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Henkel trocken: Feigheit vor dem Klassenfeind

Der Organisator des Weltwirtschaftsgipfels, der Deutsche Klaus Schwab, stellte in Davos den Kapitalismus und die Globalisierung in Frage. Doch er macht es sich zu leicht. Wo bleiben die Stimmen der Wirtschaft?

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor
Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Der Organisator des Weltwirtschaftsgipfels, der Deutsche Klaus Schwab, stellte in Davos den Kapitalismus und die Globalisierung in Frage. Das war für mich keine Überraschung, ist er doch immer schon gern dem Zeitgeist hinterhergelaufen.

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Natürlich war das nicht nur eine Gelegenheit für Linke, sondern auch eine für sogenannte Querdenker und sich öffentlich gern nachdenklich Gebende, mit den Advokaten der Freiheit, des Individualismus und der Selbstverantwortung abzurechnen. Das Versagen der Politik, den Finanzsektor so zu regulieren wie in der Realwirtschaft längst geschehen, macht es ihnen leicht. Dass die in Davos versammelten deutschen Wirtschaftsführer es ihren ausländischen Kollegen überließen, die Marktwirtschaft und die Globalisierung öffentlich zu verteidigen, ist typisch für die „schweigende Mehrheit“ auf deutschen Vorstandsetagen. Grossmann und Reitzle sind rühmliche Ausnahmen.

Ähnlich wie in Diskussionen über die Energiewende und den Euro, bei denen viele Wirtschaftsführer unter vier Augen das genaue Gegenteil von dem sagen, was sie öffentlich von sich geben, engagiert sich kaum einer von ihnen noch öffentlich für Marktwirtschaft und Globalisierung: nicht in Talk Shows, nicht einmal in Davos.

Dabei lässt sich unser Gesellschaftssystem so einfach verteidigen. Hier ist etwas Nachhilfeunterricht:

Dass durch den internationalen Handel zusätzlicher Wohlstand in den entwickelten Ländern und neuer Wohlstand in den Schwellenländern entstanden ist, sollte unter wirtschaftspolitisch Aufgeklärten Allgemeinwissen sein. Gerade Deutschland profitiert von der Globalisierung. Man braucht sich ja nur einmal vorzustellen, was bei uns los wäre, wenn wir unseren Exportüberschuss nicht hätten. Mindestens jeder fünfte deutsche Arbeitsplatz hängt von Export ab. Schon deshalb ist es seltsam, dass ausgerechnet Deutsche der Globalisierung gegenüber so kritisch und dem Euro in solch unverbrüchlicher Treue gegenüberstehen. Den Euromantikern in deutschen Vorstandsetagen sei noch einmal ins Stammbuch geschrieben: 60 Prozent unserer Exporte gehen nicht in die Euro-Zone, Tendenz: steigend, Grund: Globalisierung.

Und die Globalisierung ist nicht nur ein wirtschaftliches Phänomen. Es reisen nicht nur Waren, Investitionen und Kapital um die Welt; Ideen, Ideale und Wertvorstellungen tun dies auch. In meinen Vorlesungen an der Universität Mannheim veranschauliche ich die insgesamt segensreichen Folgen der Globalisierung immer gern durch das „Sympathische Dreieck“.

Eine Seite des Dreiecks repräsentiert die Marktwirtschaft, die ihren Siegeszug um die Welt fortsetzt. Ob mit dem Adjektiv „sozial“ davor oder in ihrer angelsächsischen Variante, die Marktwirtschaft hat sich allen sozialistischen Modellen als überlegen erwiesen.

Zur selben Zeit – und das ist die zweite Seite des Dreiecks – setzen sich, trotz Guantanamo, Hugo Chavez und dem lupenreinen Demokraten im Kreml, auch die Menschenrechte immer mehr durch. Als engagiertes Mitglied von Amnesty International sehe ich in den Jahresberichten, dass sich die Menschenrechtssituation in immer mehr Ländern verbessert. Die Todesstrafe ist heute in mehr Ländern abgeschafft als je zuvor. Dass sich nach der Erklärung der Menschenrechte vor 61 Jahren weltweite Standards für Menschenrechte langsam aber sicher durchsetzen, ist auch eine Folge der Globalisierung.

