Henkel trocken

Drei Lektionen aus Zypern

Die zyprische Kritik an Kanzlerin Merkel ist hart – aber teilweise berechtigt. Der Euro ist schuld daran, dass deutsche Politiker anderen Ländern vorschreiben wollen, wie sie ihre Unternehmen zu besteuern haben.
47 Kommentare
Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Die Empörung über die geplante teilweise Konfiszierung zypriotischer Bankkonten auch unter einem Volumen von 100.000 Euro beschränkte sich nicht nur auf die Mittelmeerinsel. Schnell wurde auch hier bemerkt, dass dadurch das Merkel‘sche Versprechen („Die Einlagen sind sicher!“) entwertet wurde. Danach boten unsere Euroretter ein Bild jämmerlicher Verantwortungslosigkeit.

Finanzminister Schäuble schob die Schuld der Europäischen Zentralbank (EZB) in die Schuhe. Der deutsche Vertreter in der EZB, Asmussen, reichte den Schwarzen Peter umgehend zurück. Als die zypriotische Regierung später auf die Idee kam, die Rettung ihrer Banken durch eine Beleihung der Rentenkassen zu finanzieren, reagierten deutsche Regierung und Opposition mit Empörung.

Wie immer die Krise ausgehen mag, sie lehrt uns drei Lektionen:
Erstens, die Proteste in Nikosia helfen unseren Eurorettern die Folgen ihrer Politik vor den deutschen Wählern zu verschleiern.

Wenn die Zyprioten jetzt ihre Wut vorzugsweise an der Kanzlerin auslassen, mögen die meisten Deutschen das als ungerecht empfinden, aber bei nüchterner Betrachtung muss man erkennen, dass die Kritik ihr hilft und teilweise sogar berechtigt ist.

Der Protest vermittelt den deutschen Wählern den Eindruck, die deutsche Regierung würde die Interessen der deutschen Steuerzahler kraftvoll vertreten. Das tut sie nicht. Sie hat längst sämtliche zu Zeiten der Aufgabe der D-Mark gegebenen Versprechen gebrochen und hätte mit dem Rettungspaket wieder einmal eine vorher energisch in den Sand gezogene rote Linie überschritten (Schäuble: „Zypern ist nicht systemrelevant!“). Die Bundesregierung braucht Proteste im Ausland dringend für die Beruhigung ihrer Wähler im Inland.

Der Euro spaltet Europa

Zweitens zeigt „Zypern“ deutlich, warum sich der Euro immer mehr zu einem gefährlichen Spaltpilz in Europa entwickelt. Als Vertreter des potenziell größten Gläubigers sehen sich Merkel, Schäuble & Co. gezwungen, ihre Nase immer öfter in die Angelegenheiten anderer Länder zu stecken. Dass sich, wie letzte Woche der Fall, Kauder, Trittin und Gabriel in das zypriotische Rentensystem einmischen, liegt am Euro!

Dass deutsche Politiker glauben, den Zyprioten vorschreiben zu müssen, wie sie ihre Unternehmen zu besteuern haben, liegt am Euro! Schon vorher fühlten sich deutsche Euroretter berufen, von den Griechen zu verlangen, ihre Staatsbahn zu privatisieren (was hierzulande keiner mehr von der Bahn AG verlangt) und von den Spaniern zu fordern, auf Teile ihres Urlaubs zu verzichten (obwohl die Deutschen längeren Urlaub haben).

Sie mischen sich in die Regierungsbildung Italiens, das belgische Lohnfindungssystem und die Steuergesetzgebung Irlands ein. Ganz davon abgesehen, dass deutsche Politiker gewählt wurden, um sich um die Sicherung deutscher Renten, der Vereinfachung des deutschen Steuersystems und den sozialen Frieden in Deutschland zu kümmern, kann ein europäisches Währungssystem, welches voraussetzt, dass ausgerechnet Deutschland seinen Partnern dauernd Vorschriften macht, niemals friedensstiftend sein.

Drittens zeigt Zypern, was der Euro im griechischen Teil der Insel angerichtet und dem türkischen Teil der Insel erspart hat: Im türkischen Norden geht es bergauf, im griechischen Süden bergab. Kein Wunder, dass nicht mal mehr die Türken auf Zypern den Euro wollen!

Unser Kolumnist spricht zu dem Thema „Die tricksen, wir zahlen – soll das unser Europa sein?“ auch heute Abend bei „Hart aber fair“, ab 21 Uhr in der ARD.

