Kurz und schmerzhaft

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Henkel trocken: Genscher ist das Problem, Lambsdorff die Lösung

Ob Rösler, Brüderle oder Lindner – egal wer nominell an der Spitze der FDP steht, das Problem ist immer dasselbe: Die Partei hat zu viele Genscher-Klone. Es braucht jemanden wie Euro-Kritiker Graf Lambsdorff.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor
Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

DüsseldorfWer sich fragt, warum die FDP zwei Drittel ihrer Stimmen zwischen den Ergebnissen der letzten Bundestagswahl und den neusten Umfragen verloren hat, konnte die Antwort am gestrigen Sonntag auf dem Dreikönigstreffen der Partei finden. Schon vor einem Jahr glaubte die Partei, die Antwort darauf gefunden zu haben und wechselte Guido Westerwelle gegen Philipp Rösler aus. Es hat nichts genutzt. Auch wenn nach der Landtagswahl in Niedersachsen Philipp Rösler gegen Rainer Brüderle ausgetauscht wird, stellt sich die Führungsfrage nach Bundestagswahl aufs Neue. Danach wird auch Christian Lindner vergeblich sein Glück versuchen. Mit der FDP wird es erst dann wieder bergauf gehen, wenn sie sich auch in der Europapolitik wieder zu Subsidiarität, Wettbewerb und Selbstverantwortung bekennt. Dazu muss der heimliche Vorsitzende der FDP, Hans-Dietrich Genscher, endlich das Feld räumen.

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Schon optisch beherrschte Hans-Dietrich Genscher beim Königstreffen wieder mal das Podium der Führungsriege der FDP. Sein zukünftiger Nach-Nach-Nach-Nach-Nach-Nachfolger als Parteivorsitzender, Rainer Brüderle, versäumte nicht, ihm in seiner engagierten Rede durch ständige Lobpreisungen eine Applausrunde nach der anderen zu bescheren. Neben Genscher saß sein Nach-Nach-Nach-Nachfolger als Außenminister, Guido Westerwelle, der artig Genschers Kommentaren zu den verschiedenen Reden lauschte. Sowohl in der Europolitik als auch in der Nahostpolitik („Lybien-Enthaltung“) hat Westerwelle den Genscherismus als Leitlinie deutscher Außenpolitik wieder zum Leben erweckt. Die außenpolitische Leisetreterei hat nicht nur Amerikaner, Briten und Franzosen vor den Kopf gestoßen, auch viele FDP-Wähler.

FDP-Führungskrise Drei scheinheilige Könige

Das traditionelle Dreikönigstreffen der FDP machte seinem Namen in diesem Jahr besondere Ehre – mit dem Noch-König Philipp Rösler, dem Möchtegern-König  Dirk Niebel und dem heimlichen König Rainer Brüderle.

Egal ob durch Genschers direkte Interventionen oder durch den vorauseilenden Gehorsam seiner bisherigen und zukünftigen Nachfolger, die FDP hat sich auch in ihrer Europapolitik in einen unüberbrückbaren Widerspruch zu ihren liberalen Grundsätzen manövriert. Mit ihrer Zustimmung zur Eurorettungspolitik ließ sie auch ihre wichtigsten Prinzipien über Bord gehen. Subsidiarität, also die Verankerung politischer Verantwortung nah am Bürger, war gestern. Mit Genscher-Westerwelles „Mehr Europa“ ist heute der europäische Zentralstaat angesagt. War früher bei der FDP der Wettbewerb ein unverzichtbares Instrument für die Schaffung von Wohlstand, hat sie sich als Mitglied der Regierung in der Europapolitik auf den Irrweg der Harmonisierung eingelassen. War die Selbstverantwortung früher ein exklusives Markenzeichen der FDP, hat sie dies mit ihrer Zustimmung zum europäischen Schuldensozialismus schwer beschädigt.

FDP

In seiner Rede versuchte der alte Fuchs Brüderle diese Widersprüche mit Genscher-Argumenten, wie dem Hinweis auf zwei Weltkriege usw., aufzulösen. Dass der Euro unseren Kontinent langsam, aber sicher sowohl wirtschaftlich als auch politisch schwer beschädigt, erwähnte weder er noch einer der anderen FDP-Könige. So war es auch kein Zufall, dass neben Genscher auch Scheel und Kinkel als Kronzeugen für diese Europapolitik bemüht wurden. Ein anderer ehemaliger Vorsitzender, Otto Graf Lambsdorff, wurde totgeschwiegen. Alles andere wäre auch unehrlich gewesen, denn mit Lambsdorff wären ein europäischer Zentralstaat, die europäische Gleichmacherei und der Schuldensozialismus in der Eurozone nie zu machen gewesen. Im Gegensatz zum Verfasser dieses Kommentars war Otto Graf Lambsdorff immer gegen den Euro und hatte diesem damals in der entscheidenden Abstimmung im Bundestag seine Stimme verweigert.

Wenn die FDP wieder aufstehen soll, dann braucht sie keine weiteren Genscher-Klone an der Spitze. Davon gibt es in der SPD, bei den Grünen und in der Union genug. Sie braucht jemanden wie Graf Lambsdorff.


