Henkel trocken Journalisten und die „Vier-Augen-Gesellschaft“

In Großbritannien lässt sich noch offen und tolerant über den Euro streiten. In Deutschland wird man für Tabubruch aus der Öffentlichkeit verbannt. Auch Journalisten trauen sich deswegen nicht, ihre Meinung zu äußern.
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Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Letzte Woche nahm ich in London an einem Treffen britischer und deutscher Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik und Medien teil. Natürlich ging es um Europa, die EU und den Euro. Während ich dort darlegte, was der Euro alles so in Europa anrichtet, sang Altbundeskanzler Gerhard Schröder beim gemeinsamen Abendessen das hohe Lied auf die Einheitswährung. Er tat das in gewohnt eloquenter Weise, in ausgezeichnetem Englisch und bekam den verdienten Beifall. Die meisten der anwesenden Briten reagierten trotzdem genauso kritisch auf Schröders Thesen, wie die deutschen Teilnehmer auf meine.

Für mich war es trotzdem eine Wohltat, in einem toleranten Umfeld unverkrampft die Für und die Wider der Währungsunion und über Alternativen zu ihr diskutieren zu können, ohne mit den hier üblichen Keulen (z.B. „D-Mark-Chauvinist“) eins über die Rübe zu bekommen. Was mich am meisten wunderte, einige der anwesenden Deutschen sagten mir am Schluss („ganz im Vertrauen“), dass es mit dem Euro nicht so weiter gehen könne. Auch ein bekannter Journalist, von dem man so Ungeheuerliches bisher nicht lesen konnte.

Wir sind, zum Glück, ein freies Land. Zu Recht sind wir stolz auf die Errungenschaft der Meinungsfreiheit in der man das, was von der offiziellen Sicht abweicht, offen sagen darf. Wer aber allzu sorglos aus seinem Herzen keine Mördergrube macht, kann sich ganz schnell im Abseits wiederfinden: Wie man in vergangenen dunklen Zeiten missliebige Menschen einfach verschwinden ließ, entfernt man sie heute aus der Öffentlichkeit. Die Ansichten, mit denen sie Anstoß erregen, finden sich nicht mehr in den Medien. Eva Herman, Martin Hohmann, Thilo Sarrazin. War da was? War da wer? Sie leben noch, gewiss, aber sie existieren nicht mehr.

Wer das vermeiden möchte, gewöhnt sich im Kontakt mit den Medien eine doppelte Buchführung an: Offen sagt man, was man sagen kann, ohne Anstoß zu erregen. Und off the record, sozusagen hinter vorgehaltener Hand, fügt man hinzu, was man eigentlich gern auch offen sagen würde. Aber nicht kann, ohne die eigene Position zu gefährden.

Diese vorsichtige Zweiteilung scheint nicht mit dem Recht auf Meinungsfreiheit vereinbar zu sein. In Wahrheit jedoch ermöglicht sie es: Wer klug ist und nicht alles offen sagt, was er denkt, dem bleibt die „Meinungsfreiheit“ erhalten – die Freiheit nämlich, seine Meinung auch weiterhin gedruckt und gesendet zu sehen. Diese simple Verhaltensregel wird von allen beherzigt, die vor Mikrofonen und Kameras stehen und auch nach dem Interview noch ihre Posten als Politiker, Mandatsträger oder Beamte innehaben möchten. Auch von mir, der schon lange keinen Posten mehr hat.

Beim Thema „Euro“ hat sich seit ungefähr einem Jahr das Blatt gewendet. Nun sind es die Journalisten, die bei mir nach dem Interview gern etwas off the record loswerden möchten. Es drängt sie förmlich dazu, mir einzugestehen, dass sie der offiziellen, auch von ihrem jeweiligen Medium vertretenen Sichtweise, nicht länger folgen können. „Ich sehe das ganz ähnlich wie Sie, Herr Henkel“, sagen sie dann. „Aber ich kann das nicht schreiben.“ Oder: „In unserer Redaktion wäre diese Sichtweise vielleicht sogar mehrheitsfähig, aber wir bringen das nicht“ – wobei sie offenlassen, ob das eine selbst auferlegte Beschränkung ist.

Nur in Deutschland wurde der Euro mit solch tiefer, geradezu sakrosankter Bedeutung befrachtet. Bei uns ist er Glaubenssache, scheint über Krieg und Frieden, Sein oder Nichtsein zu entscheiden. Jahrelang waren die Journalisten der offiziellen Meinung treu gefolgt. Bis die Krise kam, die eine Eurokrise war, aber den harmloseren Titel „Schuldenkrise“ verpasst bekam. Dass viele meiner Ex-Kollegen aus der Industrie mir sagen, dass sie den offiziellen Kurs der Regierung nicht gutheißen, öffentlich aber dazu schweigen, ist nichts Neues. Neu ist, dass auch viele unserer Journalisten jetzt Teil der deutschen „Vier-Augen-Gesellschaft“ geworden sind.

Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor an der Universität Mannheim. Bekannt wurde der langjährige IBM-Manager vor allem als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

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57 Kommentare zu "Henkel trocken: Journalisten und die „Vier-Augen-Gesellschaft“"

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  • Als jemand ,der die AFD schon deshalb im BT sehen möchte damit die €-Einheitsfront ihr Monopol verliert,bitte ich sie um tägliche Kommentare !! Sie sind wertvoller für die AFD ,als jeder Beitrag zum €!!Danke!!

  • "Es stimmt doch was Henkel sagt"
    Außerdem, der Journalismus hat dem Teufel seine Seele verschrieben - eine ganz einfache Sache, da braucht man eigentlich nicht viel mehr zu sagen !
    Es stellt sich bloß die Frage : Wieso, warum ?
    Man kann es vermuten. Es besteht ein Hörigkeitszwang !
    Die Verlage selbst und die Vorstände und Aufsichtsräte sind von und durch die Politik und die Alliierten weisungsgebunden wie was rüber gebracht werden muß.
    Zentralräte und andere ausländische Interessengruppen tun ihr übriges um die Lehrinhalte von der UNI bis zur Klippschule entsprechend zu modellieren.
    Solange wir uns nicht von diesen Einflüssen freimachen können oder wollen ist alles lamentieren zwecklos.
    Das würde sich dann ändern , wenn es der Mittelschicht ernsthaft schlecht geht. Dann würde es auch die Unterschicht mobilisieren und es würde wieder zu dem kommen wie es in den 30er Jahren stattfand - und das wissen alle die ändern könnten und es gut geht weil sie von dem kranken System Leben, und somit vermeiden sie jeden Umschwung.
    Das Volk denkt bereits ganz anders , es ist bei denen nur ein Phlegma das zZ hemmt...!
    Auch Gaucks Freiheitsgefasel wird nichts ändern, vielleicht hat er das auch noch garnicht begriffen, was hier stattfindet. Oder er hat sich ein Freiheitssyndrom damals eingefangen(eine Macke).

  • Herr Henkel hat recht. Wir haben in allen Bereichen unserer Gesellschaft das Problem das Themen sehr stark über Medien und Lobbyisten polarisiert werden. Wer hier eine andere Meinung vertritt landet automatisch in der medialen Diaspora. Es ist wirklich schade, daß wir diese Offenheit des Dialogs wie er in vielen Ländern wie in Frankreich oder England gelebt wird nicht auch in Deutschland erleben. Haben wir vielleicht das Wort Egalite mit 'egal' verwechselt?

  • „Wenn ich an Meinungsfreiheit denke, denke ich dabei an jeden Einzelnen der sich eine eigene Meinung bildet, und das auch darf und auch öffetnlich.“

    Als Sockenpuppe haben Sie etwas Entscheidendes dabei missverstanden. Meinungsvielfalt bedeutet nicht, eine Einzelmeinung oder Diffamierungen unter unzählig verschiedenen Nicks immer wieder zu posten.

    Hantasilf, Tabu, pool, netshadow, Eddie, Fredi, hermann.12, Moellenkamp, graete, Freidenker/in, Realist, Karin, Müller_Luedenscheid, shadhajuuhpioky, Hans-Olaf, miklasross, fortissimogrande, Heinz, Haendle, Adi, Herrmann...

    http://de.wikipedia.org/wiki/Sockenpuppe_%28Netzkultur%29

  • Wie in der DDR, aber wir leben ja auch in einer DDR 2.0 mit leichtem Demokratieanstrich und wenn erst dei EUDSSR mit ihrem obersten Sowjet in Brüssel völlig installiert ist, werden Andersdenkende sicherlich sofort mundtot gemacht.
    Zuerst sicherlich mit Zensur und später, man weiß wie es aus geht.

  • @Radiputz
    Sie erklären die aktuelle Situation am Modell treffend.

    Der Euro Fanatismus hat quasi-religiöse Formen angenommen. Die "Säkularisierung" der "Euro-Gläubigen" hat noch nicht richtig stattgefunden.

    Quasi einer der vielen Endzeit-Sekten gleich wollen sie scheinbar all ihr Hab und Gut an die Südstaaten verschenken und auf ihren "Messias" (Mario) warten.

    Soziologen haben sich mit dem Thema "Konformitätsdruck und Isolationsfurcht" beschäftigt:

    "Noelle-Neumann zufolge bildet die Öffentlichkeit einen Raum, in dem der Einzelne zu beobachten versucht, mit welchen Einstellungen und Verhalten er sich „richtig“ verhält, akzeptiert und gebilligt wird. Falls nicht, würde man von einer kalten Schulter, dem Abrücken und dem ausweichenden Blick bestraft, so stellt Noelle-Neumann fest. Aus diesem Konformitätsdruck ergibt sich die Isolationsfurcht, die zum Schweigen im sozialen Leben führen könnte."