Startseite

47 Kommentare zu "Henkel trocken: Drei Lektionen aus Zypern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Henkel hat absolut Recht - schade nur, dass er nicht an der Spitze der neuen Anti-Euro-Partei steht!

  • Das ist doch - mit Verlaub - Unsinn. Noch immer werden bei uns die Löhne von den Tarifpartnern bestimmt, außer in einigen Randbereichen, die sich im wesentlichen im Binnenmarkt abspielen (Dienstleistungen). Die Exportindustrie hat i.d.R. gute Löhne und deutsche Produkte werden vom Ausland nicht gekauft, weil sie so preiswert sind, sondern, obwohl sie so teuer sind.

  • @Alexander_Peters

    Fragen wir die Länder Europas doch einfach, wie sich diese ihre Zukunft vorstellen, und ob sie miteinander zwangsverheiratet werden wollen oder nicht.

    Die Länder, die sich in der Massenzwangsbeglückung der Euro/EU-Familie nicht wohlfühlen, sollen nicht zwangsverheiratet werden, die anderen sollen miteinander glücklich werden.

    Europa bleiben alle Länder erhalten, da sie ja nicht von diesem Kontinent verschwinden.

  • @Alexander_Peters
    Es nimmt kein Ende mit den verworrenen Geistern hier im Forum.
    Wie gehen solche Leute wie Sie eigentlich durch d Welt ? Die abstruse u weltfremde Gedankenwelt einiger Zeitgenossen ist schon bemerkenswert, geschweige denn kaum nachvollziehbar durch andere Mitgenossen.
    Wenn sich hier Staaten in die Eigenarten anderer einmischen,dann gibt es da nur zwei Gründe. Entweder sind sie besorgt um ihr eigenes Gut,weil die Befürchtung besteht sie werden ausgenutzt u über den Tisch gezogen,so wie Deutschland von den Problemstaaten oder diese Problemstaaten treiben das Spiel um andere zu erpressen, mit Argumenten oder Pseudoargumenten. So wie jüngst geschehen, die Griechen behaupten, die Deutschen hätten ihre Reichtümer im Krieg geklaut u im Ami-Jargon, die Nazis hätten das getan. Oder im Fall Zypern(aber auch Grie.)wird Merkel auf Plakaten mit A.Hitler verglichen, eine Kränkung für A.H., wohlgemerkt ! In beiden Fällen ist es der Ausdruck der Straße, aber ist die Politik anders in ihrer Ausdrucksweise ? G hatte es gezeigt , selbst von höchster Ebene kamen anmaßende pomadige Beleidigungen, und in allen diesen Fällen stehen die Medien auf deren Seite, wie sogar bei uns teilweise, buckelnd und diese negativen Tendenzen verstärkend und viele hier buckeln mit, ohne Courage , zu feige, oder zu faul selbständig zu denken.
    Es ist nicht nur ein einfacher Streit mit Zypern wie es kleine Jungens untereinander haben oder kleine Mädchen miteinander Zicken. Das ist boshafter und brandgefährlicher Ernst der keinesfalls zu verharmlosen ist. Die wirklich harmlosesten Fälle sind gerade dabei uns bitterböse zu beschäftigen. Wie wird es wohl erst werden wenn Italien oder sogar Frankreich ins Koma fallen oder die Zugänge aus dem Ostblock, die stehen noch garnicht zur Debatte - außer das der ganze EU-Raum und darüber hinaus verseucht werden mit Kriminalität. Für manch einen nicht merkbar weil er sich seine heile Welt zurecht geschaffen hat(das Sofa)wie Sie vermutlich ! u morgen ?

  • F

    Schon in einem Nur-Binnenmarkt ohne gemeinsame Währung, besteht die Notwendigkeit zur Einmischung. Auch wenn Neoliberale das nicht wahrhaben wollen: Unbeschränkter Freihandel ohne Grundkonsens in der Sozial- und Steuerpolitik ist ein Unding. Die Binnenmarktpartner Deutschlands haben die Freiheit, Unternehmenssteuern und Rentenversicherung abzuschaffen (vielleicht sogar die, Kinderarbeit einzuführen?), aber Deutschland hat nicht die Freiheit sich gegen diese Formen asozialer Konkurrenz durch Einfuhrbeschränkungen zu schützen?! Der Nur-Binnenmarkt ohne sonstige politische Einigung, auf den Henkel und seine Anhänger Europa reduzieren wollen, - er ist die undemokratischste Entmündigung des deutschen Volkes überhaupt. Ebensowenig würde es Deutschland bei völlig offenen Grenzen und Freizügigkeit einfach hinnehmen können, wenn eine mangelhafte Strafverfolgung auf Sizilien der organisierten Kriminalität hierzulande einen sicheren Rückzugsraum verschaffen, oder wenn eine Diskriminierung der Roma in Bulgarien diese massenhaft zu uns treiben sollte. Streit über den richtigen gemeinsamen Kurs ist eine unvermeidliche Begleiterscheinung eines Europa, das mehr sein soll als eine unverbindliche Veranstaltung nach Art des britischen Commonwealth, der GUS oder der arabischen Liga.