 

  • 07.02.2012, 16:45 UhrHenry

    Ein grundlegendes Problem was alle Länder haben besteht nicht im Wirtschaftssystem sondern vielmehr in der Art wie Gewinne erwirtschaftet werden. Das Problem:

    Die Industrie rennt sich tot. Statt moderate Zuwächse zu realisieren zockt die ganze Wirtschaft für super schnelle Gewinne. Und genau darin liegt der Fehler. Langfristige Gewinne bringen Ruhe in das Wirtschaftsgebaren, zudem kann immer rechtzeitig gegengesteuert werden, ohne gleich Mitarbeiter zu entlassen. Vielleicht brauchen wir eine vernünftige Mischung aus Kapitalismus und Sozialismus.

  • 07.02.2012, 14:06 UhrAnonymer Benutzer: ErDe

    Marktwirtschaft, Demokratie und Menschenrechte sind zweifellos unantastbar für unsere Gesellschaft. Auf eine häufige geistige Schludrigkeit möchte ich aber hinweisen. Was sind Kapitalismus und Sozialismus? Sind es politische Systeme oder Wirtschaftssysteme? Kapitalismus kann bestenfalls noch für Verhältnisse im Mittelalter verwendet werden, als dem Machtadel in den Städten immer mehr der neue Geldadel gegenüber stand. Marx verwendete diesen Begriff bereits mehr zur Diffamierung des politischen Systems freiheitlicher Staaten. Unser Wirtschaftssystem ist die Wettbewerbswirtschaft im Gegensatz zur Planwirtschaft. Unser politisches System ist die Repräsentative Demokratie im Gegensatz zum Bonzensystem der Kommunisten. Kapitalismus und Sozialismus sind nur Plagiate im Sprachschatz der Kommunisten, deren Bezeichnung selbst schon ein Plagiat darstellt.
    von ErDe, München

  • 07.02.2012, 12:43 UhrAnonymer Benutzer: BurkhardLaatsch

    Lieber Herr Henkel,
    mit diesem Aufsatz haben Sie wohl etwas übers Ziel geschoßen.
    Wie interpretieren Sie eigentlich den Begriff Globalisierung und im Umkehrschluß eine Staatsgrenze ? An der G muß man ernsthafte Zweifel haben. Begehen Sie nicht wieder einen ähnlichen Fehler wie den mit dem Euro, alles zu glorifizieren was auf Anhieb so schön erscheint ist ein schrecklicher Fehler. Es führt zu weit,aber einiges soll aufgezeigt werden: Wie vieles ist auch dieses von den USA mit ihrem ungezügelten Eroberungswillen von Politik und Wirtschaft gepuscht. Sie bekommen, nicht nur die USA, auch bald werden es die Chinesen sein und andere, die diese Rolle übernehmen werden, ungezügelten Zugang zu Ressourcen, Kulturen, Selbstbestimmung u Unabhängigkeit, Verbrechertum usw was ihnen vorher durch Grenzen (es sind Schutzwälle)verwehrt und erschwert war. D.h. der Schutz wird nicht mehr möglich sein wozu Grenzen einmal gedacht waren !! Denken Sie an den Terror den heute eine große Macht wie die USA ausüben kann und auch tut ! Eine Bilderbuchdemokratie ? Sie hat unter diesem Titel nahezu sämtliche Kriege auf diesem Globus angezettelt - im Klartext : und auch verloren, jedenfalls nach dem 2.WK ! Nicht nur das, sie ist an diesem wilden aber hinterlistig und schlauen Gebaren nun wirtschaftlich selbst zugrunde gegangen. Und auch nicht nur das, sie hat Europa mit diesem ungezügelten Kapitalismus in den Abgrund gerissen. Wäre ich Kommunist, es würde mir sehr leicht fallen die USA mit ihren Argumenten matt zu setzen. Das was die kommunistischen Staaten zur Aufgabe zwang war ihre systembedingte Unflexibilität. Zur gleichen Zeit waren die meisten westlichen Staaten pleite, wegen mir auch insolvent. Sie waren schon damals alle haushoch verschuldet, mit der EU u Eurounion wurde es hier vertuscht und nur noch schlimmer. Das Paradebeispiel eines solchen Staat ist Griechenland, für den fortschreitenden kulturellen und moralischen Zerfall einer Gesellschaft die gegenwärtige deut. polit. Führung.

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