Henkel trocken
Die Dicke Bertha steht jetzt in Paris

In allen Ländern gab es Politiker und Ökonomen, die gegen den Euro waren. Doch nur in anderen Ländern wird unverkrampft darüber diskutiert. So setzen deutsche Euro-Kritiker auf politische Unterstützung aus dem Ausland.
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Gemeinsam ist, dass es in allen Euroländern immer schon einzelne Politiker, Wirtschaftsführer und Ökonomen gab, die gegen den Euro waren. Bei uns verbindet man vor allem Namen von Professoren wie Roland Vaubel und Joachim Starbatty mit der frühen Opposition gegen die Euro-Einführung. Von den Wirtschaftsführern kam Thyssen-Chef Dieter Spethmann aus der Deckung.  Zur überschaubar großen Politikerriege der frühen Euro-Kritiker gehörten die FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff, Ralf Dahrendorf und der ehemalige Ministerpräsident Sachsens Georg Milbradt (CDU). Es gab auch Journalisten, die sich eurokritisch äußerten – wie beispielsweise Klaus C. Engelen, dem das Handelsblatt daraufhin einen Maulkorb verpasste.

Ein auffallender Unterschied ist, dass nur in Deutschland  kaum jemanden offen zugibt, seine Meinung über den Euro geändert zu haben. Der renommierte französische Professor Fancois Heisbourg, ein Euro-Befürworter der ersten Stunde, hat gerade mit seinem neuen Buch („Das Ende des europäischen Traums“) eine Diskussion über Alternativen zur Einheitseuropolitik angestoßen. So etwas wäre in Deutschland undenkbar.

Ich bezweifle, dass irgendjemand, der diese Zeilen liest, einen einigermaßen bekannten Deutschen benennen kann, der von einem öffentlichen Befürworter zu einem öffentlichen Gegner des Euro geworden ist – außer vielleicht den Gründer der „Alternative für Deutschland“ (AfD), Professor Bernd Lucke, und den Verfasser von „Henkel trocken“. Das ist umso erstaunlicher, als dass wohl kaum ein Mensch der Einführung des Euro zu den Bedingungen zugestimmt hätte, wie wir sie heute haben. Trotzdem stehen deutsche Politiker, Wirtschaftsführer und Chefredakteure in unverbrüchlicher Treue zur Einheitswährung.

Sogar EZB-Präsident Mario Draghis Ankündigung, zur Not unbegrenzt Staatspapiere von Südländern (einschließlich Frankreichs) zu kaufen, wurde hier meist gefeiert, obwohl Deutschland letzten Endes für diese bürgen müsste. In Anlehnung an Krupps Geschütz aus dem Ersten Weltkrieg sprach Draghi von der „Dicken Bertha“, die er von Frankfurt, dem Sitz der EZB, jederzeit und in jede Richtung zur Rettung des Euro abfeuern könne.

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Die Dicke Bertha steht jetzt in Paris

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Französische Elite opponiert gegen Einheits-Euro

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  • Gert- "... Wir befinden uns in einer „Postdemokratie“, einer Demokratie der Fassade, die in Wirklichkeit eine Oligarchie ist...« Das ist mir noch zu beschönigend für die deutsche Demokratie: Die Angst vor dem ersten Versuch in Weimar (als Demokratie der Strasse oder Diktatur einer scheinbaren Mehrheit, wie Alexis de Toqueville vor 200 Jahren über die amerikanische Verfassung formuliert hat) hat die politische Klasse zunächst sehr geschockt und später hat dann Adenauer (1957) entdeckt, daß es doch viel einfacher ist, den Leuten mit verteilten Geschenken politische Ambitionen abzugewöhnen. Seitdem gleicht diese Demokratie dem System eines Leviathan des Thomas Hobbes aus dem 17. Jhd., in dem der Bürger alle vier Jahre seine Rechte gegen die Zusicherung von Wohlergehen und Schutz verkauft, den Leviathan aber nie mehr los wird, weil er sich beim ersten Mal schon korrumpiert hat.
    Mit freundlichen Grüßen
    Klaus Peter Kraa