    Die Europafeinde aber entdecken anscheinend erst jetzt, was andere mit 13, 14 herausfinden: Partnerschaften bringen Konflikte mit sich, die man ohne Partner nie hätte. Es ist völlig richtig: Wer mit keiner Frau zusammenzieht, kriegt auch keinen Streit mit ihr über den Abwasch. - Nur nützt einem diese Einsicht außerhalb von Zölibat/ nationalstaatlicher Isolation leider nichts.

  • Daß ein Teil Europas zunehmend ein Interesse daran nehmen muß– sich in das „einmischen“ muß -, was in einem anderen geschieht, ist einfach Ausdruck davon, wie eng die Partnerschaft der europäischen Länder geworden ist: Wer so stark miteinander verwoben ist, wie die EU-Länder, der ist von gegenseitiger Rücksichtnahme abhängig und fordert sie. Skandalös kann das nur finden, wer - wie anscheinend Hans-Olaf Henkel - den Rest Europas als fernes, exotisches Ausland ansieht.

    Wenn man Europa hingegen als das große INLAND betrachtet, das es mit seinen offenen Grenzen längst ist, verschwindet der Skandal. Ja, die deutsche Regierung hat mit der zyprischen einen Streit über die Rettungsgelder – wie die bayrische mit der bremischen über den Länderfinanzausgleich, wie die hessische mit der brandenburgischen über den Solidaritätszuschlag und wie die niedersächsische mit der bayrischen über den richtigen Standort des deutschen Atommüllendlagers. Ja, die zyprische Bevölkerung läuft Sturm gegen das Rettungspaket - wie die ostdeutsche einmal Sturm gegen die Hartz-Reformen lief. Aber damals hat Henkel uns nicht erklärt, daß die Wiedervereinigung mit gemeinsamer D-Mark sich als gefährlicher „Spaltpilz“ zwischen Ossis und Wessis erwiesen habe und um des Friedens unter Deutschen willen schleunigst rückabgewickelt werden müsse. - Warum eigentlich nicht?

    In einem Inland ist es ganz normal – ist es UNVERMEIDLICH - daß ein Teil desselben Konflikte mit einem anderen Teil austrägt – und je mehr Europa zusammenwächst, desto normaler wird solches Sich-Zusammenraufen-Müssen eben auch dort. Dies „liegt“ auch nicht allein „am Euro“. Unabhängig von Währungsfragen haben sich die EU-Partner in der Vergangenheit in die österreichische Politik (Haider) eingemischt, und gehen sie jetzt gegen die Verfassungsabenteuer der rumänischen und ungarischen Regierungen (Orban, Ponta) vor – wegen Vorgängen, die ihnen bei einem Nicht-EU-Land völlig gleichgültig wären.

    > F

  • @Hoyerswerder @Mannomann
    Es ist sicher nicht im Sinn von O.Henkel mit seinen ernsthaften Bemühungen für eine intakte Gesellschaft Naturen Ihrer Art an sich zu ziehen.
    Hoyerswerder soll auch nicht mehr das sein was es mal war,infiltriert u dem Diesseits entrückt ! Bei Mannomann sieht es nicht besser aus, wie schon der Name sagt...!