    Quelle: http://luhmann.uni-trier.de/index.php?title=Theorien_der_%C3%96ffentlichkeit

    Die Experimente von Asch belegen die Hypothesen von Noelle-Neumann. Hier ein eindrucksvolles Beispiel:

    http://www.personalbeurteilung.de/wirtschaft/asch.htm

    Unser Land braucht noch mehr mutige Männer und Frauen, die sich dem Konformitätsdruck der Systemmedien widersetzen und eine "Alternative für Deutschland" aufbauen.

  • @Rechner

    O-Ton Rechner
    „Daß sich ausgerechnet Exponenten eines riesigen medialen Geschwätzbereichs zu Märtyrern hochstilisieren ist einfach nur zum Totlachen.“

    ++++

    Wenn Sie meinen Rechner, dann lachen Sie sich halt tot.

    O-Ton Rechner
    „Leugnen Sie doch 'mal den Heulocaust, wenn Sie wissen wollen wie wirklicher Bekennermut aussieht!“

    ++++

    Hä? Was soll das? Meinen Sie mit Heulocaust etwa den Holocaust?

    Sie haben sich bereits mehrfach als Insider und Kenner des ESM dargestellt, und als Bewunderer (und Vertrauter?) von FM Schäuble. Zudem haben Sie sich als Anhänger der NPD und Rechtsradikaler geoutet. (Vielleicht sind Sie auch nur V-Mann)

    Der Holocaust ist ein derart abscheuliches Verbrechen, das von unseren Vorfahren begangen wurde, und es darf nie, gar nie in Vergessenheit geraten. Es packt einen das kalte Grauen, wenn man Dokumentationen und Berichte hierüber liest bzw. sieht.

    Sollten Sie mit Heulocaust tatsächlich den Holocaust meinen, dann ist dies Volksverhetzung. Dass sich FM Schäuble mit solchen Menschen umgibt, traue ich ihm allerdings nicht zu.

  • Erstaunen über den Autor Henkel-. Ich hab ihn noch nie so etwas Unsinniges schreiben sehen. Meinungsfreiheit, die nur für off the record gelten soll, oder wie? Die gab's in der DDR ebenfalls. Wie will er denn selbst seine Meinung gelesen wissen, wenn er sie nicht sagt? Also, ich muß schon sagen, diese Zeilen waren eine Zumutung. Was ist los, Herr Henkel? Ich dachte, Sie vertreten Ihre Meinung.

  • @ PikAs

    Ja, ich stimme Ihnen voll und ganz zu.

    Nur die Anrede "sehr geehrter Herr Eddie", die geht ja gar nicht. Dieser Typ verdient eine ganz andere Bezeichnung, die ich mir hier aber mit Rücksicht auf die HB-Zensoren verkneife ...

  • "Wäre es nicht an der Zeit, daß die Journalisten aufwachen, denn es geht um ein sinnvolles und humanes zukünftiges Europa?"

    Nunja, die Journalisten machen ihre Arbeit. Dafür werden sie bezahlt und je besser sie diese machen, umso mehr Auflage, also mehr Umsatz.
    Man in der Presse beklagen kann, das man in der Presse nichts zu bestimmten Themen sagen "darf", wo ist denn dann die Presse nicht frei?

    Wenn ich an Meinungsfreiheit denke, denke ich dabei an jeden Einzelnen der sich eine eigene Meinung bildet, und das auch darf und auch öffetnlich.
    Bei Meinungsfreiheit fällt mir mitnichten automatisch eine scheinbar gleichgeschaltete Presse ein, sondern ich suche nach mehr Möglichkeiten mir eine Meinung zu bilden. Und dann hat jeder die Freiheit eigene Publikationen herauszugeben, und in der heutigen digitalen Zeit erst recht.
    Natürlich kann ich hier in Spanien deutlicher über die Landnahme der Juden sprechen, ich kann ein Hakenkreuz aufs Motorrad kleben oder 'mein Kampf' mit in die Kneipe nehmen. Ich muß nur damit rechnen, das ich dann mein Motororad auf dem Scheiterhaufen wieder finde. Das ist in der Presselandschaft nicht anders. Es wird eine Realität abgebildet aus der ich die Freiheit habe, mir eine Meinung zu bilden.
    Wenn mir das auch noch vorgesetzt werden muß, ja dann würde ich mir ernsthaft Sorgen um diesen GG-Artikel machen. Jedes Grundrecht muß man auch wahrnehmen und nicht so tun als ob alles mundgerecht serviert werden muß. DAS ist das Problem.
    Und wenn ein Herr Henkel, oder andere, es gerne hätte, das alles in seinem Sinne mundgerecht serviert wird, ist das sein Problem. Er muß trotzdem damit rechnen das andere Leute andere Meinungen haben.

    Und bezogen auf England, ok, Medienkonzerne die überall Wanzen verstecken müssen, um einen Wettlauf der Auflagen zu gewinnen, die kann ich auch nicht wirklich ernst nehmen. Diese tragen zu meiner Meinungsbildung nicht mehr viel bei.

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