Henkel trocken
Euro-Retter in Panik

Kritik an der Euro-Rettung wird nicht gerne gehört. Doch langsam aber sicher scheint es dem einen oder anderen Euro-Retter zu dämmern, dass es an der Zeit ist, über Alternativen nachzudenken.
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Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass die deutschen Euro-Retter von heilloser Panik ergriffen sind, dann hat ihn Kanzleramtsminister Ronald Pofalla mit seiner unflätigen Kritik am Euro-Abweichler Wolfgang Bosbach erbracht. Schon vorher hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel seinem FDP-Konkurrenten Philipp Rösler Rechtspopulismus unterstellt, weil er sich nicht an das politisch korrekte Redeverbot zum Thema "geordnete Insolvenz Griechenlands" gehalten hat. Sogar innerhalb der FDP wurde der Euro-Kritiker Frank Schäffler erst systematisch isoliert und dann offen gemobbt.

Ich selbst durfte ähnliche Erfahrungen machen: der Zyniker vom Dienst bei den Grünen, Jürgen Trittin, nannte mich einen "Chauvinisten". Selbst einer meiner Nachfolger an der Spitze des BDI bezeichnete Kritiker des derzeitigen Eurokurses, mit offensichtlichem Blick auf mich, als "Populisten auf Stimmenfang". Einen Hinweis darauf, bei wem meine von den meisten bisher noch als "exotisch" angesehenen Vorschläge zur Euro-Politik populär sind, blieb er  genauso schuldig, wie darauf, wessen Stimmen ich wohl für was fangen wollte.

Dass unseren Rettern des Euro, "koste es (wen wohl?), was es wolle", endgültig die Nerven durchzugehen drohen, konnte man an der Kritik unserer Parteiapparatschiks am Bundestagspräsidenten Norbert Lammert ablesen. Er hätte den Kritikern des EFSF-Rettungsschirmes das Rederecht nicht geben dürfen, meinten sie.

Wie die Euro-Retter mit ihren Kritikern umgehen, erinnert mich an frühere persönliche Erfahrungen mit Positionen, die dem bei unserer Elite herrschenden Zeitgeist widersprechen, auch an solche aus nicht allzu ferner Geschichte. Müssen wir bald in den Untergrund oder ins Exil gehen?

Da den Euro-Rettern zunehmend nicht nur das Geld für ihre Rettungsschirme, sondern auch noch die Argumente für ihr "weiter so"  ausgehen, entwerfen sie immer neue Schreckenszenarien, schüren Ängste ("Kernschmelze" macht sich im Jahr von Fukushima besonders gut), bedrohen und beleidigen ihre Kritiker. Das Ziel ist klar. Sie wollen eine Diskussion über Alternativen zum derzeitigen Euro-Kurs von vornherein abwürgen. Da das nur eine Weile funktionieren konnte, mussten sie die nächste Stufe der Rakete zünden, die die Ausgrenzung und Isolierung Andersdenkender zum Ziel hatte. Da dadurch partout "keine Ruhe im Karton" hergestellt werden konnte, kommt jetzt die nächste Stufe, die der Verunglimpfung - siehe oben.

Ich bin gespannt, wie lange an dieser Spirale noch gedreht werden kann, ohne dass unsere Demokratie ernsthaften Schaden nimmt. Auch die deutschen Medien haben sich bisher nicht mit Ruhm bekleckert. Im Gegensatz zur ausländischen Presse, die intensiv und ohne  auferlegte Selbstzensur über Alternativen diskutiert, werden bei uns die Kritiker des "One-Size-Fits-None-Euro" von fast allen Vertretern der Medien als Populisten, Außenseiter und bestenfalls Naïvlinge beschrieben. 

Kommentare zu " Henkel trocken: Euro-Retter in Panik"

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  • Hans Olaf Henkel will die FDP entern

    Gestern hat Prof. Henkel seine Euro Alternative in der Halle Münsterland vorgestellt. Und ich habe gelernt: es gibt in Deutschland zumindest einen „Piraten“, der Ahnung von Wirtschaft und eine Idee zur Lösung der Eurokrise hat. Aus dem ehemaligen Wirtschaftskapitän ist ein rebellischer Pirat geworden, der nun die FDP entern will, um den Euro zu retten.

    Gerhard Nadolny
    www.diesilberseite.de

  • Die Idee von einem Südeuro und einem Nordeuro ist doch nur aus Angst vor ein wenig Wohlstandsverlust in Deutschland geboren. Das hat doch alles nichts mehr mit der Idee von einem geeinten Europa zu tun. Ein Starkeuro und ein Schwacheuro in Europa: Das ist die Schaffung von Konflikten pur. Genauso hätte man früher eine Meckpom-DM und eine Bayern-DM schaffen können - insgesamt wenig durchdacht !

  • Je weiter man sich dem Undenkbaren nähert, desto mehr ist es zu spät --- noch heil aus dem Sumpf zu kommen. Schlage vor Hans Henkel : wie frueher - einen easy day in Freiburg machen- wie vor 35 Jahren !

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