  • @Sarina @Bernardo
    Sarina hat nicht ganz unrecht, nur wer sagt uns eigentlich das wir die meisten Rettungsbeiträge beisteuern müssen ? Das ist eine Sache der Verhandlungsfähigkeit unser V-Verträter !! Merkel will die Macht, theoretisch nicht falsch, aber die anderen Staaten wissen das u nutzen es aus D zu erpressen. Alle Staaten waren vor dem Euro quasi Pleite, ein Währungsdebakel löste das andere ab. Frankreich, Italien, England..., die konnten mit ihren Währungen keinen Handel treiben. Letztlich war es der USD mit dem die Exporte u Importe abgewickelt wurden, obwohl auch der seine Fisimatenten hatte. Mit den € sollte alles gerettet sein, D als stützende Kraft mit niedrigsten Zinsen, aber damit hatten wir das Dilemma der Vor-Eurozeit dieser Loser-Staaten auf uns genommen und es eskalierte in das Unermeßliche.
    Warum ? Zu der Zeit herrschte die wahnwitzige Vorstellung, abgedeckt, bzw nicht widersprochen von den führenden Wirtschaftsinstituten, Universitäten, Experten und insbesondere nicht von den Politikern u Medien. Es wurde einfach ignoriert was jede Hausfrau in ihrem Haushalt umsetzen muß(heute wohl auch nicht immer), daß die Ausgaben nicht höher sein dürfen als die Einnahmen !! und das was nicht ausgegeben wird, davon wird ein neuer Teppich gekauft, für Urlaub zurück gelegt, oder für das Alter oder als Förderkapital für die Kinder später.
    Dieses alles wurde von unseren Experten einfach ignoriert u ein neues System erfunden, das durch Schulden andere Schulden getilgt werden können und damit die Wirtschaft angekurbelt wird und das sich alles selbstfinanziert letztlich. D war eine gewisse Zeit Schuldenfrei, nach dem Krieg, aber da gab es auch schon Ärger zw. Adenauer/Erhardt, China war sehr langge Schuldenfrei.
    Dieses System der Verschuldung kam aus Amerika, vielleicht war es das flatmoney-System, ich meine es war nach einem Schmidt benannt. Es tut letztlich nichts zur Sache, alle haben drauf los geschuldet, ohne Rücksicht auf Verwandte - es ist ja nicht ihr Geld !!

  • @Bernhard
    Ich glaube sie verstehen überhaupt nicht was um Sie herum geschieht! Ist es bei Ihnen Neid o haben Sie sich irgend einer destruktiven Strömung ausgeliefert die Sie nicht hinterfragen können o wollen ?
    Die AfD ist aus den Freien Wählern hervorgegangen, daß Sie das mal wissen! Und ich hoffe sie wird letztlich schlagkräftiger u wirkungsvoller sein als die FW !!
    Merkel, Schäuble, Universitäten,´wirkende Wirtschaftsführer´ nach ihrer Beschreibung, sie sind alle Systemabhängig bzw Systemrelevant u somit nicht unbedingt Bürgerkonform, zumindest solange nicht, wie klar gestellt ist, für den einzelnen, was Systembedingt bedeutet. Ich definiere es so, sie sind abhängig, Netzwerke usw.!
    Ein O.Henkel ist es weitestgehend nicht, es sei denn, er gehört einem anderen Netzwerk an.
    Dem scheint es zZ wohl nicht, wenn, dann wäre es das zZ weit ungefährlichere Problem im Vergleich mit Merkel u ihrem Stasiapparat. Sie will keine Volksabstimmungen die ihre Macht gewaltig einschränken würde. D.h. ihr Traum vom Großen Reich Europa wäre unrealisierbar .
    Für eine Zwangsabgabe für unter 100.000€, das kam aus ZY selbst, M u Sch haben dem nicht widersprochen was eigentlich auch richtig ist, der Gnatsch kam mit der angestrebten Enteignung(gezielter Bluff) der Rentengelder...!
    Eigentlich müßten aber alle zur Kasse gebeten werden, auch die kleinen Sparer, denn auch die tragen Verantwortung wenn sie mit ihren Wahlen nicht für die richtigen Leute in der Regierung sorgen. Kommen die gänzlich ungeschoren aus dem Schlamassel dann wird es nicht lange dauern bis das Chaos wieder seinen Lauf nimmt - weil es denen(allen) egal ist...!
    Das Gleiche gilt auch für D ! Verliert der kleine Mann nicht seine Dukaten, dann wird er weiter desinteressiert sein , auf der Couch sitzen u Glööckler.., Pilcher, Dirk Bach, St.Raab, Dschungelcamp, die Söldnertruppen Fußball usw anglotzen.
    Er würde unmündig werden wie die domestizfierten Viecher im Stall !
    Leider,wir sind die Loser des 2.WK,u noch unterdrückt!

  • Magrit117888

    Woher wollen Sie wissen was Dumpinglöhne sind. Sie haben doch nie gearbeitet.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%