Henkel trocken
Das Versagen der Aufsichtsräte

Bei Spitzensportlern bemessen sich die Gehälter am Marktwert. Dagegen hat sich die Vergütung der deutschen Spitzenmanager weit von der Realität entfernt. Das zeugt von Kontrollversagen.
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Die rekordverdächtige Entlohnung des VW-Chefs Manfred Winterkorn zeigt es mal wieder: Kaum ein Thema weckt soviel Emotionen wie die Bezahlung der Manager großer Publikumsgesellschaften. Ich finde: zu Recht. Während die Arbeitnehmer in den letzten zehn Jahren Lohnzurückhaltung übten und dadurch mithalfen, die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte und Dienstleistungen zu sichern, verdoppelten sich zwischen 2003 und 2011 die Vorstandsbezüge unserer Dax-Unternehmen.

Die Kollegen rechtfertigen diese Steigerung mit dem Hinweis auf den globalen Markt für Führungskräfte. In der Tat: Vorstände verdienen auch heute in Deutschland noch weniger als zum Beispiel in den USA. Aber mit Markt hat das Lohnfindungssystem in deutschen Aufsichtsräten nicht mehr viel zu tun.

In Sport und Kultur funktioniert der Markt. Dirk Nowitzkis Marktwert ergibt sich vor allem aus der für seinen Verein real existierenden Gefahr, ihn an einen anderen Rennstall zu verlieren. Bayern München wird Sebastian Schweinsteiger mit vielen Euro davon abhalten müssen, zu Real Madrid oder FC Barcelona zu gehen. Um „unseren“ Daniel Barenboim bemühen sich viele Konzertveranstalter in der Welt.

Der Aufsichtsrat eines deutschen Dax-Unternehmens läuft dagegen keine Gefahr, seinen fast 60-jährigen Vorstandschef ohne eine kräftige Erhöhung seiner Bezüge an die Konkurrenz zu verlieren.

Bezüge der Vorstände, die typischerweise durch Fünfjahresverträge fest gebunden sind, müssen sowieso nicht zwischendrin erhöht werden. Und das angeblich so große Interesse aus dem Ausland? Wann ist jemals ein deutscher Vorstandsvorsitzender mit der Aussicht auf mehr Geld über den Atlantik gelockt worden? Auch der in den USA ausgesprochen erfolgreiche Klaus Kleinfeld ging erst zu Alcoa, nachdem er bei Siemens sein Amt längst niederlegt hatte. Im Gegensatz zu deutschen Sportlern und Künstlern gibt es keine internationale Nachfrage nach deutschen Managern.

Kommentare zu " Henkel trocken: Das Versagen der Aufsichtsräte"

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  • ja, die vorstandsgehälter haben sich von der realität entkoppelt. die maßstäbe was gerecht -ist winterkorn 16 oder nur 8 mio € jahresgehalt wert?- ist sind bei diesen größenordnungen nicht mehr erkennbar. ja die gehaltsvergleiche der berater kennen nur eine richtung: immer nach oben. ja, gleichzeitig die bezüge der aufsichtsräte prozentual ähnlich zu steigern ist ein systemfehler, der die anteils- und arbeitnehmervertreter ihre pflichten "vergessen" läßt. ja auch die bekanntgabe in den geschäftsberichten und damit auch den aktionären hat keine veränderung ergeben.
    allerdings von marktgehältern im sport zu sprechen ist naiv. die fußballergagen z.b. werden - neben sky- auch durch die öffentlich rechtlichen anstalten durch kostenbegünstigte bereitstellung der stadien und einer sicherheitsinfrtastruktur überhaupt erst möglich. gleiches gilt übrigens für die bezüge der ² quatschtanten" illner, will, lanz und jauch. das ganze zeigt wie gut das system deutschland mittlerweile eingespielt ist.

  • Wenn die Aufsichtsräte nicht mehr in der Lage sind Selbstbeherrschung auszuüben , dann sollte hier schleunigst die Politik eingreifen. Das ist eine Forderung an die Regierung und an die Opposition. Löhne und Gehälter wurden in der Vergangenheit stillschweigend eingefroren, d.h. die Gewerkschaften nach merkelscher Methodik entmannt zum Stillschweigen . Diese Entmannung müßte Merkel doch wohl auch für Winterkorn , Ackermann &Co hinbekommen, dank ihrer exzellenten Beziehung zu jenen, aus obigem Grund.

  • Kein Manager ist so viel Wert, wie wird das jetzt über Winterkorn lesen konnten. Und keiner kann solch eine Menge ausgeben. Das sit pure Gier
    Das schlimme an den AG's ist, dass die Großaktionäre das Sagen haben. Es wird Zeit, dass das Aktionärsrecht der Kleinaktionäre gestärkt wird, dann würde dieses Treiben aufhören.
    Für mich sind solche "Gehälter" Diebstahl von Firmenvermögen.
    Denn wenn es darum geht, neue Investitionen zu tätigen, rufen diese Firmen permanent nach dem Staat. Weil keinerlei Geld auf der hohen Kante ist, das haben sich Manager und Großaktionäre in die Taschen gesteckt
    Diesem Treiben muß per Gesetz ein Ende bereitet werden, wenn diese Herren sonst nicht zur Einsicht kommen

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