Henkel trocken
Der schwache Euro, das süße Gift für unsere Industrie

Deutsche Unternehmen ruhen sich auf dem schwachen Euro aus, um ihre Exporte an den Mann zu bringen. Kreativität und Produktivität geraten da ins Hintertreffen.
  • 11

Die deutsche Exportindustrie ist auf Zack, aber die jetzt vom Handelsblatt und anderen deutschen Wirtschaftsredaktionen unisono gesungenen Lobeshymnen hat sie nicht ganz verdient. Sie übersehen: Der Euro ist zu stark für die Südländer und zu schwach für uns.

Dass der Euro für die „Südländer“ zu stark ist, zeigen die Auslastung der Hotels auf Rhodos, die Auftragsbücher der Mailänder Hersteller für Werkzeugmaschinen und der Automobilzulieferer in Valencia. Sie sind alle zu teuer geworden. Resultat: Tourismus und Export siechen dahin, überall schrumpft im Süden das Bruttoinlandsprodukt, sinkt die Zahl der Unternehmen, schmilzt die Steuerbasis. Dafür steigen dort Arbeitslosenraten und  Insolvenzen. Trotz aller Stabilitätsrhetorik schwillt die Staatsverschuldung in jedem dieser Länder weiter an. Auch nach dem anvisierten „haircut“ wird sie in Griechenland höher sein, als zu Beginn der Eurokrise. Eine erfolgreiche Umschuldung ohne gleichzeitige Abwertung hat es noch nie gegeben.  Frankreich verzeichnet in diesem Jahr eine viermal so hohe Neuverschuldungsrate wie Deutschland.

Von Griechenland bis Frankreich kann man inzwischen die Folgen einer „one-size-fits-none“-Währung besichtigen. Früher konnten diese Länder durch dosierte externe Abwertungen ihrer Währungen die Wettbewerbsfähigkeit erhalten.  In einer Einheitswährung ist das nicht mehr möglich. Dass diese Länder plötzlich in der Lage sein sollen, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch „interne Abwertungen“, also durch Produktivitätszuwächse wiederzugewinnen, ist so unrealistisch wie die meisten Erwartungen unserer Euromantiker.

Nicht nur im Süden, auch im Norden kann man sehen, wie weit der Euro schon zu einer „one-size-fits-none“-Währung verkommen ist. Für die deutsche Industrie ist er längst zu schwach. Die Inflation ist auf dem Vormarsch, sie ist inzwischen höher als in den Ländern, deren Zentralbanken ihre Unabhängigkeit behielten, wie z.B. in Schweden oder der Schweiz. Langsam dämmert das den Konsumenten, bald auch den Rentnern und Arbeitnehmern.

Seite 1:

Der schwache Euro, das süße Gift für unsere Industrie

Seite 2:

Strafen für Exportüberschüsse

Kommentare zu " Henkel trocken: Der schwache Euro, das süße Gift für unsere Industrie"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wenn Herr Schäuble sagt, es gäbe keine Euro-Krise sondern nur in einigen Ländern der EU eine Staatssschuldenkrise, ist er unfähig zu erkennen, dass der Einheitseuro auch Mitverursacher der Staatsschuldenkrise ist. Herr Henkel hat sehr Recht damit, zu betonen, dass durch Wegfall der Abwertungsmöglichkeit der "Südländer" von Fall zu Fall auch deren Wettbewerbskraft empfindlich leidet, während die deutsche Exportindustrie durch den schwachen Euro überprorortionale Zuwächse erzielt, die aber leider nicht wirklich durch Produktivitätsfortschritte "erarbeitet" sind
    Dieser Schuß, den jetzt noch manche bejubeln,"Deutschland profitiert vom Euro am meistem", wird nach hinten losgehen
    und zu einem veritablen Rohrkrepierer mutieren.

  • @ brasso

    Ich verstehe nicht was Sie hier in meine Worte hinein interpretieren.

  • Wenn die Notenbank eine für Deutschland angemessene Politik betreiben würde ( könnte, dürfte), dann dürfte sich auch das Phänomen Fachkräftemangel recht schnell in Luft auflösen oder zumindest stark zurückentwickeln.

    Wenn die Notenbank das nicht darf oder kann, dann dürfte sich der Fachkräftemangel immerhin langsam auflösen oder zurückentwickeln, nämlich in dem Maße, wie der Produktivitätsvorsprung dahinschmilzt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%