Kurz und schmerzhaft

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Henkel trocken: Die EURO 2012 und der Euro 2012

Die Deutschen machen sich zur Zeit mehr Gedanken über Fußball als über den ESM. Bevor das Endspiel im Sport ansteht, soll deswegen noch schnell das Gesetz zum ESM durchgepeitscht werden. Ein Zufall? Wohl kaum.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor
Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Immer wieder ließen deutsche Kanzler durch den Fußball Wasser auf ihre Mühlen lenken. Helmut Kohl bot dem damaligen Bundestrainer Bertie Vogts öffentlichkeitswirksam das „Du“ an. Gerhard Schröder erhob kostenloses Bundesligafernsehen zu einem Menschenrecht. Auch Angela Merkel demonstriert gern beim Torjubel, wie nah sie bei den Leuten ist. Aber noch nie hat ein Fußballereignis so von den verheerenden Folgen der Politik abgelenkt, wie die EURO 2012 von der Europolitik 2012.

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Allein die Nachrichten aus der vergangenen Woche hätten einen landesweiten Proteststurm gegen den Fiskalpakt und den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) auslösen müssen:

  1. Griechenlands neuer Premierminister forderte zwei Jahre mehr Zeit für seine Reformen. Das bedeutet, dass deutsche, finnische und holländische Steuerzahler bald das dritte Rettungspaket nach Athen versenden dürfen.
  2. Der spanische Regierungschef schlug eine Bankenunion vor. Diese würde deutsche Sparer mit ihren Einlagen für Pleitebanken im Süden in Mithaftung nehmen!
  3. Um die hohen Zinslasten nicht allein tragen zu müssen, forderte Italiens Ministerpräsident mehr Aufkäufe seiner Staatspapiere durch die Europäische Zentralbank. Wegen solcher Aufkäufe sind schon Bundesbankpräsident Axel Weber und EZB Chef-Ökonom Jürgen Stark zurückgetreten. Allerdings führten beide dafür „persönliche Gründe“ an!
  4. Während mit dem Fiskalpakt mehr Disziplin im Euroland eingeführt werden soll und die Deutschen sich auf die Rente mit 67 vorbereiten, präsentierte Präsident Hollande seinen Landsleuten die erste Rate einer Reduzierung des Renteneintrittsalters von 62 auf 60.

Der Fiskalpakt dient hauptsächlich zur innenpolitischen Beruhigung der deutschen Bürgerinnen und Bürger für die Zustimmung zum ESM durch die Politik. Wie man sieht, die dort aufgeschriebenen Selbstverpflichtungen werden schon jetzt nicht mehr ernstgenommen. Die Franzosen haben sogar den einzigen echten Zahn im Kukident-Gebiss des Fiskalpakts gezogen: die Schuldenbremse. Diese steht zwar jetzt im deutschen Grundgesetz, aber nicht dort, wo sie viel nötiger wäre, im französischen. Im letzten Jahr war die Neuverschuldung Frankreichs fast viermal so hoch wie bei uns.

  • 01.07.2012, 14:06 Uhrauktionsprofis

    Aber welche Partei denn???

  • 28.06.2012, 13:14 UhrReffke

    Das Volk steht schon auf, wenn es hört, daß in D bis 67 gearbeitet werden muß, während man in F wieder mit 60 in Rente geht, anstatt - wie schrecklich ;) - mit 62 Jahren!

    Das und sehr vielmehr kann man einfach keinem vernünftigen Menschen in Deutschland erklären...

  • 27.06.2012, 17:31 UhrGastredner

    Das Volk wird aber auch erst dann aufstehen, wenn der Kühlschrank leer ist. Restlos leer. Vorher schaut es mal hier, mal da. Liest den ein oder anderen Artikel und das war's dann auch schon. Anstatt - zumindest in den Fällen, wo noch Vernunft und wirtschaftliche Ahnung einigermaßen vorhanden ist, in die Politik zu gehen und die linken Versallen langsam mal abzulösen, gibt's neue Parteien, die ein noch linkerer Aufguss gewisser maroder Altparteien sind. Das Volk darf sich bei so wenig 'aktivem Mitmachen' auch nicht beschweren. Und man kann was verändern. Von allen Parteimitgliedern, ganz gleich in welcher Partei sind ca. 90-90% mehr oder weniger Karteileichen. Was heißt das im Umkehrschluss? Es bedeutet, dass nur ganz wenige überhaupt bereits auf der untersten Ebene des Ortvorsitzenden bzw. ab der Ebene beginnend - die Geschicke eines Bundeslandes lenken. Also Leute, die die sich berufen fühlen und meinen, von Wirtschaft was zu verstehen, rein in die Parteien und aufstellen als Politiker. Zunächst auf der untersten Ebene, aber die Beeinflussungsfaktoren sind da. Ihr könnt dann durch eure Reden auf Parteitagen auch die Masse der Mandatsträger im euren Sinne aufrütteln. Auch das wäre besser als nichts.

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