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  • 12.01.2013, 19:43 UhrBurkhardLaatsch

    2/2)...dann stellt man eine verflixte Ähnlichkeit fest !
    Auch wir leiden unter der undefinierbaren Macht, es ist nicht die freundliche Wärterin namens Merkel, hinter ihr ist noch alles Mögliche u Unmögliche, eine endlose Kette an agierenden u auch ungezügelten Kräften.
    Unser Wolf träumt von seiner ehemaligen Freiheit, auch die war eingeschränkt, denn es gab eine selbst gewählte Hierarchie,der Leitwolf hatte das Sagen er sorgte aber für das Rudel,wurde abgesetzt wenn das nicht klappte. Eine neue Wahl stand dann an, auf Wolfsart,nicht zimperlich, er konnte aber mitbestimmen. Irgendwie hatte er seine Position im Rudel u seine Identität ! Kein anderes Rudel würde ihm vorschreiben welchen Hasen er zu fangen hätte. Da hätte der Leitwolf(Merkel)schon was gesagt usw !
    Es ist so, der Wolf hatte in einem bestimmten System gelebt, es war überschaubar.
    Unser System mit der freundlichen Wärterin Merkel u ihren Helfern Schäuble, Rösner u dem neuen Wärter Steinbrück ist nicht(mehr) überschaubar. Und die Freiheit die ein anderer Oberwärter(Gauck) andauernd in den Käfig rein brüllt, die ist nicht die, die man aus dem alten u gestandenen Rudel kennt, das ist die Freiheit für die mitgebrachten Pudel die auch vor dem Käfig stehen u den Wolf bewundern aber der Oberwärter glaubte sie ständen im Käfig.
    Der Wolf wie der Leser werden zu dem Punkt kommen u feststellen : Es ist das System was man nicht kennt, komplett undurchschaubar, ohne Struktur, und nicht mehr das eigen Rudel bedient sondern andere Rudel obwohl die Führung gewählt war !
    Ist es das System, dann muß nachjustiert werden oder ein neues System eingeführt werden.
    Was können der Wolf und der Leser machen ? Sie können andere Wölfe u Leser aktivieren. Unser Wolf kann die verwandten Rudel aus den Nachbarwäldern zusammenheulen u Merkel u Konsorten zwingen sie frei zu lassen.
    Und der Leser ? Er hat nur die Wahl, solange er es noch kann u die EU jegliche Wahl unmöglich macht, Wärter Merkel zu zwingen uns frei wählen zu lassen !!!

  • 12.01.2013, 18:23 UhrBurkhardLaatsch

    1/2)Ich hab mir mal den Kommentar von terrahandel ,einfach so aus dem Bauch heraus, zur Brust genommen. Ich habe nicht alle gelesen, denn das würde das Aufnahmevermögen etwas strapazieren.
    Warum ? Er ist typisch für alle Kommentare hier, meinen wohl eingeschlossen, und auch für den Artikel von O. Henkel, auch er macht da keine Ausnahme.
    Allen scheint erstmal eines gemeinsam , in weiten Teilen haben sie alle durch die Bank recht aber alle haben in mindestens einem Punkt unrecht. Und allen ist gemeinsam, sie verzagen an der Realität und an der Feststellung etwas überhaupt ändern zu können und das macht alle gehörig nervös u ungeduldig, auch mich !
    Man hat das Gefühl man quasselt gegen Windmühlen an, kaum einer hört zu u jeder will nur seinen eigenen Senf los werden. Vergleichbar vielleicht mit einem eingefangenen Wolf der in seinem Gehege nicht zurecht kommt weil er die Freiheit vermißt, jedenfalls die von draußen gewohnte Freiheit, und nun ruhelos am Käfiggitter rauf und runter läuft keinen Blick für den Futternapf hat oder die Wölfin die ihm zugestellt wurde. Er spürt nur eines, er kann den Zustand nicht ändern so wie er eigentlich sein müßte. Er kennt nicht jene die ihn eingefangen haben, auch nicht jene die ihn verwalten und das Futter zuteilen oder die Wölfin rein gebracht haben. Er weiß nur, daß das Menschen sind, nicht die eigentlich recht nette Wärterin, die ihm jeden Tag das Futter bringt, und auch die Wölfin brachte, u auch nicht die ihn bestaunenden ihn liebenden u bewundernden Besucher. Er ahnt, da sind noch viel mehr Menschen, die vermutlich nicht so freundlich sind u vielleicht ahnt er auch, daß es ganze Organisationen sind, die ihn gefangen haben, testen ob er Mitesser hat oder Parasiten, ob er sich zur Weitervermehrung eignet oder für die Fast-Food-Küche. Er ahnt nur einen großen Machtapparat ohne das Zentrum der Macht zu erkennen von wo eigentlich alles seinen Ursprung hat und weiter gesteuert wird.
    Tauscht man nun den einsamen Wolf mit uns Leser.....

  • 08.01.2013, 22:21 Uhremilioemilio

    Wir danken Hans-Dietrich für seinen Großmut, ohne Not mal eben zusammen mit den Sozis, hier vertreten durch einen gewissen Egon ...die "Resultate" des 2. Weltkrieges, im Wesentlichen schon durch die Aktivitäten der USA im WK1 begründet, als Erfüllungsgehilfen eben diese "Ergebnisse"
    nahtlos umgesetzt zu haben, zum Nachteil Deutschlands für Deutschland! Das macht ihm so schnell keiner mehr nach von diesen Freiheitsbannerträgern der Gegenwart!
    Da keine Moral und Anstand bleibt nur die "Freiheit der Moneten" als Glaubensdekret!

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