Kurz und schmerzhaft

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Henkel trocken: Globalisierung erzwingt ein föderales Europa

Die Globalisierung taugt nicht zur Begründung eines europäischen Zentralstaats. Viele Beispiele belegen eine gestärkte regionale Identität, auch aus Deutschland. Man muss sich nur einmal auf dem Oktoberfest umschauen.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor
Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Düsseldorf
Als Nebenprodukt diverser Euro-Rettungspakete soll aus dem Europa der Vaterländer ein Vaterland Europa werden. Zur Begründung wird immer wieder etwas aus den folgenden Argumenten bemüht.

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Die taktische Begründung: Um den Euro zu retten, brauche man mehr Zentralismus, mehr Solidarität und mehr Harmonisierung. Diese Logik lässt sich schwerlich bestreiten. Dass dadurch langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Eurozone auf der Strecke bleibt, wird ignoriert oder in Kauf genommen.

Die historische Begründung: Ein durch den Euro erzwungenes gemeinsames Europa sichere den Frieden. Dass der Euro Zwietracht innerhalb der Eurozone anrichtet und den Graben zwischen Euroländern und Nichteuroländern stetig verbreitert, lässt sich schon lange nicht mehr leugnen.

Die strategische Begründung: Um sich den Herausforderungen der Globalisierung stellen zu können, müssten die europäischen Länder zu einer größeren Einheit zusammenrücken. An dieser Behauptung stimmt nur, dass ein möglichst großer Binnenmarkt die wichtigste Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand ist. Schweden, Dänemark oder Tschechien können sich mit einer eigenen Währung in der Globalisierung sogar besser behaupten. Selbst die Nicht-EU-Länder Norwegen und die Schweiz können es.

Nicht nur Euro-Rettung und Friedenssicherung, auch die Globalisierung taugt nicht zur Begründung eines europäischen Zentralstaats. Die Protagonisten müssen entweder blind, taub oder ideologisch verbohrt sein. Wie sonst könnte ihnen entgehen, dass die Globalisierung überall auf der Welt immer öfter zur Ablehnung von Zentralismus, dafür aber zu mehr Identifikation mit der eigenen Region führt?

Eine gestärkte regionale Identität belegen viele Beispiele auch aus unserem Land. An meinem zweiten Wohnsitz, in Konstanz, gab es früher ein zentrales Weinfest, heute gibt es eins in jedem Stadtteil. Als ich vor 40 Jahren zum ersten Mal auf dem Oktoberfest war, trugen nur die „Zenzies“ Trachtenkleidung. Heute tanzen dort auch die meisten der Zugereisten in Dirndl und Lederhosen auf den Bänken. Kaum vorstellbar dagegen, dass man sich je für ein Fußballspiel „Eurozone vs. Uruguay“ interessieren wird. Überall in der Welt kann man registrieren: Mit zunehmender Globalisierung steigt das Bedürfnis nach regionaler Identifikation, nach „Heimat“.

Auch die Wirtschaft reagiert auf die Globalisierung anders als die Politik. Anfang der 90er Jahre war ich Präsident der IBM Europa mit einer Hauptverwaltung von 2.000 Leuten in Paris. Heute spielt Europa bei den „Global Players“ keine Rolle mehr. Sie sind weltweit organisiert, dafür lassen sie ihre Kunden auf nationaler Basis betreuen. Kein Bayer, Nestlé oder Continental kommt noch auf die Idee, in Brüssel oder anderswo eine Verwaltung für ihr europäisches Geschäft einzurichten. Die IBM Europa gibt es nicht mehr.

Dass die Globalisierung auch politisch nicht Zentralismus sondern Föderalismus befördert, kann man an den aktuellen Nachrichten über die Unabhängigkeitsbestrebungen in Katalonien, Schottland und das Wiedererwachen der Sezessionisten in Südtirol leicht erkennen. In Quebec haben die Wähler gerade für eine Ministerpräsidentin gestimmt, die sich die Unabhängigkeit dieser französisch sprechenden Provinz auf die Fahnen gehaftet hat.
Nicht nur die UDSSR, Jugoslawien und die CSSR haben gezeigt, dass ein ideologisch (bei uns mit dem Euro) begründeter Zusammenschluss kulturell unterschiedlicher Regionen gefährliche zentrifugale Fliehkräfte entwickelt.

Für Europa kann die Konsequenz aus der Globalisierung nur heißen: Auch wenn es die Aufgabe des Einheitseuros bedeutete, wir brauchen ein föderales und kein zentralstaatliches Europas. Um des lieben Friedens willen!

Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor am Lehrstuhl Internationales Management der Universität Mannheim. Bekannt wurde der langjährige IBM-Manager vor allem als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).


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  • 10.10.2012, 11:52 Uhrgrauh94977

    Also Freunde ,lest mal die Verfassung der USA durch und macht euch Gedanken ueber die zukuenftige Struktur im vereinten Eiropa.
    Dort hat Madison ein klare Gewaltenteilung mit Check and Balances skizziert und so steht sie seit weit uebet 200 Jahren.
    Dazu kommen naruerlich die weiteren Zusaetze ,wie die Bill of rights etc.
    Der Versuch eine Vefassung in Europa zu schaffen ,ist jaemmerlich gescheitert.
    Aber man koennte sich ja auch mal umschauen.
    In den US haben die einzelnen Staaten klar definierte Rechte ,die leider bis zum Buergerkrieg vor 150 Jahren fuehrten.
    Der Praesident kann auch nicht alles machen was er will , sonst droht ihm die Amtsenthebung.
    Das koennte mit Abwandlungen,vieleicht ein Muster sein.
    Aber nach meinem Eindruck fehlt hier der echte Wille zur Einigung und eine klare Struktur.
    Jeder will sein Sueppchen kochen ,aber wenns knapp wird ,sollen die anderen einspringen oder werden sogar als Neonazis verschrieen.
    Also die Devise
    Alle fuer einen ,aber fuer mich das Meiste.
    So wird das nicht funktionieren.
    Leider fehlen in Europa die politischen Fuehrumgspersonen,die solch eine wirkliche Reform auch verkaufen koennen.
    Einer Frau Merkel traue ich das nicht zu.Die kann ja nicht mal richtig Englisch sprechen.
    Also bitte weitergackern und weiterwursteln.

  • 09.10.2012, 18:41 UhrImprovisation

    Die Schwächen solcher Kolumnen bestehen darin, dass mit ökonomischer Einäugigkeit politische Fragen ohne einen Blickwinkel für politisch-historische Zusammenhänge erörtert werden. Europa benötigt andere Antworten für seine Probleme als ein Wettbewerbsunternehmen am Markt.

  • 09.10.2012, 18:35 Uhrmargrit117888

    Das Wort Globalisierung wird von unsren Politikern ja mittlerweile als Drohung uns Bürgern gegenüber nenutzt. Läuft hier was nicht rund, kommt sofort "das sit die Globalisierung"
    Was Merkel mit ihrem Zentralsstaat Europa anstrebt, ist ja im Grunde genommen eine Diktatur Europa.
    Wir schaffen einen neuen Balkan.
    Aber wo nur noch Dummheit, Ideologie, Nichtwissen und Fanatismus herschen, kann man halt nichts Vernünftiges mehr erwarten

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