
Am Wochenende nahm ich an einer Tagung des Aspen Instituts in Berlin teil. Unter den Gästen waren die Finanzminister Italiens und Deutschlands, Vittorio Grilli und Wolfgang Schäuble. Natürlich wurde vor allem über den Euro und Europa gesprochen.
Wie in Talk-Shows und anderen öffentlichen Veranstaltungen zu diesem Thema hierzulande auch, verlief die Diskussion meist auf zwei unterschiedlichen Ebenen. Wies jemand darauf hin, was selten vorkam, dass der Euro seine ökonomischen und politischen Zielsetzungen verfehlen wird, wechselten die Anhänger der derzeitigen Eurorettungspolitik die Argumentationsebene. Statt sich mit den Folgen der Europolitik zu beschäftigen, wurde an den Frieden erinnert, der in Europa herrsche und bewahrt werden müsse; so als hätten wir diesen dem Euro zu verdanken.
Dass der Euro zu immer größerem Streit zwischen den potenziellen Geber- und Nehmerländern in der Eurozone führt und der Graben zwischen diesen und den zehn Nichteuroländern immer breiter wird, wurde genauso ignoriert wie die zeitgleich stattfindenden Demonstrationen in Athen, Lissabon und Madrid. Statt sich mit den wahren Ursachen der Eurokrise auseinanderzusetzen, wurden diese von den anwesenden Politikern en bloc einem „zu wenig Europa“ in die Schuhe geschoben.
Die Eröffnungsrede Wolfgang Schäubles war ein Musterbeispiel gewiefter Eurorhetorik. Er brachte es fertig, erst darauf hinzuweisen, dass Europa wegen der Herausforderungen der Globalisierung wettbewerbsfähig bleiben müsse, um dann Rezepte zu verschreiben, die das glatte Gegenteil bewirken. Statt der noch im Lissabon-Vertrag gehuldigten Subsidiarität das Wort zu reden, machte er sich für mehr Zentralismus in Brüssel stark. Statt den Wettbewerb zwischen den Ländern in der Eurozone zu fördern, forderte er Harmonisierung in der Fiskalpolitik. Statt auf die Selbstverantwortung der Länder für ihre Schulden zu pochen, lobte er das mit der Eurorettung etablierte System organisierter finanzieller Verantwortungslosigkeit.
In den letzten Jahren hatte ich an vielen solcher („Wir brauchen den Euro“) - Veranstaltungen teilgenommen. Neuerdings registriere ich, dass sich etwas verändert. Auch bei solchen Tagungen gibt es jetzt vorsichtig formulierte Einwände gegen die derzeitige Europolitik. Auch Mimik und Körpersprache vieler Zuhörer zeigen immer unverhohlener Zweifel, Unwillen und Protest. Mehr Teilnehmer als je zuvor kommen in den Kaffeepausen und gemeinsamen Abendessen auf mich zu und raunen mir ins Ohr: „Sie haben wohl doch Recht“.
Ähnlich muss es in der DDR gewesen sein, als sich die Bürger immer wieder anhören mussten, wie sehr der Sozialismus dem Kapitalismus überlegen sei und warum die BRD wirtschaftlich bald überholt werden würde. Auch dort wurden die Zweifel zunächst zwischen den Bürgern unter vier Augen ausgetauscht und erst später in die höheren Ränge getragen.
Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.
Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.
Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.
Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.
Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.
Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.
Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.
Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.
„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.
Obwohl immer mehr Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien die Absurdität der Eurorettungspolitik klar wird, äußern sie sich meist nur unter vier Augen, bestenfalls in kleinem Kreis. Sogar die bekannten Kritiker der Rettungsorgien werden nicht müde zu betonen, dass sie zwar gegen die Vergemeinschaftung der Schulden, aber für den Einheitseuro sind. Dabei wissen sie: ohne diese gäbe es den Einheitseuro schon längst nicht mehr.
Klar, wir haben Presse- und Meinungsfreiheit. Aber ebenso klar ist, dass diese in Deutschland bei gewissen Themen freiwilligen Selbstbeschränkungen unterliegt. Man kann das „political correctness“ nennen. Ich nenne es Feigheit.
Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor an der Universität Mannheim. Bekannt wurde der langjährige IBM-Manager vor allem als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

Herr Henkel, wenn es so ist wie Sie sagen,und das glaube ich auch, dann sind Sie doch mutiger und nennen solche Kriecher öffentlich mit Namen. Solche Leute, womöglich mit gutem Namen und guter Reputation können mit dieser Tarnkappe doch immensen Schaden anrichten - vor allem bei gutgläubigen und naiven Leuten ! Ich würde mich nicht wundern wenn auch Frau Merkel oder Steinbrück oder Schäuble ihnen in der besagten Kaffeepause beigepflichtet hätten. Merkel ist es zuzutrauen , ihr Naturell !

Dass H.-O.Henkel öffentlich seine Meinung über den Euro, dessen Befürworter er war, widerrufen hatte,liegt an der undemokratischen Zwangssolidarität, die Merkel durch ihren Vertragsbruch (Maastricht) zu verantworten hat. Der Übergang in den Nordeuro wäre damals ein "Bargain" gewesen, besser noch ist das Bekenntnis zu Maastricht, dass eine EUROKRISE verhinderte.
Merkel jedoch betreibt rücksichtslos, gesetzeswidrig, unverantwortlich, mit Lügen und Widerrufen, zum Schaden des gesamten deutschen Volkes, denen sie verpflichtet ist, ihre Machtpolitik, getreu nach dem Vorbild ihrer Erziehung in der DDR. >> Google u. das Buch: Die Patin

Germanenhengst
Danke für Ihre nette Unterstützung.
Und meine Tippfehler, es sind keine Rechtschreibfehler, rühren daher, dass ich seit einiger Zeit einen Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule habe und somit etwas eingeschränkt bin mit Arm- und Handbewegungen
Und wenn ich es eilig habe, lese ich es oft nicht durch um zu berichtigen
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