Kurz und schmerzhaft

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Henkel trocken: Frankreich ist zu schwach für den Euro

Der Euro sollte mal Frieden stiften. Heute führt er dazu, dass die Deutschen von den Franzosen zunehmend als schulmeisterlich, die Franzosen von den Deutschen als reformfaul angesehen werden. Die Konsequenz ist klar.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor
Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

In der vergangenen Woche sagte Frankreichs Ex-Präsident Valerie Giscard d’Estaing, dass in einer Partnerschaft kein Partner viel stärker sein dürfe als der andere. Er bezog sich natürlich auf die Ursache der sich verschlechternden Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland. Der Verfasser hat zwölf Jahre in Paris gelebt und weiß, dass viele Franzosen auch so denken. Er ist trotzdem der Meinung, dass befreundete Nationen sich nicht so wie Ehepaare verhalten müssen, deren Partner immer auf den anderen warten. Und haben die Deutschen nicht auch gute Beziehungen zu anderen, wirtschaftlich schwächeren Nationen?

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Es wird höchste Zeit, sich mit der Ursache der aus dem Lot geratenen französisch-deutschen Achse zu befassen: mit dem Euro! Allerdings, bisher bleibt es politisch inkorrekt, zuzugeben, dass der Euro zu stark für Frankreich und zu schwach für Deutschland geworden ist.

Jahrzehntelang konnte Frankreich seine Wettbewerbsfähigkeit durch eine Kombination von Reformen und Abwertungen seiner Währung erhalten. Blieben die Reformen aus, konnte die Regierung das Ventil der Abwertung öffnen. Seit Einführung des Einheitseuros geht das nicht mehr.

Heute leiden Franzosen unter einem zu starken Euro und einer Rezession, deutsche Sparer zunehmend unter zu einem zu schwachen Euro und zu niedrigen Zinsen, um die Inflation auszugleichen. Das Resultat kann man auf beiden Seiten des Rheins besichtigen: drüben steigende Arbeitslosigkeit insbesondere für die Jungen; hier ein Ansturm auf inflationssichere Immobilien.

Was bedeutete es eigentlich, wenn Präsident Hollande von der EZB niedrigere Zinsen verlangt, während Kanzlerin Merkel zur gleichen Zeit für höhere wirbt? Die Antwort kann doch nur heißen: eine “one-size-fits-all” – Währung kann in wirtschaftlich so unterschiedlichen Situationen wie denen in Frankreich und Deutschland nicht funktionieren.

Um den Euro zu stabilisieren, sollte mit dem Fiskalpakt der „Süden“ dem „Norden“ angeglichen werden. Seitdem klar ist, dass keins der „Südländer“ seine Ziele auch nur annähernd erreicht, wird eine weitere Strategie verfolgt: Deutschland soll ihnen durch eine teilweise Aufgabe seiner Produktivitätsvorsprünge entgegen kommen.

Zum Abschied von Merkozy Ein Rückblick auf deutsch-französische Traum-Duos

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Und hier kommen wir zur Ursache der Probleme zwischen Paris und Berlin. Zwar ist Frankreich wirtschaftlich nicht besser dran als Italien oder Spanien, trotzdem verweigert es sich den nötigen Reformen. Stattdessen verlangt Präsident Holland, französische und deutsche Schulden mit Eurobonds zu sozialisieren, sein Industrieminister will, dass Deutschland weniger exportiert, sein Finanzminister will höhere deutsche Steuern. Das kommt hier nur bei linken Ökonomen, Roten und Grünen gut an.

Außenminister Westerwelle dagegen fühlte sich letzte Woche aufgerufen, so wie andere deutsche Kollegen vor ihm auch, Frankreich zu Reformen zu drängen. Das kommt in Frankreich bei niemandem gut an.

Als beide Länder noch nicht in einem Euroverbund aneinander gekettet waren, ist niemand auf die Idee gekommen, dem anderen Partner vorzuschreiben, welche Wirtschafts- und Sozialpolitik er zu verfolgen hat. Heute stecken Franzosen dauernd ihre Nase in deutsche und Deutsche ebenso oft ihre in französische Angelegenheiten.

Der Euro sollte mal Frieden stiften. Heute führt er dazu, dass die Deutschen von den Franzosen zunehmend als schulmeisterlich, die Franzosen von den Deutschen als reformfaul angesehen werden.

Bevor der Euro Frankreich und Deutschland weiter voneinander trennt, sollten sich beide vom Einheitseuro trennen.

Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor an der Universität Mannheim. Bekannt wurde der langjährige IBM-Manager vor allem als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).


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  • 28.05.2013, 11:01 UhrALFRED

    "fortissimogrande", sind Sie "Fredi" oder all die ande-
    ren Phantasienahmen? Wollen Sie Meinungsvielfalt sugge-
    rieren, was ja dann Betrug am "unbedarften" Leser wäre!
    Ihre Kommentare haben unter allen Tarnnamen den
    gleichen schmalspurigen Inhalt und den gleichen Duktus.

    Ihr obiges Geschwurbel beeindruckt micht.

    "Kleingeistig" und verwerflich sind Ihre paranoiden und
    wahrheitsverdrehenden Aussagen zur AfD und speziell
    zu Herrn Lucke.

    Zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit der AfD müss-
    ten Sie erst einmal richtig zitieren! Eine seriöse Mei-
    nungsbildung liegt aber nicht in Ihrem Sinne, deshalb nochmal, wer zahlt Ihre denunziatorischen Elaborate?

    Als Staatsbürger auf der "Meinungssuche" braucht es
    keine x-Tarnnamen, die alle den gleichen Giftmüll ver-
    breiten.

  • 28.05.2013, 05:32 Uhraegilde

    Och! Der ach-so-schlaue ALFRED, der meint, hinter irgendwelchen Texten stünde gleiche eine Bezahlung des HB. Auch Alfred offenbart sich als armselige Textkreatur-Versuchskorrekturperson, der Äpfel und Birnen anderer Beiträge in einen Korb wirft um befriedigt in den Tag zu starten. ...

  • 28.05.2013, 05:28 Uhrlapunscho23

    Ben-Wa: ihr armseligen Kreaturen offenbart schon mit jedem Atemzug kleingeistiges Gesülze. "Wer bezahlt Sie denn"...auch Euer Hirn ist nach gelungener Medienhirnwäsche nur noch auf Geld getrimmt wo gar keines bezahlt wird. Aber als Aufstocker, H4ler etc braucht man ja EURO-Spielgeld.

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