Henkel trocken
Gegen die Verwahrlosung im Internet

Das Handelsblatt setzt sich dafür ein, dass Leser auf der Online-Seite mit ihrem vollem Namen kommentieren. Das fordert auch Kolumnist Henkel - im Kampf gegen Vorverurteilungen, Beschimpfungen und Verschwörungstheorien.
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Seit einigen Monaten schreibe ich montags für Handelsblatt Online diese Kolumne. Auch vorher habe ich mich in Büchern, Kommentaren und Essays zu gesellschafts-, wirtschafts- und finanzpolitischen Themen geäußert. Natürlich gibt es auch „Online“ viele konstruktive Kommentare zu meinen Thesen und Beobachtungen. Es sind immer wieder welche dabei, die mich auf einen Fehler in meiner Argumentation aufmerksam machen, auf einen neuen Gedanken bringen oder eine falsche Behauptung korrigieren. Trotzdem ist meine Erfahrung mit den Online-Reaktionen auf „Henkel trocken“ im Vergleich zu den Leserbriefen, die ich auf meine gedruckten Veröffentlichungen erhalte, niederschmetternd.

Inzwischen hat sich ein wiederkehrendes Muster für die besonders unreflektierten und ärgerlichen Reaktionen ergeben:

  • Anstatt sich mit den vorgebrachten Argumenten auseinanderzusetzen, wird die vorgebrachte These ohne weitere Begründung in Bausch und Bogen in Abrede gestellt. (Die vergleichsweise harmlose Variante: „So einen Unsinn habe ich schon lange nicht mehr gelesen.“)

  • Passen die Schlüsse nicht in das Weltbild des Lesers, werde ich beleidigt. (Ein Beispiel erspare ich mir aus naheliegenden Gründen.)
  • Einige Leser haben ein schier unwiderstehliches Verlangen, mir sachfremde Motive für eine vorgebrachte Meinung zu unterstellen. („Sie sagen das ja nur, weil Sie Mitglied im Aufsichtsrat von „X“ oder im Beirat von „Y“ sind.“)
  • Manche Einsender verbreiten absurde Verschwörungstheorien. („Neue D-Mark-Banknoten werden schon gedruckt.“)
  • Regelmäßig arbeiten sich einige an Positionen ab, die ich nie eingenommen habe. (In der Psychologie spricht man von „erwartungsgesteuerter Wahrnehmung“)
  • Häufig geraten sich die Kommentatoren untereinander in die Haare und beschimpfen sich gegenseitig.
  • Oft tobt sich die „Diskussion“ über Sachverhalte aus, die mit dem in der Kolumne angesprochenen Thema nichts mehr zu tun haben. (Statt über den Euro wird dann über Günther Grass gestritten.)
Seite 1:

Gegen die Verwahrlosung im Internet

Seite 2:

Mut nur mit Maske

Kommentare zu " Henkel trocken: Gegen die Verwahrlosung im Internet"

Alle Kommentare

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  • ..und was " Worte" so anbelangt: "Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist." Konfuzius
    ...alles ist möglich ;o)..

  • Nun es tummeln sich online auch Zeitgenossen, welche leider Armut an Respekt innehaben und das Medium Internet /fb gern als Bühne des eigenen anonymen Aufmerksamkeitsgebahrens nutzen....Das bloße "Kritisieren im "Abtu-Stil" würde ich gar nicht groß an mich heranlassen, denn Maulen ohne (Gegen) Argumente, das kann jeder... Oft ist zu beobachten, dass nur politpolemische Geschwader aufgefahren werden, um scheinbar einfach mal Dampf abzulassen?... Manche tätigen selbiges im Kreise, weil sie wohl den Ausschalter nicht kennen? ;o)... Ach, man nehme es mit Humor und verschwende nicht seinen Sauerstoff daran :o)... Es gibt ja zum Glück nicht nur solche Zeitgenossen... und via fb kann unsereins seine Verbundenheiten ja selber (mit)bestimmen ;o)...

  • Herr Henkel - Sie haben so Recht!
    Hinzu kommt, dass die etwas intelligenteren Leser sich vielfach von dem Umgangston und der unendlichen Besserwisserei "tit for tat" abgestoßen fühlen. Ich habe mich bei SPIEGEL.de und anderen Online Medien schon vor 1,5 Jahen abgemeldet. Der Kommentarbereich ist gerade beim SPIEGEL zur Kloake verkommen, die Kommentare und Beschimpfungs-/Verschwörungstheorien Muster wie z.B. bei Themen USA-Wahlkampf, Nahost-Konflikt, Iran, G. Grass, vorhersehbar. Wobei mir Kommentare von Menschen die in den USA zumindest schon EINMAL in ihrem Leben waren eben aussagekräftiger erscheinen. Ich spreche da aus eigener Erfahrung - wer nicht das Land besucht hat über das er spricht hat KEINE Ahunung - aber dafür eine Meinung die er um keinen Preis der Welt aufgeben möchte.
    Ich bitte Sie weiterhin Ihre Expertise per Blog zu veröffentlichen, aber ggf. die Kommentarfunktion moderieren zu lassen.
    Wie z.B. der Journalist Michael Spreng: http://www.sprengsatz.de/
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    Ja - und auch ich bleibe anonym, weil wer sich per Klarnamen "öffentlich" macht von Trollen (den virtuellen "Graffiti-Sprayern" im wahrsten Sinne des Wortes angeschmiert wird.
    Lesen Sie z.B. die Bewertungskommentare zu einem beliebigen Hollywood Film auf amazon. Dort poste ich negative Kritiken auch unter Pseudonym, da ich garantiert irgendeinen mit meiner Meinung zu dem Film vor den Kopf stoße und dann geht es schon los...

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