall eine eigene Meinung bilden, denn das könnte die Karriere kosten.
    Alles Gute Herr Henkel und bleiben Sie so kritisch und wachsam

  • Zweifelsohne zerstört die EU Europa.
    Da sich die Menschen nicht gegen die Zerstörung wehren wird das auch geschehen.
    Sie wehren sich nicht weil sie schon gesunken sind vom freien, denkenden und handelnden Menschentum,
    in den Trott des gewohnheitsmäßigen Hamsterradlaufes.
    Durch Kredit, Arbeitsüberlastung, Trägheit, Krankheit, Müdigkeit, Depression, Illusionen sind sie Gefangene und zu müde und zu ältlich um über ihre Nasenspitze hinauszuschauen.
    Das freie und vermögende Europa wird nun vernichtet! Es klebt dann vollends im Spinnennetz von globalisierten Großstrukturen; in globalen Kombinaten aller Art wird die Menschheit und ihre Erde ermattet, geplündert und verwurstet.
    Die Internationalen Kombinate, von Monsanto,EU bis zur UN sind nun mal die Instrumente der wohlmeinenden Menschenfreunde, den Göttern gleich an Macht und Einfluß auf Menschheit und Erde.
    Es wird Zeit für den Sturz - mögen die wirklichen Götter die Riesen schicken und der Erde und der Menschheit die Freiheit zurückschenken, die sich die Menschen so müde und einfältig hat abnehmen lassen!

  • Warum verschweigt ihr den größten Steuerbetrug als größtes Übel Aller Zeiten?

    Würde der Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein Geld selber aus der Luft schöpfen, und dieses ungerechtfertigte Monopol nicht den Privatbanken überlassen, bräuchten wir alle KEINE STEUERN zu bezahlen.

    Das Verschweigen dieser Tatsache ist der wirkliche Steuerbetrug. Unser Geldsystem ist darauf ausgerichtet, die Menschen zugunsten der Eliten zu versklaven. Mit dem ESM wurde dieses Versklavungssystem von der BRD auf EU Ebene gehoben.

    Der Euro ist das Instrument dazu.

    Die Politiker fürchten den Zusammenbruch des jetzigen Geldsystems wie der Teufel das Weihwasser. Aus gutem Grund. Ist nämlich erst mal das Geldschöpfungsmonopol von den Privatbanken zum Staat gewandert, bräuchten wir alle keine Steuern mehr zu bezahlen.

    Diese Umstellung auf ein anderes Geldsystem wäre für die Menschheit so enorm wichtig, bedeutet es doch eine Abkehr von Willkürherrschaft, Machtmissbrauch und sinnloser Kriege.
    Wir könnten dann nämlich mit unserem Geld eine wirklich lebenswerte Welt erschaffen.

    Über diese Tatsache traut sich niemand sprechen, schon gar nicht, wenn er ein von Banken abhängiger Politiker ist.

  • Hat er doch. Es ist zwar keine Partei, sondern eine Wahlalternative (www.wa2013.de), die aber müssen alle unterstützen, die Henkels Kritik teilen und sich vor ihren Kindern (und unserem Land) nicht versündigen wollen. AKTIV WERDEN! JETZT!

  • Ist doch klar warum. Weil jede deutsche Äusserung in Richtung Souveränität, Eigenständigkeit, Selbstbewusstein und andere völlig normale Regungen einer Gemeinschaft von Menschen die eine gemeinsame Kultur und Geschichte haben - mit der Nazikeule kaputtgeschlagen wird. Es ist einfach erbärmlich wie Diktatoren und Unterdrücker die Deutschen unterdrücken mit dem Hinweis auf Diktatur und Unterdrückung.. Und das sag ich als Ausländer in Deutschland. Es ist einfach furchtbar was in Deutschland abläuft. Die nächsten Faschisten nennen sich Antifaschisten - die nächsten Diktatoren und Unterdrücker nennen sich "Befreier" und "Freunde".

    Michail

  • Na ja, zum Thema "Euro behalten" herrscht halt weitgehend Einheitsmeinung bei den Massenmedien. Ist aber nicht das einzige Thema, bei denen nur eine einzige Meinung zugelassen ist - der "Ausstieg aus der Kernenergie" (bei gleichzeitig stabilen Strompreisen, ha ha ha...) sowie die angebliche "Klimaerwärmung" sind ähnliche Götzen, die anzubeten sind. Ist in anderen Ländern aber leider ähnlich. Konnte kürzlich im Österreichischen ORF "bewundern", wie die öffentlich-rechtlichen Journalisten über die Anti-Euro-Partei von Frank Stronach herzogen - angeblich habe er ehemalige BZÖ-Abgeordnete "abgeworben". Und die Anti-EU-Politikerin Le-Pen wurde in Frankreichs Medien ähnlich marginalisiert. "Die Vereinigten Staaten von Europa" sind eben das neue Utopia, das man anbeten muss - ungeachtet der Tatsache, dass da halb Europa gar nicht mitspielen will. Und das wir Deutsche alles immer übertreiben müssen, ist ja hinlänglich bekannt. Letztlich hat aber nur der Wähler in der Hand, ob es so weiter geht wie bisher, denn bald gilt: Wahltag ist Zahltag. Wenn Steinmerkelbrück gewinnen, wird halt weiter gezahlt - vom Wähler. Bitte dann aber nicht jammern!!!

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