  • KeineMachtdenDoofen , das hört sich gut an , hat aber einen Denkfehler.
    Denn immerhin haben hier die Grünen und andere Renitente die Kraft oder vielleicht den Mut gehabt in den 68 Jahren diese etablierte Welt auf den Kopf zu stellen oder es war der Mut der Pubertät(Piratenpartei?). Stellt sich allerdings auch die Frage wieso haben Gauck und Merkel das drüben nicht hinbekommen ? Letztlich ging es ja wohl vom Volk aus, sich quer zu stellen. Na ja, die hatten auch nicht viel Speck ! Dann haben wohl Merkel und Gauck wie die "Maden im Speck gelebt" ? Vermutlich ja ! Ihre Anpassung dort drüben unterstreicht auch ihren unbeschreiblichen großen Erfolg hier aus dem Stegreif politische Positionen erreicht zu haben die einigen anderen bisher sogar im Ansatz verwehrt worden sind. Da müssen nicht unbedingt Herr Luck und Herr Henkel mit gemeint sein. Ich denke auch an das Abwürgen und Austrocknen von Sarrazin usw. Man erkennt , es ist fast aussichtslos gegen den Strom zu schwimmen.
    Jedenfalls haben sich Merkel und Gauck gekonnt das "Made im Speck"- oder mit Speck fängt man Mäuse Verhalten, wenn es das ist, gekonnt aus ihren Erfahrungen drüben zu Nutze gemacht. Oder wie schon mal gesagt, im vorhergehenden Kommentar, es ist noch ein anderer Verbündeter im Spiel der die Strippen zieht.

  • Kurz gefaßt, für mich ist es ein Rätsel wieso in dieser Frage des Euro und in vielen anderen Dingen auch die Meinung der Bevölkerung die Eine ist, und die Meinung der Medien -ziemlich deckungsgleich mit den Politikern und diese auch zwischen den Parteien- die Andere ist !
    Es ist als wenn eine unsichtbare Kraft hier die Fäden spannt, nach der sich unter der Dominanz und Diktat der Medien ausgerichtet wird . Es ist eine kaum zu lokalisierende indirekte, manchmal aber auch direkte Zensur !
    Es schürt den Verdacht, daß der CIA aus dem Anfang der Nachkriegszeit heraus weiterhin seine im Dunkeln verborgene Umerziehung immernoch wahrnimmt , vielleicht in Form der jetzigen NSA-Bakkaluten ! Vielleicht sind es aber auch die anderen Einrichtungen wie Zentralräte die daran interessiert sind Deutschland in einer gewissen Instabilität zu halten, die es uns unmöglich machen soll jemals wieder eine führende bzw beherrschende Rolle zu spielen. Daran sind jedenfalls, uneingeschränkt alle, unserer EU-Freunde interessiert !! Das erklärt die Passivität von Fr Merkel oder das Softie-Verhalten von ex BP Wulff und BP Gauck , in Hörigkeit zum Rest der Welt !
    Als wenn sie ein feinmaschiges Spinnennetz über den deutschen Bürger gespannt haben die seine Meinung neutralisiert oder vernichtet. (Bestes Beispiel ist t-online und spezifisch das Filtern der Leserkommentar bzw die Zensur)
    Dieses politische System als Demokratie zu bezeichnen ist schon fast lächerlich. Eigentlich, insbesondere nach der Offenlegung der NSA Aktivitäten und der polit. Resonanz aus den USA, müßte jeder Politik lehrende Uni-Professor vor Wut oder Scham im Boden versinken. Da das aber nicht passiert, vermute ich, daß wir es nun mit der Präsenz und Dekadenz der 68er in diesen Positionen zu tun haben !! Bestes Beispiel ist die Galionsfigur der Pädophilen Partei(Grüne), J.Fischer, er wurde Professor für xxx in den USA !

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