Henkel trocken
Her mit der Frauenquote in Aufsichtsräten!

Eine gesetzliche Frauenquote im Management macht wenig Sinn, wenn es an passenden Kandidatinnen mangelt. Anders verhält es sich mit den Aufsichtsräten. Hier kann auch augenscheinlich fachfremde Expertise von Nutzen sein.
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Ich bin für eine gesetzlich festgesetzte Frauenquote für Aufsichtsräte - unter Bedingungen. Nicht nur, weil alle Appelle und Selbstverpflichtungen uns kaum weiter gebracht haben, sondern auch, weil ich selbst gute Erfahrungen mit Quoten gemacht habe.

Da war die Nachkriegserfahrung. Zehntausende von Kriegerwitwen wurden zu Unternehmerinnen, weil der Chef eines kleinen, mittleren und manchmal größeren Unternehmens ausfiel. Als mein Vater nicht mehr aus dem Krieg zurückkam, hinterließ er meiner Mutter ein Unternehmen. Fortan war sie nicht nur für die Erziehung ihrer drei Kinder, sondern auch für die Führung der Firma zuständig. Der Wiederaufbau Deutschlands wurde nicht nur durch Trümmerfrauen, sondern auch durch hervorragende Unternehmerinnen vollbracht.

Da ist die positive Erfahrung mit Quoten durch die „affirmative action“ in den U.S.A.. Sie hat die überfällige Integration der Afro-Amerikaner beschleunigt. Noch 1964, zur Zeit meines ersten U.S.-Aufenthalts, waren die Toiletten in vielen Südstaaten für die Benutzer nach der jeweiligen Hautfarbe getrennt. Ohne „affirmative action“ wäre ein Barrack Obama kaum möglich gewesen.

Da war meine Erfahrung als Chef der Tochter eines amerikanischen Unternehmens, welches Quoten für die Einstellung und Beförderung von Frauen auch für die IBM Deutschland vorgab. Martina Koederitz wäre heute nicht die Chefin der IBM Deutschland, hätte ich sie nicht 1986 - auch unter dem Druck einer solchen Quote – zusammen mit anderen Frauen eingestellt.

Um es klar zu sagen: Der Gesetzgeber ist völlig ungeeignet, Frauenquoten für die Besetzung von Managementpositionen vorzuschreiben, so wie es die EU-Kommissarin Reding will. Als Aufsichtsrat des führenden Anlagebauers SMS könnte ich keine Frau finden, die die notwendigen Montageerfahrungen im Ausland mitbringt, um dort im Vorstand tätig zu sein. Würde uns ein Gesetz zu Frauenquoten in Vorständen zwingen, müssten die Unternehmen massenweise Vorstände mit Scheinverantwortung ins Schaufenster stellen.

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  • Ich kann mich dem Kommentar von Azaziel fast ohne Einschränkung anschließen. Es ist kaum noch etwas hinzu zu fügen. Ich war fast immer der Meinung von O.Henkel, aber nun, zum zweiten Mal, Irritation, die einen verwundern läßt. Auch ein Aufsichtsrat sollte zu seiner Auswahl dem Kriterium von Fähigkeit und Unfähigkeit unterliegen und nicht eine Funktion der Menge sein. Würden die Frauen eine bessere Fähigkeit aufweisen als die Gruppe der Männer , dann hätte wohl kaum jemand Einwände, wenn letztlich mehr Frauen als Männer im Aufsichtsrat oder auch in anderen Einrichtungen wären. Aus biologischen Gründen haben Männer wahrscheinlich Vorteile, sie sind scheinbar durch ihre Kämpfermentalität bevorzugt - jedenfalls im Regelfall, und die ist nun mal zwingend erforderlich, denn noch ist das Leben ein Kampf und Unternehmen machen da keine Ausnahme.
    Alleinig Leistung bzw Fähigkeit muß das einzige Kriterium sein. Beide, Männer als auch Frauen, beide haben ihre Fähigkeiten und Bestimmungen, Überschneidungen sind normal.

  • @ Olaf Henkel – In einer Marktwirtschaft muss der Eigentuemer, der Aktionaer, seinen repraesentanten ALLEINE bestimmen duerfen. Dieses Recht des Aktionaers wird bereits durch die Klasse der bezahlten Manager dramatisch ausgehoehlt. Hinzu kommt die Mitbestimmung die ebenfalls die Rechte der Eigentuemer untergraebt, ohne dabei den Arbeitnehmern zu helfen. Und da kommen Sie jetzt mit Ihrer Zeitgeistparole von der Frauenquote im Aufsichtsrat. Warum eigentlich Frauen? Warum nicht Behinderte oder Auslaender? Warum sollen eigentlich nicht die grossen Religionen oder christlichen Konfessionen quotenmaessig repraesentiert sein? Warum soll denn nicht gleich die ganze Gesellschaft quotenmaessig abgebildet werden? Und warum nur die Aufsichtsraete? Man koennte ja Quoten auch fuer Berufsgruppen einfuehren. Es sollte mindestens genauso viele Bademeister wie Bademeisterinnen geben.

    Und wie hilft die Frauenquote in den Aufsichtsraeten den vielen Millionen Verkaueferinnen und Huasfrauen? Die freuen sich fuer Ihre Geschlechtsgenossinen?

    Herr Henkel, ich bin ein aufrichtiger Anhaenger von Ihnen, aber mit diesem unsaeglichen Schwachsinn haben Sie mich sehr enttaeuscht.

  • Das ist keine Sinnvolle Forderung.
    Dies impliziert das 2 Männer im gleichen Job das gleiche Verdienen. Das ist nicht der Fall, damit sind Einzelfälle nicht vergleichbar.
    Ausserdem Haben Frauen öfters Teilzeit oder Minijobs, so dass sie Automatisch weniger Verdienen als eine Vollzeitkraft. Damit sind Durchschnittswerte nicht vergleichbar.
    Allerdings erhalten Frauen mehr Rente als Männer, da ihre Lebenserwartung höher ist, aber beide die gleiche Rente bei gleichen Einzahlungen erhalten.
    Lasst doch endlich mal die Gleichmacherei!!! Okay Frauenquote für die Aufsichtsräte ist okay, ob da unfähige männliche Politiker oder unfähige frauenpolitiker sitzen, spielt wirklich keine Rolle.



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