Henkel trocken
Der deutsche Geheimdienst hat versagt!

Bei der Abhör-Affäre ist das Empören über die USA und ihren Präsidenten groß, schreibt unser Kolumnist Hans-Olaf Henkel. Doch was ist eigentlich mit den deutschen Geheimdiensten, die davon nichts mitbekommen haben?
  • 38

Die Lauschangriffe auf Angela Merkels Mobiltelefon führen zu großer Empörung. Regierung, Opposition, Medien und Wirtschaftsvertreter kritisieren in seltener Einigkeit den amerikanischen Geheimdienst, die USA und ihren Präsidenten. Mir fällt vor allem auf, über was nicht berichtet wird.

1. Der „Skandal“ zeigt die unangefochtene technologische Führerschaft der USA in der Informationstechnik. Zwar haben die Chinesen einen riesigen Apparat zur Überwachung und Kontrolle ihrer Internet-Gemeinde aufgebaut, aber was Angela Merkel auf ihrem Mobiltelefon über die Korruption in Peking erzählt, wissen sie wohl nicht. Und auch die Nachfolger des sowjetischen KGB würden einiges dafür geben herauszufinden, was unsere Kanzlerin über den „lupenreinen Demokraten“ im Kreml telefonisch verbreitet. Selbstverständlich unterhalten auch andere Regierungen hier in Berlin in ihren Botschaften als Konsulatsbeamte, Techniker oder Sicherheitsbeauftragte getarnte Spione. Außerdem helfen ihnen bezahlte und ehrenamtliche Zuträger deutscher Nationalität, vulgo: Verräter. Dass andere Nationen heute allerdings schon über ähnliche technologische Kompetenz wie die U.S.A. verfügen, ist zu bezweifeln.

2. Wenn sie könnten, würden es alle genauso machen, auch Deutschland. Die jetzt bei uns verbreitete Vorstellung, dass irgendein Geheimdienst demokratisch regierter Länder freiwillig auf den Einsatz der besten technologischen Möglichkeiten für das Überwachen von ausländischen Politikern verzichten sollte, ist gelinde gesagt naiv. Zwar meint Angela Merkel, „unter Freunden geht so etwas gar nicht“, aber gerade die Deutschen sollte man schon daran erinnern dürfen, dass die „9/11“-Attentäter ihr Verbrechen in Hamburg unbeobachtet vorbereiten konnten. Schon deshalb können Lauschangriffe der amerikanischen Sicherheitsbehörde (NSA) auf „deutsche Freunde“ niemanden wirklich überrascht haben.

Empört ist man besonders darüber, dass die Amerikaner auch vor dem Mobiltelefon Angela Merkels nicht Halt machten. Mal ganz davon abgesehen, dass die Kanzlerin freiwillig auf gesicherte Apparate verzichtete: Sollen Regierungen nun von ihren jeweiligen Schlapphüten verlangen, ausgerechnet auf das Abhören von Gesprächen besonders hochgestellter Personen zu verzichten? Glaubt denn jemand hier ernsthaft, die Bundeskanzlerin hätte ihrerseits dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) eine Liste von solchen ausländischen Politikern übergeben, über die keine Informationen erhoben werden dürfen?

Kommentare zu " Henkel trocken: Der deutsche Geheimdienst hat versagt!"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "gerade die Deutschen sollte man schon daran erinnern dürfen, dass die „9/11“-Attentäter ihr Verbrechen in Hamburg unbeobachtet vorbereiten konnten".
    Glauben sie wirklich, dass deshalb 81 Mio Deutsche über nunmehr 12 Jahre abgehört werden? Zumal noch immer zweifelhaft ist, welcher Nation die Terroristen, die dieses Immense Verbrechen verursacht haben, angehörten?!? Werden die Saudis, die zwar keine Verbündeten, aber offenbar gute Freunde sind, eigentlich auch abgehört?

  • Hallo Numismatiker,

    ...hmmm Hinweise ignoriert. Ja vielleicht einige Abteilungen dort, die wirklich versuchen Ihr Land zu schützen. Mich würde das wirkliche Schicksal von Herrn Atta interessieren, Du weist, was Ich meine ?

  • Der deutsche Geheimdienst hat nicht versagt. Er ist eine Abteilung der NSA voll mit NSA-Helfern. In der Politik sieht es nicht anders aus. Die NSA betreibt in Wiesbaden direkt neben dem Bundeswahlleiter (dessen Sitz ebenfalls in Wiesbaden ist) eine gigantische illegale Abhör- und Manipulationszentrale. Das alles passiert mit der Zustimmung der Altpartei CDUSPDFDPGrüne.

    Wenn unsere Bundesregierung dachte, bei ihr macht der NSA eine Ausnahme, weil die "Bundesregierung" dem NSA beim abhören von 80 Millionen Bürgern hilft, dann kann ich nur lachen. Der Verrat wird geliebt, aber niemals der Verräter.

    Deswegen überwacht der NSA natürlich auch die Altpartei CDUSPDFDPGrüne.

    Zusätzlich muss man der deutschen Wirtschaft Dummheit vorwerfen. Noch vor ein paar Monaten wären wohl alle deutschen Manager bereit gewesen alle Daten ihres Unternehmens einer US-Cloud anzuvertrauen.

    Sollten deutsche Manager 3 unterschiedliche Verschlüsselungsverfahren mit Vor- und Nachteilen erklären, dann wäre es wie im Schweigekloster.

    Die USA werden immer spionieren, aber man könnte es ihnen wesentlich schwerer machen, wenn der Wille dazu die Dummheit über das Thema ersetzen würde.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%