Kurz und schmerzhaft

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Henkel trocken: Der Nord-Euro, ein Traum!

Unser Kolumnist träumt von einer neuen Währung, die auf Vorschlag der Holländer „Eurogulden“ genannt wird. Viele Nichteuroländer schließen sich an – und wollen den ursprünglichen Vertrag von Maastricht einhalten.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor
Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Am Wochenende schlief ich im ICE zwischen Berlin und Hamburg ein. Ich träumte, dass der französische Staatspräsident der deutschen Bundeskanzlerin den Wunsch Frankreichs und anderer Südländer nach einem Ausstieg Deutschlands aus der Eurozone übermittelte. Es sei dem Süden nicht länger zuzumuten, dem deutschen Stabilitätsfetischismus weiter zu frönen. Auch in Paris sei man zur Überzeugung gekommen, dass der Euro für die Mehrzahl der Unternehmen im Süden zu schwer und für die im Norden zu leicht geworden sei.

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Während Deutschland immer mehr exportiere, wachse im Süden die Anzahl der Insolvenzen, schrumpfe dort die Steuerbasis und steige die Arbeitslosigkeit. Insbesondere entwickle sich die Jugendarbeitslosigkeit überall im Süden zu unbeherrschbarem sozialen Sprengstoff. Hinzu käme, dass nicht nur alle Südländer, sondern auch Frankreich die gerade im Fiskalpakt festgeschriebenen Stabilitätsziele weder in diesem noch im nächsten Jahr werde erreichen können.

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Vom Ausstieg Deutschlands aus dem Einheitseuro erhoffte sich Hollande eine Abwertung des Euro und damit einen wichtigen Impuls zur Wiedererlangung der Wettbewerbsfähigkeit der Südländer. „Madame“, so hörte ich Holland im Traum sagen, „Sie erwarten ja auch nicht von den Deutschen, dass sie sich ihre Löhne, Renten und Pensionen um 30 Prozent kürzen lassen!“.

Daraufhin beriet sich Merkel mit einigen Wirtschaftsführern und ich erinnere mich daran, dass ich im Traum Zeuge lautstarker Auseinandersetzungen wurde; nicht nur zwischen Vertretern von Familienunternehmen und Sparkassen einerseits und angestellten Managern und Großbanken andererseits, sondern auch zwischen Mitgliedern der Koalition. FDP-Spitzenkandidat Brüderle machte Finanzminister Schäuble klar, dass ein „Weiter so!“ nichts anderes als eine groteske Subventionspolitik sei, von der „die deutsche Exportindustrie zwar kurzfristig profitiert, für deren finanzielle Folgen im Süden aber der deutsche Steuerzahler und seine Kinder aufkommen müssen“.

In einer Sondersendung der ARD, so mein Traum, verliehen die Ex-Kanzler Schmidt und Kohl sowie Ex-Außenminister Genscher ihrer Sorge vor einem Dritten Weltkrieg Ausdruck. Der Moderator, WDR-Chef Schönenborn, beeilte sich, „diese Sorge mit Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern teilen zu müssen“ und stellte die Frage, warum man denn Franzosen keine weitere Zugeständnisse mache, um sie in der Einheitswährung zu halten.

100 Kommentare

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  • 12.04.2013, 22:26 Uhrpeter

    Hans-Olaf-Henkel ist ein Heuchler und Opportunist, der alle Gelegenheiten nutzt um seine Bankkonto und Präsenz aufzubessern. Ein Unterstützer einer Partei - ohne Mitglied zu sein - ist der beste Beweis seiner nicht vorhandenen und vorgespielten Ersthaftigkeit und seines nicht vorhandenen Interesses an der Sache. Ein ehemaliger (relativ erfolgloser) IBM Manager und Präsident des BDI der nur noch deswegen eine Plattform und TV-Auftritte bekommt, weil Er, vergleichbar eines dumpfen Provokateurs, Allgemeinplätze und banale Scheinwissen als Realität verkauft ist eine Schande. Ziehen Sie sich bitte zurück! … und... vergiften Sie nicht Teile unsere Gesellschaft, die Sie nur aus ökonomischen Gründen zu gewinnen zu versuchen.

  • 09.04.2013, 16:55 UhrDEUFRA2011

    Leider musste Herr Henkel in Altona aussteigen. Ich hätte mal gern gewußt wie sich Merkel und Hollande zu der Situation "the day after" geäußert hätten. Wie kommen wir denn da auseinander, Rückzahlung Schulden, Auflösen Target 2 Konten usw.? Dazu lese ich nie etwas. Nicht dass ich den Eurogulden nicht gerne in meinem Geldbeutel hätte, aber ich würde gerne die Rechnung der nächsten 10 Jahre kennen.
    Einen Wunsch noch: nennt es bitte "Eurotaler". Dann würde endlich mal klar wer in der Hauptsache dahintersteht.

  • 09.04.2013, 16:44 UhrAlexander_Peters

    Sehr geehrter Miklas Ross:

    Klar verzeihe ich das - bei einer so netten Entschuldigung kann ich ja gar nicht anders...

    Freundliche Grüße, Alexander Peters

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