
Immer wieder ließen deutsche Kanzler durch den Fußball Wasser auf ihre Mühlen lenken. Helmut Kohl bot dem damaligen Bundestrainer Bertie Vogts öffentlichkeitswirksam das „Du“ an. Gerhard Schröder erhob kostenloses Bundesligafernsehen zu einem Menschenrecht. Auch Angela Merkel demonstriert gern beim Torjubel, wie nah sie bei den Leuten ist. Aber noch nie hat ein Fußballereignis so von den verheerenden Folgen der Politik abgelenkt, wie die EURO 2012 von der Europolitik 2012.
Allein die Nachrichten aus der vergangenen Woche hätten einen landesweiten Proteststurm gegen den Fiskalpakt und den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) auslösen müssen:
Der Fiskalpakt dient hauptsächlich zur innenpolitischen Beruhigung der deutschen Bürgerinnen und Bürger für die Zustimmung zum ESM durch die Politik. Wie man sieht, die dort aufgeschriebenen Selbstverpflichtungen werden schon jetzt nicht mehr ernstgenommen. Die Franzosen haben sogar den einzigen echten Zahn im Kukident-Gebiss des Fiskalpakts gezogen: die Schuldenbremse. Diese steht zwar jetzt im deutschen Grundgesetz, aber nicht dort, wo sie viel nötiger wäre, im französischen. Im letzten Jahr war die Neuverschuldung Frankreichs fast viermal so hoch wie bei uns.

Das Volk steht schon auf, wenn es hört, daß in D bis 67 gearbeitet werden muß, während man in F wieder mit 60 in Rente geht, anstatt - wie schrecklich ;) - mit 62 Jahren!
Das und sehr vielmehr kann man einfach keinem vernünftigen Menschen in Deutschland erklären...

Das Volk wird aber auch erst dann aufstehen, wenn der Kühlschrank leer ist. Restlos leer. Vorher schaut es mal hier, mal da. Liest den ein oder anderen Artikel und das war's dann auch schon. Anstatt - zumindest in den Fällen, wo noch Vernunft und wirtschaftliche Ahnung einigermaßen vorhanden ist, in die Politik zu gehen und die linken Versallen langsam mal abzulösen, gibt's neue Parteien, die ein noch linkerer Aufguss gewisser maroder Altparteien sind. Das Volk darf sich bei so wenig 'aktivem Mitmachen' auch nicht beschweren. Und man kann was verändern. Von allen Parteimitgliedern, ganz gleich in welcher Partei sind ca. 90-90% mehr oder weniger Karteileichen. Was heißt das im Umkehrschluss? Es bedeutet, dass nur ganz wenige überhaupt bereits auf der untersten Ebene des Ortvorsitzenden bzw. ab der Ebene beginnend - die Geschicke eines Bundeslandes lenken. Also Leute, die die sich berufen fühlen und meinen, von Wirtschaft was zu verstehen, rein in die Parteien und aufstellen als Politiker. Zunächst auf der untersten Ebene, aber die Beeinflussungsfaktoren sind da. Ihr könnt dann durch eure Reden auf Parteitagen auch die Masse der Mandatsträger im euren Sinne aufrütteln. Auch das wäre besser als nichts.
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